Nachholspiele statt Ligapokal: Inn/Salzach setzt neuen Wettbewerb aus

Ein Torerfolg für den TuS Raubling II im A-Klassen-Ligapokal-Duell gegen den FC Nicklheim (Endstand 3:3). Ob der Treffer noch eine Bedeutung hat, wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen.
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Ein Torerfolg für den TuS Raubling II im A-Klassen-Ligapokal-Duell gegen den FC Nicklheim (Endstand 3:3). Ob der Treffer noch eine Bedeutung hat, wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen.

Ist der Ligapokal im Fußball-Kreis Inn/Salzach schon wieder Geschichte? Der Kreisausschuss hat den neu eingeführten Wettbewerb nach nur zwei Spieltagen vorerst ausgesetzt, wie Kreisspielleiter Hans Mayer (Petting) den Vereinen in der Nacht zum Freitag mitteilte.

Rosenheim/Mühldorf– Ist der Ligapokal im Fußball-Kreis Inn/Salzach schon wieder Geschichte? Der Kreisausschuss hat den neu eingeführten Wettbewerb nach nur zwei Spieltagen vorerst ausgesetzt, wie Kreisspielleiter Hans Mayer (Petting) den Vereinen in der Nacht zum Freitag mitteilte. Der Grund: Die Flut von Nachholspielen, die nach dem Neustart im September auf fast 200 angewachsen ist. Corona-Verdachtsfälle und das schlechte Wetter hatten zwischen der Kreisliga und der C-Klasse zu vielen Spielausfällen geführt. „Eine ordnungsgemäße Beendigung der Meisterschaftsspiele in der laufenden Saison ist sehr gefährdet“, schlagen Mayer und die Kreisvorsitzende Carmen Jutta Gardill Alarm. „Die Liga hat Vorrang. Das haben wir immer gesagt“, sagte Mayer den OVB-Heimatzeitungen.

Viele Mannschaften haben einige Spiele Rückstand

Deshalb ist für die meisten der rund 350 Mannschaften auch noch nicht Winterpause, auch wenn an diesem Wochenende kaum gespielt werden wird. „Wir wollen so viele Punktspiele wie möglich noch in diesem Jahr austragen“, sagte Mayer. Nach der Winterpause sind bisher vom 10. April bis zum 16. Mai nur noch sechs Spieltage angesetzt, vorher sollte der Ligapokal die Zeit bis Ostern überbrücken. Doch zahlreiche Vereine sind mit vier oder sogar fünf Spielen im Rückstand. Kreisligist FC Grünthal etwa, der wie eine Handvoll anderer Vereine bereits seinen Rückzug aus dem Ligapokal angekündigt hat, muss noch zehnmal in der Liga ran, der TSV Reischach und der TuS Traunreut sogar elfmal. Die Vereine aus dem Berchtesgadener Land können wegen der Ausgangsbeschränkungen zumindest für die nächsten zwei Wochen ohnehin nicht antreten. Dort hat sich der SV Saaldorf aus dem Ligapokal der Bezirksliga zurückgezogen.

Eigentlich wollte der Kreisspielleiter einen Teil der Nachholspiele Anfang September austragen, doch der um zwei Wochen verzögerte Neustart durchkreuzte die Pläne. Die Staatsregierung hatte erst auf massiven Druck des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) wieder Punktspiele genehmigt. Doch dann stiegen die Infektionszahlen, die den ganzen Sommer über auf niedrigem Niveau waren.

Vereine mit Inzidenzwert über 50 dürfen Spiele verlegen

Deshalb hat der BFV-Vorstand Vereinen aus „Risikogebieten“ mit mehr als 50 Infektionsfällen auf 100 000 Einwohner wieder freigestellt, ob sie ihre am Wochenende anstehenden Spiele verlegen wollen. Das betrifft auch Gastmannschaften, die in eine solche Region reisen wollen. Im Fußball-Kreis Inn/Salzach gilt das – bis auf den Landkreis Altötting – überall.

