Markus Schätzl holt Gold

Freude über den deutschen Doppelerfolgvon links: Peter Rottmoser, Markus Schätzl und Philipp Baumgartner. Kamhuber

Regen – Unterschiedlicher hätte die Einzel-WM im Weitenwettbewerb bei den 13.

Weltmeisterschaften in Regen aus nationaler Sicht kaum enden können. Während die Herren mit Markus Schätzl vom SV Oberbergkirchen und Peter Rottmoser vom SV Schechen einen grandiosen Doppelsieg feierten, mussten sich die vier hochfavorisierten deutschen Weitendamen lediglich mit Bronze für Birgit Wagner vom ESV Mitterskirchen abfinden.

„Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, haben sich vermutlich alle Experten gedacht, als sie das Klassement der Premieren-Weltmeisterschaft im Eisstock-Weitschießen der Damen gesehen haben. Hinter einer durchaus für möglich gehalten Goldmedaillengewinnerin aus Österreich folgt als Vize-Weltmeisterin eine Athletin aus Australien. Chrysanthe Psychogios hat mit 98,84 Metern die Psyche der Weitenwelt auf den Kopf gestellt. Um 78 Zentimeter besser war nur die erste Damen-Weltmeisterin der Geschichte, Nina Neubauer aus Österreich. Dahinter fehlten der besten Deutschen, Birgit Wagner vom ESV Mitterskirchen, mit 97,33 fast 1,5 Meter zu Silber. Der Topfavoritin Annalena Leitner (95,84) vom SV Unterneukirchen fehlten sogar exakt drei Meter auf Psychogios. Die Premieren-Europameisterin von Klobenstein 2019 wurde hinter der Österreicherin Petra Winkler nur Fünfte. Antonia Kachelmann (ESC Uehlfeld) und Sabrina Miels (AC Neustift) beendeten die Weitenjagd mit 94,94 und 93,26 ebenfalls deprimiert auf den Plätzen 7 und 8. Ernüchternd dazu: Psychogios zweitbester Versuch war über 20 Meter kürzer – 75,24! Wie kam es zu dieser nationalen Enttäuschung, die bereits nach dem ersten der fünf Durchgänge entschieden war? Wenn mit einer einzigen Ausnahme zwölf Weitenfinalisten ihre Bestmarken im ersten Durchgang erzielen, dann ist schwarz auf weiß abzulesen, dass sich die Bedingungen ab dem zweiten Versuch dramatisch veränderten. Während im ersten Durchgang noch neun von zwölf Athleten mehr als 92 Meter verbuchten, gab es im zweiten Durchgang nur noch zwei Damen, die die 90er-Marke knackten. In den drei weiteren Durchgängen wurden die Weiten jedes Athleten sukzessive geringer.

Auf den sich deutlich anbahnenden Missstand haben der Regener OK-Weitenchef Franz Ebner vom EV Poschetsried und einige Nationaltrainer den vom International Federation Icestocksport (IFI) eingesetzten Wettbewerbsleiter Max Moritz aus Neustadt an der Donau noch während des zweiten Durchgangs hingewie-sen. Dieser ignorierte jedoch den Wunsch nach gleichbleibenden Bedingungen in allen Durchgängen für alle Athleten.

Da bei den kurz darauf startenden Herren die Bahnverhältnisse vom ersten Schuss an gleich waren, konnte sich ein fairer und spannender Wettbewerb entwickeln, in dessen Verlauf lediglich in Durchgang drei keine Bestmarken erzielt wurden.

Die gute Auftaktweite des Österreichers Philipp Baumgartner (112,51) toppten Europameister Markus Schätzl (SV Oberbergkirchen) und Peter Rottmoser (SV Schechen) sofort im zweiten Durchgang mit Weiten auf 114,03 und 112,81 Meter. Mit einem starken vierten Versuch ließ Baumgartner Rottmoser nochmal zittern. Allerdings blieb der Stock wieder exakt bei 112,51 Metern stehen. Hinter dem Top-Trio gab es im vierten und fünften Durchgang ständige Positionswechsel an deren Ende sich Reinhold Beyerlein (TSV Friedenfels) und Lokalmatador Mi-chael Späth (FC Altrandsberg) hinter den Österreichern Markus Weichinger, Markus Bischof und Manuel Wildhölzl mit den Rängen 7 und 8 anfreunden mussten. Schätzl ist nach diesem Triumph Doppel-Weltmeister im Einzel und mit der Mannschaft. Rottmoser Team-Weltmeister und Vize-Weltmeister im Einzel. Für ähnliche Medaillenausbeuten haben auch die vier Damen des Deutschen Eisstock-Verbandes (DESV) im vergangenen Jahr trainiert wie verrückt.

Doch nach dem verrückten Damenwettbewerb war ihnen nicht zum Feiern zu-mute, sondern sie mussten von den Bundestrainern Christian Englbrecht und Thomas Englmaier (beide SV Oberbergkirchen) getröstet und aufgerichtet werden.

Auch ohne Fans war die Stimmung auf der 120 Meter langen Kunsteisbahn gut. Dafür sorgten die Athleten untereinander. Trotz der fehlenden Zuschauer war der Eisstock-Weitenwettbewerb mit 30 Damen aus sieben und 57 Herren aus 14 Nationen ein absolutes Highlight der 13. Weltmeisterschaften daheim in Regen.

WM im Weitenwettbewerb – Einzel Damen:1. Nina Neubauer (AUT) 99,62; 2. Chrysanthe Psychogios (AUS) 98,84; 3. Birgit Wagner (ESV Mitterskirchen) 97,33.

Herren:1. Markus Schätzl (SV Oberbergkirchen) 114,03; 2. Peter Rottmoser (SV Schechen) 112,81; 3. Philipp Baumgartner (AUT) 112,51. kam

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