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Niko Senger sagt Servus: "Danke an alle"

Ein zuverlässiger Verteidiger: Der 23-jährige Niko Senger.  Fotos Ziegler
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Ein zuverlässiger Verteidiger: Der 23-jährige Niko Senger. Fotos Ziegler

Er spielt Eishockey, so wie er ist: Ein Kämpfer mit offenem Visier, ehrlich, geradlinig, mit viel Herzblut dabei. Nikolaus, überall Niko genannt, hat neun Jahre lang für die Starbulls Rosenheim gespielt, immer alles gegeben. Gerade deshalb nimmt man ihm auch ab, was er sagt und macht. Auch seinen Abschied mit gerademal 23 Jahren.

So ganz weg ist er noch nicht - mit den Gedanken ist Senger noch immer bei den Starbulls, die neun Jahre lang über weite Strecken sein Leben bestimmten. "Ich habe ja immer noch Kontakt mit vielen Spielern", sagt Senger. Dennoch war es für ihn eine Herzensangelegenheit, dass er nach seinem Abschied aus Rosenheim die OVB-Sportredaktion aufsuchte. "Ich wollte mich einfach noch einmal bei den Starbulls und allen Leuten für die schöne Zeit bedanken", meint Senger. Heraus kam ein Rückblick aus der Sicht des Abwehrmannes, ganz so, wie es Niko Senger entspricht: offen, dankbar und mit viel Herzblut.

Begonnen hat das Rosenheim-Abenteuer für den Grafinger mit 14 Jahren, bis dahin spielte er für den EHC Klostersee.

∗ Warum dann Rosenheim?

Mein Schüler-Trainer in Grafing hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich wollte es dann unbedingt versuchen und es hat sich ja in den letzten Jahren absolut rentiert.

∗ War es schwer, Schule, die Pendlerei und die DNL zu verbinden?

Nein, das war kein schwerer Schritt. Ich wollte das ja unbedingt für mich selbst schaffen. Ich bin zwei, drei Jahre lang mit dem Zug von Grafing nach Rosenheim gependelt. Insgesamt hat es sich gut mit der Schule vereinbaren lassen. Es hat halt Disziplin gebraucht, aber ich habe es gerne gemacht.

∗ Und der sportliche Sprung?

Die DNL ist sehr körperbetont, die Jungs laufen und rackern unheimlich. Ich habe viel dafür getan: Im ersten Jahr wäre ich nur neunter Verteidiger gewesen, aber ich habe trotzdem den ganzen Sommer mittrainiert und dann meine Chance bekommen, als noch ein Verteidiger abgesprungen ist. Im letzten DNL-Jahr war ich dann sogar Kapitän. Tom Schädler und Max Deisenberger haben mit uns sehr gut gearbeitet, ohne diese beiden wäre ich wohl nicht so weit gekommen. Sie haben die Grundlage dafür gelegt, dass ich den Sprung in den Profibereich geschafft habe.

Dieser kam relativ schnell: Niko Senger war 16, als er in der Saison 2005/06 die ersten Oberliga-Einsätze hatte.

∗ Wie war denn so der Einstieg bei den Profis?

Das hat gut geklappt. Ich habe ja damals mit meinem Cousin Patrick zusammengespielt, auch zu einem Andi Schneider, Mondi Hilger oder Michael Fröhlich hatte ich ziemlich schnell einen guten Draht. Als junger Spieler macht man natürlich auch die nicht so schönen Sachen...

∗ ... und das wären?

Koffer tragen, Schlägertaschen und Essensboxen schleppen, die Kabine und den Bus nach Auswärtsspielen ausräumen. Aber so etwas gehört dazu. Das hat was von Disziplin, da lernt man Anstand kennen und das ist schon gut so.

Niko Senger spielt insgesamt drei volle Spielzeiten in der Oberliga - abgeschlossen mit dem großen Erfolg, dem Gewinn der Meisterschaft.

∗ Der Titelgewinn war sicherlich ein Höhepunkt Ihrer Starbulls-Zeit.

Irgendwann wollte ich mit den Starbulls mal in die zweite Liga. Das geht ja irgendwie auch in die Rosenheimer Geschichte mit ein und in 20, 30 Jahren kann man dann mal erzählen, dass wir mit Rosenheim in die 2. Liga aufgestiegen sind. So etwas vergisst man nicht so schnell, auch den DEB-Pokalsieg natürlich nicht oder die Finals gegen Landshut. Den Film vom Aufstieg schaue ich mir schon noch oft an.

Nach dem großen Jubel kam aber die Ernüchterung: Da hatte es Niko Senger mit den Starbulls bis in die 2. Bundesliga geschafft und nun drohte er den Auftakt zu verpassen. Der Grund: fehlende Papiere aufgrund seiner Diabetes-Erkrankung.

∗ Konnten Sie diese Aufregung damals überhaupt verstehen?

Nein gar nicht. Das war für mich vor allem so schwer zu kapieren, weil ich damals schon seit fast 18 Jahren Diabetes hatte. Das ist ja für mich alles kein Doping. Wir hatten das eigentlich alles recht früh beantragt und mussten dann immer mehr Papiere beschaffen. Letztlich hatten wir Glück, dass die im Krankenhaus Schwabing noch die Papiere von damals im Archiv hatten.

∗ Wie leben Sie mit der Erkrankung?