Verunsicherung ist spürbar

„Auch wenn die staatlichen Vorgaben den Breitensport ausdrücklich weiterhin zulassen und sich Mediziner unisono einig sind, dass das Fußballspiel an sich kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellt, so ist die Verunsicherung allerorten spürbar“, begründete der für den Spielbetrieb verantwortliche BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher den Beschluss. Er sieht sich in der Entscheidung bestätigt, die Saison 2019/20 fortzusetzen statt eine neue zu starten. „Denn diese stünde spätestens jetzt auf äußerst wackligen Beinen.“ Anfang kommender Woche wolle der Vorstand die „sehr dynamische Infektionslage neu bewerten“. Kommt dann für alle Ligen die vorzeitige Corona-Winterpause?

Aufgegeben hat man im Kreis Inn/Salzach den Ligapokal noch nicht. Mayer hofft, den Wettbewerb im Frühjahr fortsetzen zu können, vielleicht in abgewandelter Form. Das lassen die Regularien zu. Denn schließlich winkt dem Sieger ein zusätzlicher Aufstiegsplatz.

Lockdown im Berchtesgadener Land: Quarantäne, Motivationsprobleme und Abwanderungs-Ängste

Die verschärften Ausgangsbeschränkungen lassen den Fußball im Landkreis Berchtesgadener Land (vorerst mal) ruhen. Doch nicht nur im betroffenen Landkreis selbst ist zurzeit Trainings- und Wettkampfpause, auch alle Auswärtsspiele von BGL-Teams wurden bis einschließlich 2. November von den Spielplänen des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) gestrichen. Wie reagieren die Trainer und Verantwortlichen auf die Pause?

Selbst betroffen von der Pandemie, zumindest indirekt, ist Andi Brandl, Trainer des abstiegsbedrohten Bezirksligisten TSV Teisendorf: „Ich war mit einem Infizierten in Kontakt“, sagt er, „mein erster Test war negativ, was mich jedoch nicht von der Quarantäne befreit.“ Er bringe Verständnis dafür auf, so der frühere Torjäger des ESV Freilassing, „wenn es Vereine gibt, die jetzt einen Schlussstrich unter das Jahr 2020 ziehen“. Völlig unabhängig von den einzelnen Ergebnissen freue man sich in Teisendorf auf jedes Training und jedes Spiel – „der Fußball hat ja auch einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert für junge Leute, deshalb gehen wir da auch mit Freude hin“, meint der TSV-Trainer.

Bezirksligist Saaldorf stellt den Spielbetrieb ein

Beim Bezirksligisten SV Saaldorf hat Abteilungsleiter Marcus Dinkler beschlossen, den Spielbetrieb für heuer einzustellen – sogar einen Tag vor der BGL-Ausgangssperre. „Da wurden wir mit unserer Entscheidung dann ohnehin rechts überholt“, sagt Dinkler. Er und sein SV Saaldorf haben das Team ganz aus dem Ligapokal genommen und die Nachholpartie der Bezirksliga Ost zuhause gegen Bruckmühl auf nächstes Jahr verlegen lassen.

Diverse Motivationsprobleme gibt es bei der SG Schönau – und das, obwohl die Crew vom Königssee als Tabellenzweiter der Kreisliga 2 hinter dem TSV Siegsdorf eine Top-Rolle spielt. Das gibt Trainer Thomas Meissner unumwunden zu: „Ich kenne den Fußball ja auch anders“, hat er in den letzten Wochen festgestellt, „der eine oder andere Spieler hat nicht mehr den hundertprozentigen Bock. Da fällt es dir als Trainer nicht immer leicht, die Jungs zu pushen beziehungsweise Woche für Woche neu zu motivieren.“

„Hätten das Spiel in Siegsdorf ohne Training bestritten“

Nach dem 2:1-Sieg am 10. Oktober in Peterskirchen „haben wir alles schon ziemlich runtergefahren“, berichtet Meissner, seitdem sei man im Prinzip nicht mehr auf dem Platz gestanden. „Wir hätten das Ligapokal-Spiel in Siegsdorf ohne Training bestritten“, erzählt der Schönauer Trainer.

Kreisligist FC Hammerau hätte „gern weitergespielt. Nach der langen Pause im Frühjahr ruht der Ball jetzt wieder – das ist schon sehr zermürbend“, so Hammeraus Vorstand Gernot Althammer, den auch die Befürchtung beschleicht, dass Einige ins benachbarte Österreich abwandern, da dort gespielt wird und bei uns nicht. „Drei, vier Akteure wurden da bereits angefragt“, weiß Althammer. ah/cs

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