„Da hat im Kopf etwas Klick gemacht“

Mit dem Königssee Frieden geschlossen – Bob-Pilot Christoph Hafer und das Ziel Olympia 2022

Läuft immer mit geöffnetem Visier los: Der Bad Feilnbacher Bobpilot Christoph Hafer (vorne).
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Läuft immer mit geöffnetem Visier los: Der Bad Feilnbacher Bobpilot Christoph Hafer (vorne).

So manch ein TV-Moderator sieht Christoph Hafer noch als Newcomer. Der Bob-Pilot vom BC Bad Feilnbach ist jedoch bereits 28 Jahre alt und bringt die nötige Erfahrung mit. Aktuell läuft sein drittes Weltcup-Jahr.

Bad Feilnbach– Gleich im ersten Jahr, also 2018/19, fuhr der Bad Feilnbacher Bob-Pilot Christoph Hafer mit Zweierbob-Rang drei in Sigulda sein bislang bestes Ergebnis ein. Am Wochenende steht für Hafers Crew der „Weltcup daheim“ am Königssee auf dem Programm, zwei Wochen drauf die Weltmeisterschaft in Altenberg. Für den Vierer-Bewerb ist er bereits gesetzt, im Zweier muss sich Christoph Hafer noch mit Hans-Peter Hannighofer (23) in einem Ausscheidungsrennen vor Ort duellieren, sollte dieser nicht Junioren-Weltmeister werden. Hafers großes Ziel ist Peking 2022, also die Olympischen Spiele. Nächste Saison, so sagt er, soll trotz der riesigen Konkurrenz im eigenen Team sein Knoten richtig platzen. Dann will der Polizeimeister aus dem Schatten von Francesco Friedrich und Hansi Lochner treten.

Sie sind gerade zurück aus St. Moritz. Alle schwärmen von der Natureisbahn – Sie auch?

Christoph Hafer: Auf alle Fälle. Es ist schon besonders dort, besonders schön. Die letzten Kurven sind tatsächlich ein großer Genuss, wenn der Druck bei über 150 km/h immer stärker wird. Meine Devise ist ohnehin „je schneller, desto besser“. Das ganze Ambiente mit der Bergwelt drumherum ist einzigartig und die Naturbahn fürs Auge noch einmal ganz was anderes.

Sie sind einer von ganz wenigen Piloten, die mit geöffnetem Helm-Visier loslaufen und es erst beim Einsteigen in den Bob durch die sich kreuzenden Arme schließen. Ist das nicht gefährlich?

Hafer: Das hat sich irgendwann so bei mir eingeschlichen. Früher waren die Visiere oft schon beim Start vom Atem angeschlagen, heute ist das natürlich nicht mehr so extrem. Es ist ein Tick von mir, der Vorgang hat sich automatisiert.

Ist es gedanklich nicht unglaublich anstrengend, mit Friedrich den derzeit weltbesten Bob-Piloten, und mit Lochner den vermeintlich zweitbesten im Team zu haben – und sich andererseits permanent mit zwei weiteren Konkurrenten um den dritten Weltcup-Startplatz duellieren zu müssen?

Hafer: Natürlich ist diese Situation nicht einfach. Aber es ist Leistungssport, der Bessere soll fahren. Bei uns ist der Konkurrenzkampf riesig, das haben andere Nationen mit nur einem oder zwei Schlitten nicht. Wir haben fünf Top-Teams. Ich sage aber ganz klar, dass ich den Kampf gerne annehme. Ich will diesen exakt so. Es wäre kein Anspruch, fix die Nummer drei zu sein, und niemand kann einen verdrängen. Wir in Deutschland haben diesen Druck von Anfang an, schon in der Jugend. Wir sind ihn also gewöhnt.

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Sie kennen die Situation ohnehin: In ihren Anfangszeiten bei den Erwachsenen hatten Sie mit Maximilian Arndt und Nico Walther ebenfalls enorm starke Piloten direkt vor der Nase.