Ich bin top eingestellt und habe alle drei bis vier Monate meine Vorsorge und die Kontrolluntersuchung. Ich bin da bei einem super Diabetologen in München, hatte aber zuvor auch schon viel Ärger mit anderen Ärzten und habe mich auch schon mit einigen gestritten. Aber ich kann normal essen und Sport treiben.

∗ Rührt auch daher Ihr unbedingter Wille?

Mit vier oder fünf Jahren habe ich Diabetes bekommen und lebe seitdem ganz gut damit. Ich bin insgesamt ziemlich selbstständig daheim aufgewachsen. Für meine Eltern war die Erkrankung sicherlich eine Belastung, schließlich habe ich auch noch drei Geschwister, meine Eltern haben eine Firma und mussten mich damals immer zu den Ärzten nach München fahren. Im Eishockey habe ich nie so das Talent gehabt, das habe ich dann immer mit Herz und Ehrgeiz kompensieren müssen.

Und Niko Senger spielt mit viel Herz und viel Ehrgeiz. Dies zeigen auch die vielen Strafzeiten, die jedoch in der 2. Bundesliga stetig zurückgingen. Und mit jeder Saison war der gebürtige Wasserburger immer etablierter und auch bei den Fans angesehener.

∗ 2012/13 sammelten Sie nur 24 Strafminuten in 48 Spielen. Hatten Sie zuletzt Ihr Temperament besser im Griff oder spielen Sie cleverer?

Mit den Jahren wird man schon ruhiger, das macht einfach die Erfahrung aus. Ich habe in der DNL viel auf den Körper gespielt und im Seniorenbereich hast du halt viele schlaue Füchse dabei und dann machst du ein paar dumme Strafzeiten. Mit der Zeit lernt man aber, wie man hingegen muss.

∗ Die Zahl der Skorerpunkte ist relativ konstant gering geblieben. Hätten Sie nicht gerne mehr Punkte gemacht?

Im letzten Jahr DNL habe ich viel Überzahl gespielt. Da bin ich dann auch meine Punkte gekommen, weil ich mit Stürmern wie Anton Bernard oder Martin Hinterstocker Powerplay spielen konnte. Im Seniorenbereich ist das schwieriger, weil dafür zunächst die Ausländer und dann die routinierten deutschen Spieler vorgesehen sind. Ehrlicherweise muss ich aber schon sagen, dass ich meine Stärken in der Defensive habe.

∗ Das haben letztlich die Fans honoriert, auch wenn es seine Zeit gedauert hatte.

Zwei, drei Jahre habe ich gebraucht, bis ich da so richtig aufgenommen wurde, bis mich die Fans so richtig gekannt haben. Ich habe in dieser Zeit auch viel mit den Fans gesprochen. In den letzten Jahren hatte ich einen guten Stand. Das freut einen schon sehr, wenn man kämpft und arbeitet und dann von den Fans auch viel zurückkommt.

Niko Senger kommt jetzt auch zurück - zurück nach Grafing, wo seine Eishockey-Karriere begonnen hatte. Nach neun Jahren in Rosenheim wechselt er wieder in die Oberliga Süd. Mit 23 Jahren, aus beruflichen Gründen.

∗ Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Ich studiere in Rosenheim Gesundheitsmanagement und habe gerade das vierte Semester abgeschlossen. Im fünften kommt nun ein Praktikum und da habe ich einen guten Job bekommen mit einem eigenen Projekt, das auch mit Köln verbunden ist. Dafür muss ich mich jetzt richtig einarbeiten. Das Praxissemester fängt im Februar/März an und das hätte ich dann mit Zweitliga-Eishockey zeitlich einfach nicht mehr hinbekommen. Und ich wollte das weder dem Verein noch dem Arbeitgeber zumuten.

∗ Sie haben sich also für Ihre Zukunft entschieden.

Mittlerweile verdient man im Eishockey nicht mehr so viel und deshalb schlage ich jetzt für mich diesen Weg ein. Ich will ein gutes Praktikum machen und mich für die Zukunft empfehlen. Und in Grafing werde ich in der Oberliga noch ein bisschen Eishockey spielen.

Nikolaus Senger geht zurück in die Zukunft - nicht aber, ohne das loszuwerden, wofür er eigentlich die OVB-Sportredaktion aufgesucht hatte. "Ich möchte mich vor allem bei Franz Steer bedanken, der mir das Vertrauen geschenkt hat. Der hat mit mir immer gearbeitet und viel geredet. Ich glaube, ich habe ihm das Vertrauen mit meinen Leistungen aber auch zurückgezahlt. Mein Dank gilt auch dem Vorstand, dem ganzen Betreuerteam, von dem sich DEL-Vereine ein Scheibe abschneiden können, der Geschäftsstelle, die viel für uns gemacht hat, oder auch Willi Wittmann, der in Rosenheim mittlerweile eine Legende ist. Von Micky Rohner, mit dem ich lange zusammengespielt habe, konnte ich mir viel abschauen. Bei uns hat zum Schluss jeder gewusst, was der andere macht. Stephan Gottwald ist für das Team brutal wichtig, zu Mondi Hilger konnte ich immer gehen, Robert Schopf und Robin Hanselko sind gute Spezl geworden. Ich habe eine schöne Zeit in Rosenheim gehabt!" Und auch diese Sätze nimmt man Niko Senger voll und ganz ab.

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