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Karriere-Aus wegen Knieproblemen

Ohne Handicap zu den Paralympics nach Tokio: Katharina Lang spielt Rollstuhl-Basketball

Wegen Knieproblemen ist Katharina Lang auf Rollstuhl-Basketball umgestiegen.
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Wegen Knieproblemen ist Katharina Lang (am Ball) auf Rollstuhl-Basketball umgestiegen.
  • VonLeon Simeth
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Wegen mehreren Kreuzbandverletzungen musste Katharina Lang auf Rollstuhl-Basketball umsteigen. Jetzt tritt die ehemalige Spielerin des TSV Wasserburg mit der deutschen Nationalmannschaft bei den Paralympischen Spielen in Tokio an. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Weg und ihren Zielen.

Bad Aibling/Wasserburg – Katharina Lang geht mit der deutschen Rollstuhl-Basketball-Nationalmannschaft bei den Paralympics in Tokio an den Start – eine Behinderung hat sie jedoch nicht. Bis zu ihrem 21. Lebensjahr spielte die 28-Jährige ganz normal Basketball, unter anderem für den TuS Bad Aibling und den TSV Wasserburg. Mehrere Kreuzbandverletzungen zwangen sie, ihre Karriere im Fußgänger-Basketball aufzugeben und auf Rollstuhl-Basketball umzusteigen. Wie schwierig die Umstellung war, warum sie als Nicht-Behinderte bei den Paralympics antreten darf und wie sie die Chancen der deutschen Mannschaft einschätzt, erzählt Katharina Lang im Interview mit der OVB-Sportredaktion.

Sie fahren zu Ihren ersten Paralympics. Was erwarten Sie?

Katharina Lang: Das wird auf jeden Fall ein Abenteuer und ich freue mich drauf. Ich hoffe, dass wir die Eröffnungsfeier vor Ort anschauen dürfen. Das ist immer ein Highlight.

Sie haben früher ja noch den in der breiten Öffentlichkeit bekannten Basketball gespielt...

Lang: Wir haben in Großhelfendorf angefangen, sind dann 2003 nach Bad Aibling gewechselt, um dort besser gefördert zu werden – ich sage immer wir, weil ich und meine Zwillingsschwester Franziska immer alles zusammen gemacht haben. 2009 sind wir sogar deutscher Meister in der Jugend geworden und 2011 nach Wasserburg gegangen. Aber das war schon eine echt coole Zeit, Aibling war damals ein richtiger Basketball-Standort, da hatten wir auch die Chance, für die Nationalmannschaft vorzuspielen, und waren in der Bayernauswahl.

In Wasserburg haben Sie aber nicht für die Bundesliga-Damen gespielt?

Lang: Nein, ich habe in der zweiten Mannschaft gespielt und habe zu der Zeit mein Abitur gemacht. Wir sind in die zweite Liga aufgestiegen und durften viel mit der ersten Mannschaft trainieren. Dort habe ich auch viel gelernt. Dann haben wir ein Angebot aus München bekommen, das war ein cooles Projekt.

Warum haben Sie sich für den Wechsel entschieden?

Lang: Wir wohnen ja in Kirchseeon und daher war es von der Lage her besser. Außerdem finde ich, dass man in einer großen Stadt mehr erreichen kann. Man muss dazu sagen, dass man Wasserburg schon kennt , aber da schauen hauptsächlich die Einheimischen zu. Ich habe ja in der Reserve gespielt.

Mit dem Adler auf der Brust: Katharina Lang tritt für Deutschland bei den Paralympics in Tokio an.

Warum sind Sie dann auf Rollstuhl-Basketball umgestiegen?

Lang: Im Jahr nach der Meisterschaft habe ich mir mit 17 Jahren in einem Testspiel das Kreuzband gerissen, genau eine Woche vorm Start der Jugend-Bundesliga-Saison. Es ist erst falsch operiert worden, sodass ich nochmals operiert werden musste.

Inwiefern falsch operiert?

Lang: Der Bohrkanal, in dem das Kreuzband eingehängt wird, ist zu groß gebohrt worden, sodass die Schraube mit dem Band durchgerutscht ist. Das hat man dann aber erst festgestellt, als ich mich wieder verletzt habe. Es war dann fast ein ganzes Jahr, in dem ich gar nichts gemacht habe. Franziska war Kapitänin der Bundesliga-Mannschaft und jedes Wochenende beim Spiel gewesen und ich bin zu Hause gesessen.

Wie hat sich die Verletzung entwickelt?

Lang: Zunächst war es nach der langen Pause wieder gut, dann habe ich mich in München am vorletzten Spieltag wieder am Kreuzband verletzt – das war in der Säbener Halle, wo ich jetzt auch Rollstuhl-Basketball spiele. Da ist dann ein Rollstuhlfahrer zu mir hergekommen und hat mir eine Karte vom USC, dem Münchener Rollstuhl-Basketball-Verein, in die Hand gedrückt. Er meinte, er hat das mit meinen Verletzungen mitbekommen und fragte, ob ich Lust habe, mir das mal anzuschauen. Als Erstes war ich eher abgeneigt, obwohl es sich sehr interessant angehört hat. Aber ich hatte zu dieser Zeit auch Prüfungen. Zufälligerweise war dann mein ehemaliger Trainer Assistenz-Coach beim Rollstuhl-Basketball. Der hat mich dann gefragt, ob ich es mal probieren will. Und seit dem spiele ich Rollstuhl-Basketball.

Wie schwierig war die Umstellung?