Hafer:Das ist richtig und natürlich nur in Anführungszeichen ein Problem. Denn man weiß dadurch ganz genau: Wenn man in Deutschland vorn dabei ist, ist man das in der Regel auch weltweit. Das ist unser Anspruch als große Bob-Nation. Freilich gab es jetzt das Gespräch mit Bundestrainer René Spies, der klarmachte, dass meine Leistungen zuletzt nicht das Gelbe vom Ei waren. Darüber brauchen wir nicht reden, das weiß ich. Wir im Team waren ja ebenfalls nicht zufrieden. Darum wollen wir das jetzt am Königssee besser machen und zeigen, dass wir auch da vorne hingehören. Ich bin nicht der beste Starter, muss definitiv eine Schippe drauflegen.

Schauen Sie sich von Friedrich und Lochner „nur“ die Fahrten genau an oder auch, was die beiden sonst rund um die Bahn so alles machen?

Hafer: Ich schaue generell gern (er lacht). Nein, ich beobachte schon genau, was die Kollegen auch neben der Bahn machen, wie sie ihren Tag bestreiten oder wie sie in der Garage an den Schlitten arbeiten. Der Franz (Friedrich, d. Red.) ist momentan in einer eigenen Liga unterwegs. Es soll keine Ausrede sein, aber die Besten bekommen natürlich das beste Material. Diesen wertvollen Status möchte ich mit meinem Team erreichen.

Bob-Pilot Christoph Hafer muss sich im Zweier noch für die WM qualifizieren und möchte im Weltcup am Königssee ein erstes Zeichen setzen.

Sie durften in Innsbruck auf einen Anschieber aus Lochners Team bauen.

Hafer:Speziell mit dem Hansi, mit dem ich mich sehr gut verstehe, habe ich einen klasse Austausch. Wir versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen. Das ist sehr wertvoll und freut mich. In Igls war das mit Anschieber Christian Rasp aber ein bislang einmaliger Versuch.

Sie sagen, Sie müssen eine Schippe drauflegen, um ganz vorn dabei zu sein. Sicher auch für ein Ziel, das momentan noch weit entfernt scheint, aber zeitlich nahe ist.

Hafer: Natürlich will ich bei den Olympischen Spielen 2022 starten, keine Frage. Und dann sicher nicht nur „mitfahren“ oder „dabei sein“. Ich rede nicht drumrum: Es müssen noch einige Schritte bei mir kommen, am besten natürlich schon zur kommenden WM in Altenberg. Ich bin guter Hoffnung, dass das klappt. Vor allem dann in der Olympia-Saison 2021/22.

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Der Bobsport ist nicht ungefährlich. Inwieweit tragen Sie mit sich, dass in der Bahn stets Ihre große Verantwortung für einen oder drei weitere Menschen mitfährt?

Hafer:Sie fährt mit, keine Frage. Und ich denke daran. Die Gedanken sind aber von Bahn zu Bahn verschieden. Je schwieriger oder je sturzanfälliger eine Strecke ist, desto mehr „Sorgen“ in diese Richtung sind da. Das ist jedoch im gesamten Feld so. Meine Anschieber werden es mir nicht übelnehmen, wenn wir stürzen – das passiert einfach mal. Man stürzt schließlich nicht absichtlich. Gerade mit meiner Körpergröße von 1,96 Metern bin ich selbst bei Stürzen extrem gefährdet, weil ich den Kopf nicht unter die Haube ziehen kann. Umso schwieriger die Bahn, desto angespannter ist die Stimmung vorab, vor allem im Vierer. In Altenberg ist das beispielsweise so, auch in Winterberg, meiner speziellen „Sturz“-Bahn. Dort hat‘s mich früher oft heftig zerlegt. Whistler und Lake Placid sind ebenfalls Hammerbahnen, auf denen es richtig zur Sache geht.

Francesco Friedrich mag die Königsseer Bahn nicht besonders, wie er zu Protokoll gab. Wo steht die älteste Kunsteisbahn der Welt in Sachen Beliebtheit bei Ihnen?

Hafer: Ich muss sagen, dass ich durch die Selektionsrennen meinen Frieden mit dieser Bahn gemacht habe. In den letzten Jahren war es dort für mich… – na ja, eher schwierig. Aber jetzt freue ich mich richtig auf Königssee, weil es dort zuletzt so gut geklappt hat. Da hat im Kopf irgendwas Klick gemacht.

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