Meistertrainer Franz Steer blickt zurück: „Sweet Caroline“ und die braunen Schuhe

Franz Steer war über neun Jahre Trainer der Starbulls Rosenheim und feierte am 18. April 2010, heute genau vor zehn Jahren den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ziegler
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Franz Steer war über neun Jahre Trainer der Starbulls Rosenheim und feierte am 18. April 2010, heute genau vor zehn Jahren den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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„Ich erinnere mich immer gerne an meine Trainerzeit in Rosenheim. Das waren tolle Jahre, die nicht immer ganz einfach waren, die aber überwiegend mit sehr schönen Erinnerungen verbunden sind“, sagt der heute 61-jährige Franz Steer, der von Februar 2008 bis Ende März 2017 neun Jahre durchgehend Trainer der Starbulls Rosenheim war. Insgesamt 3331 Tage – so lange stand in der Rosenheimer Eishockeygeschichte noch kein Coach hinter der Bande.

Rosenheim – Steer war natürlich auch vor zehn Jahren der verantwortliche Coach, der in der Saison 2009/2010 mit dem die Rosenheimer den Aufstieg in die 2. Bundesliga schafften. In einem Gespräch mit der OVB-Sportredaktion erinnert er sich an die Momente des Aufstiegs.

Herr Steer, wie geht es Ihnen?

Mir und der Familie geht es gut. Ich kann zum Jagern raus, außerdem haben wir ein Haus mit Garten. Das passt.

Das Eishockeygeschäft fehlt Ihnen aber schon.

Auf alle Fälle – und ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig ist, einen neuen Job als Coach zu finden. Es gab und gibt zwar immer wieder Anfragen und Interesse von einigen Vereinen, aber bis jetzt hat es eben noch nicht gepasst, wobei ich natürlich schon heiß bin, wieder einen Verein zu trainieren. Aber wie gesagt: Es muss passen – für beide Seiten.

So wie in Ihrer Zeit in Rosenheim?

Ein stiller Genießer: Franz Steer nach dem Aufstieg mit Medaille um den Hals und Zigarre im Mund.

Genau so. Das Vertrauen der Vorstandschaft mit Willi Graue, Karl Aicher und Richard Diebald war extrem. Das Verhältnis zu den drei Vorständen war einfach super. Da hast du keinen Vertrag gebraucht, da reichte der Handschlag. Das gibt es heutzutage im Sport nicht mehr, aber das waren und sind Ehrenleute. Ich habe gewusst, was ich an ihnen habe, und sie haben gewusst, dass ich alles dafür tun werde, um mit den Starbulls Erfolg zu haben. Dieses gegenseitige Vertrauen war die Basis für den Aufstieg. Bei uns hat es keine Selbstdarsteller gegeben.

Sie sprechen den Erfolg an. Der größte war der Aufstieg in der Saison 2009/2010. An was erinnern Sie sich?

An eine schwere Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Ich habe um die Weihnachtszeit in einer Pressekonferenz gesagt, dass es gut sein kann, dass wir jetzt ein paar Spiele verlieren werden. Wir hatten härter trainiert, um in der Play-off-Runde topfit zu sein. Wir haben dann auch ein paar Spiele verloren, aber letztendlich war es auch so, dass wir durch unsere gute Fitness aufgestiegen sind.

Sie haben damals die Serie gegen Bad Nauheim gedreht. War das der Knackpunkt?

Das war entscheidend. Wir sind mit einer 1:7-Niederlage in die Play-off-Runde gestartet und haben die Serie nach dem katastrophalen Start in Spiel sieben für uns entschieden. In diesem Spiel hatten wir auch das nötige Glück, als Matthias Bergmann die Scheibe von der Linie kratzte und wir im Gegenzug das entscheidende Tor erzielt haben. Wir sind dann direkt von Bad Nauheim zu unseren nächsten Gegner nach Herne gefahren. Ab da waren wir nicht mehr zu stoppen.

Weil das Selbstvertrauen so groß oder die Mannschaft so gut war?

Beides. Die Mannschaft war charakterlich in Ordnung, und da war auch der Wille von den jungen Spielern, sich zu beweisen. Der Teamgeist wurde von Spiel zu Spiel besser.

Und auch Ihre Leistungsträger, wie zum Beispiel Mitch Stephens.

Mitch Stephens war ein Charakterspieler, den wollte ich eigentlich schon ein Jahr vorher haben. Da hatte er aber seinem Verein schon die Zusage für ein weiteres Jahr gegeben und deshalb kam der Wechsel noch nicht zustande. Aber da wusste ich, dass ich einen Top-Spieler mit einer super Einstellung bekommen werde.

Der dann in Peiting in der Verlängerung auch das entscheidende Tor erzielte. Was ging da in Ihnen vor?

Nach dem Tor habe ich mich erst einmal eine Zeit lang auf die Bank gesetzt und habe das alles sacken lassen. Der Druck war ja unheimlich groß und ich bin ja ein paar Wochen vorher auch übel beschimpft worden. Für mich war das natürlich eine große Genugtuung, dass wir das geschafft haben, und ich habe mich auch ganz besonders für die Vorstände gefreut. Es wäre ein Leichtes für sie gewesen, mich rauszuwerfen. Dann hätten sie Ruhe gehabt, aber sie haben zu mir gehalten und mit dem Aufstieg konnte ich etwas zurückgeben.

Und dann wurde gefeiert, wobei: Sie sind nicht gerade als Feier-Biest bekannt...

Ich habe das Feiern größtenteils den anderen überlassen. Ich habe auch keinen Alkohol getrunken und bin in solchen Sachen eigentlich ziemlich reserviert. Natürlich habe ich mich riesig gefreut, ganz besonders für die Jungs, für den Vorstand, aber natürlich auch für die Fans, denn Rosenheim gehört in die 2. Liga.

Beim Durchforsten der Bilder aus dem Aufstiegsjahr haben wir ein Bild mit braunen Schuhen gefunden. Ihre Glücksbringer? Gibt es die noch?

Das waren meine Glücksbringer, die mir allerdings viel zu eng waren. Ich hatte ständig Blasen an den Füßen und konnte deshalb das erste Training in Herne nicht leiten, weil ich nicht in die Schlittschuhe reinkam. Ich müsste schauen, ob die Schuhe noch irgendwo im Keller stehen.

Gab es sonst noch irgendwelche Rituale?

Die Spieler haben in der Kabine einen Schrein aufgebaut und es gab Opfergaben und Rituale vor den Spielen. Und dann gab es da noch dieses Lied. „Sweet Caroline“, das lief immer in Bad Nauheim und das haben wir dann zu unserem Lied gemacht. Wenn ich diesen Song höre, denke ich immer an unseren Aufstieg zurück.

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