Paul ist Speerwurf-Weltmeister

Reinhold Paul vom VfL Waldkraiburg (Mitte): Er wurde Speerwurf-Weltmeister der Männer M50 vor Dennis Morris (2./USA, links) und Fred Bahr (3./Deutschland, rechts). Foto stl
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Reinhold Paul vom VfL Waldkraiburg (Mitte): Er wurde Speerwurf-Weltmeister der Männer M50 vor Dennis Morris (2./USA, links) und Fred Bahr (3./Deutschland, rechts). Foto stl

Der neue Weltmeister im Speerwurf kommt vom VfL Waldkraiburg: Der Leichtathlet Reinhold Paul überzeugte bei den 4. Hallen- und Winterwurf-Weltmeisterschaften der Senioren in Kamloops/

Wahrlich nicht leicht war es für den 53-Jährigen, um sein erstes großes Saisonziel in Angriff zu nehmen, denn förmlich wie ein Hindernisläufer musste er auf seinem Weg zum Erfolg so manch schwere Hürde bewältigen. Knapp zwölf Wochen vor der WM hatte er mit Verletzungen zu kämpfen, die "ich aber mit richtiger ärztlicher Behandlung im letzten Moment auskurieren konnte", erzählte Paul.

So hatte er ursprünglich einen Muskelfaserriss in der linken Wade und zwei Wochen vor der WM die gleiche Verletzung auch noch in der rechten Wade. Tägliche ärztliche Versorgung mit Spritzen und Stoßwellentherapie schaffte hier ein gewisses Provisorium. Und sein körperlicher Zustand war nicht allein ein gewisses Handicap, denn auch die Anreise zum Wettkampfort war von mehreren Umstiegen geprägt: Der Hinflug von München nach Calgary und von dort nach Vancouver und dann wiederum nach Kamloops dauerte - verbunden mit Schneestürmen und Flugverspätungen - satte 30 Stunden. "Bis zum Wettkampftag hatte ich dann nur drei Tage Zeit, um mich von dem Jetlag zu erholen", so Paul. "Das Risiko, dass ich nach dem Aufwärmen bei der WM schon nach Hause fahren konnte war dennoch sehr groß, zumal ich nicht wusste, ob meine Verletzung wieder aufplatzen würde", verriet der Heldensteiner. "Es machte mir psychisch ganz schön zu schaffen, dass der Wettbewerb für mich nach fünf Minuten schon vorbei sein könnte".

Nach den ersten Probewürfen mit dem 700 Gramm schweren Speer war er jedoch überzeugt, dass es mit dem Weltmeistertitel und damit auch mit der Titelverteidigung klappen könnte. Seine Gegner im Winter-Speerwurf der Männer M50 waren unter anderem ehemalige 85- Meter-Werfer und Olympiateilnehmer, die es ihm wahrlich nicht leicht machten. Und auch in der Rangliste schien diesmal nur Silber im Bereich des Möglichen zu sein, zumal ein Athlet aus Trinidad-Tobago als Favorit gesetzt war. "Ich musste deshalb alles in den ersten Versuch legen, da ich nicht wusste wie es mit meiner Verletzung weitergehen würde", sagte Paul. - Und dies Taktik gelang auch: Mit ausgezeichneten 52,99 Metern schockte er seine Gegner bei kühlen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein - und an diese Leistung kam auch niemand in den weiteren fünf Durchgängen mehr heran. Mit über acht Metern Vorsprung wurde Reinhold Paul am Ende nicht nur überlegen neuer Weltmeister, sondern verteidigte seine Goldmedaille aus dem Jahr 2008 aus dem französischen Clermont-Ferrand überaus erfolgreich.

"Die Freude war natürlich riesig groß nach der anstrengenden Anreise, den vielen Trainingsstunden und den zahlreichen Aufenthalten beim Orthopäden", strahlte der VfL-Athlet überaus zufrieden. "Für mich persönlich war der Sieg von großer Bedeutung und gleichzeitig die Bestätigung, dass meine Trainingsmethoden richtig sind".

Nach seinem WM-Gold im Jahr 2008 und seinem Europameistertitel 2009 bleibt Reinhold Paul damit auf der internationalen Bühne im Winterwurf ungeschlagen. Vize-Weltmeister wurde am Ende übrigens Dennis Morris aus den USA mit 44,46 Metern (2.) vor Fred Bahr (Deutschland/Hagenower ESV) mit 43,69 Metern und dem bis dato Weltjahresbesten Stockley Dean aus Trinidad-Tobago mit 42,88 Metern (4.).

"Ich bin so froh, dass wirklich alles auf den Punkt genau gepasst hat. Da fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen", verriet der EADS-Angestellte, der neben seinem Trainingsaufwand auch noch täglich einen einfachen Weg von 130 Kilometer nach Ingolstadt-Manching auf sich nimmt.

Im Sommer winkt übrigens bereits ein weiteres großes Ziel für den ehrgeizigen Leichtathlet: Bei den Senioren-Europameisterschaften in Ungarn möchte der Routinier ebenfalls zumindest auf das begehrte Stockerl klettern.

"Wenn ich fit bleibe, sind dann auch Weiten über 60 Meter möglich", prognostizierte der aktuell erfolgreichste Landkreis-Leichtathlet. stl

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