"Meine Akkus sind voll"

Im Zielsprint ein Ass: Biathlet Simon Schempp.  Foto  Wukits
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Im Zielsprint ein Ass: Biathlet Simon Schempp. Foto Wukits

Den Januar 2015 wird Biathlet Simon Schempp so schnell nicht vergessen. Denn dieser Monat war der bisher beste, zumindest was sein Sportlerleben betrifft.

Zunächst konnte er den Verfolger beim Weltcup in der heimischen Ruhpoldinger Chiemgau Arena in einem "Zielsprint-Krimi" gewinnen, eine Woche später war er in Antholz siegreich.

Diese Erfolge haben den "Wahl-Ruhpoldinger" mittlerweile auf den zweiten Platz im Gesamtweltcup hinter dem Franzosen Martin Fourcade gebracht. Plötzlich zählt der 26-Jährige auch zu den ganz großen Favoriten bei der Biathlon-Weltmeisterschaft (4. bis 15. März) im finnischen Kontiolathi. "Ich fühle mich gut, meine Akkus sind voll", gibt er sich selbstbewusst. Trotzdem ist Simon Schempp auch eine Woche vor der WM seinem Naturell treu geblieben.

Die großen Sprüche sind nicht sein Ding. So ist kürzlich im sozialen Netzwerk der Spruch von der "Schemppions-League" aufgetaucht. Damit kann er nicht so viel anfangen. Eine Einzelmedaille und mit der Staffel aufs Podium hat er sich für die Titelkämpfe im hohen Norden vorgenommen. Derzeit bereitet er sich dafür mit dem gesamten deutschen Team im italienischen Ridnaun vor. Sportlich sieht er den Gesamtweltcup als das höherwertige Ziel. "Eine Weltmeisterschaft ist eine Momentaufnahme, im Weltcup zählt die Leistung während einer gesamten Saison", sagt der seit sieben Jahren in Ruhpolding lebende Athlet von der SZ Uhingen. Die gute Form habe er sich über Weihnachten geholt, erzählt er mit seinem typischen Lächeln. In dieser Zeit hat er auch die Zielsprints geübt. "Die kann man zwar im Training üben, im Rennen ist das aber wieder eine ganz andere Nummer." Zuletzt bei der Staffel in Oslo musste er sich im Zielsprint ausgerechnet seinem "Lieblingsgegner", dem Russen Anton Shipulin, geschlagen geben. Wie vor gut einem Jahr beim Olympischen Staffelrennen in Sotschi. "Der Anton ist kein schlechter", weiß Schempp. Trotzdem war ihm nach dem zweiten Platz in Oslo der Ärger ganz kurz anzusehen.

Natürlich habe er sich auch in Oslo einen Plan für das Rennen zurechtgelegt. "Ich hatte mich nicht unbedingt auf einen Sprint im Finish fixiert, sondern ich wollte am letzten kleinen Anstieg angreifen", so der 26-Jährige.

Falsche Diagnose

Um die derzeitigen Erfolge von Simon Schempp zu begreifen, muss man auf das Jahr 2011 zurückschauen. Damals fühlte er sich ausgelaugt und müde. Das ganze gipfelte beim Weltcup in Ruhpolding. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde bei Schempp zunächst eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Eine Hiobsbotschaft, die sich später als falsch herausgestellt hat. Letztendlich ist er damals nur erschöpft gewesen. Trotzdem hatte er lange daran zu knabbern. "Genau das hat ihn aber jetzt stark gemacht", sagt sein Trainer Andi Stitzl. "Durch seine Rückschläge ist er gestärkt hervorgegangen. Er ist beim Schießen sehr stabil und läuferisch auf einem sehr hohen Niveau", so Stitzl weiter. Auch an Selbstbewusstsein mangelt es dem "Neuen Schempp" nicht. Beim Verfolgungsrennen von Nove Mesto ist er seinem Rivalen Martin Fourcade sogar kurz auf die Ski gestiegen. "Wir haben nach dem Rennen kurz darüber gesprochen, es gibt kein Problem", meinte Schempp. Nun heißt es für ihn die Form mit nach Kontiolathi zu nehmen. Dort wartet tatsächlich dann die "Schemppions-League". shu

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