Lang: Es war schon schwer. Ich war es einfach gewohnt, zu springen, um Körbe zu werfen und Körperkontakt zu haben. Da waren dann auch ein paar Fußgänger dabei, die es mir gezeigt haben. Die wussten schon, wie sie mit mir umgehen müssen, dass ich nicht gleich ausraste und aus der Halle renne. Man fährt da schon öfter mal gegen die Wand.

Rollstuhlfahren ist ja allein schon etwas, was man erst einmal lernen muss.

Lang: Unsere sind ganz anders als ein normaler Rollstuhl, damit man wendiger ist und nicht umkippt. Von dem her ist es um einiges besser. Trotzdem ist es nicht leicht, weil der Körper manchmal anders reagiert als der Stuhl.

Sie haben quasi von heute auf morgen eine andere Sportart gespielt. Wie schwierig war das mental?

Lang: Das schwierigste war, dass ich nicht mehr mit meinen Freunden gespielt habe. Fußgänger-Basketball wird für immer meine erste Wahl bleiben.

Zieht es Sie zurück?

Lang: Ja, tatsächlich. Ich war auch ein paar Mal mit Franziska im Training dabei, um auch die Leute wiederzusehen. Aber ich spiele ja nicht umsonst Rollstuhl-Basketball, es geht halt von den Knien her einfach nicht mehr.

Wie hoch ist die Quote an Fußgängern im Rollstuhl-Basketball?

Lang: Man muss unterscheiden zwischen Nationalmannschaft und Verein. Bei der deutschen Auswahl sind es vier Fußgängerinnen von zwölf. Beim Club sind es da schon ein paar mehr.

Es kann also jeder, der gerade Lust hat, Rollstuhl-Basketball spielen?

Lang: Ja, in Deutschland darf jeder spielen, egal ob behindert oder nicht. Es dürfen aber nur maximal zwei Nicht-Behinderte auf dem Spielfeld stehen. International brauchst du eine Minimalbehinderung, wie bei mir meine Knie. Man muss ein Dokument von einem Orthopäden vorlegen, dass man das Niveau, das man mal gespielt hat, nicht mehr spielen kann.

Da gibt es also keine feste Regelung?

Lang: Es ist oft eine Gratwanderung, ob es für die Ärzte dann ausreicht oder nicht, aber das hat schon immer Hand und Fuß. Man muss alle Dokumente und MRTs, die man aus den letzten Jahren hat, vorlegen. Die Ärzte wissen auch Bescheid, dass sie dran sind, wenn etwas schief läuft oder falsche Angaben gemacht werden.

Seit wann spielen Sie in der Nationalmannschaft?

Lang: So richtig seit 2017. 2016 war ich schon in der Vorbereitung dabei, aber dann nicht in Rio. Es sind also auch meine ersten Spiele.

Wie läuft es in Tokio mit den Corona-Maßnahmen ab?

Lang: In Quarantäne müssen wir gar nicht. Wir haben in den Tagen vor der Abreise zwei negative Tests vorlegen müssen, um fliegen zu dürfen. Wir fliegen erst nach Tokio und dann weiter nach Kitakyushu, wo wir noch ein paar Tage Akklimatisierung und Trainingslager haben, bevor wir zurück nach Tokio fliegen und ins Olympische Dorf ziehen. Ich hoffe, dass wir die Eröffnungsfeier am 24. August anschauen dürfen.

Dann erwartet Sie ein sattes Programm.

Lang: Wir haben unser erstes Spiel am 26. August um 2 Uhr morgens deutscher Zeit. In den drei darauffolgenden Tagen haben wir jeweils ein Spiel. Und das erste Spiel ist um 9 Uhr in der Früh (Ortszeit, Anm. d. Red.). Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal in der früh gespielt habe (lacht).

Wie schätze Sie die Chancen Ihres Teams ein?

Lang: Wir haben ein paar Vorbereitungsturniere gespielt und wir spielen richtig guten Basketball. Aber man muss auch realistisch sein und sehen, dass viele andere Teams an uns vorbeigezogen sind anhand der finanziellen Lage und der Trainingsbedingungen. Bei uns muss man darum kämpfen, dass wir eine Halle zum Trainieren haben. Ich bin mir sicher, dass sich jeder bewusst ist, was das für eine große Chance ist. Wenn wir unsere Bestleistung zeigen, dann ist nichts unmöglich.

Haben Sie persönlich ein Ziel?

Lang: Ich glaube, jeder der da hinfährt, will mit einer Medaille zurückkommen.

Auch Johanna Welin-Ryklin ist dabei

Johanna Welin-Ryklin bekam vom kaufmännische Leiter des RoMed-Klinikums, Dr. Max von Holleben, ein „RoMed Care Paket“ Glücksbringer.

Mit in der Rollstuhl-Basketball-Mannschaft bei den Paralympics in Tokio ist die 37-jährige Johanna Welin-Ryklin, die derzeit als Medizinstudentin ihr Praktisches Jahr in der Chirurgie am RoMed Klinikum Rosenheim absolviert. Bereits bei den paralympischen Spielen in London 2012 und in Rio 2016 erreichte sie mit ihrem Team Deutschland den ersten beziehungsweise zweiten Platz und hat damit schon eine Gold- und eine Silbermedaille auf dem Konto. Für die Reise ins ferne Japan überreichte ihr der kaufmännische Leiter Dr. Max von Holleben ein „RoMed Care Paket“ als Glücksbringer und wünschte der Spielerin viel Erfolg und natürlich eine gesunde Rückkehr.

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