Von der Loipe an die Tafel – Weltklasse-Biathletin Kathrin Hitzer ist jetzt Lehrerin in Inzell

Kathrin Hitzerhat sich einen Traum erfüllt: Sie unterrichtet nun an der Grundschule in Inzell. Wukits (2), DPA
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Kathrin Hitzerhat sich einen Traum erfüllt: Sie unterrichtet nun an der Grundschule in Inzell. Wukits (2), DPA

„Ich stehe im Klassenzimmer vor der Tafel und unterrichte Schüler. Ich habe mir meinen Traum erfüllt“, sagt die ehemalige Weltklasse-Biathletin Kathrin Hitzer auf die dementsprechende Frage. Die heute 33-Jährige unterrichtet an der Grundschule in Inzell.

Volle Fahrt voraus: Hitzer feierte acht Siege im Weltcup.

Inzell– Bereits in jungen Jahren war es der Berufswunsch der in Balingen auf der Schwäbischen Alb geborenen Kathrin Hitzer Lehrerin zu werden. Zunächst aber spielte sie Fußball und zeigte ihr musikalisches Talent am Klavier und Waldhorn, ehe sie im Alter von zwölf Jahren zum Biathlon wechselte. Schon bald erkannten die Trainer ihr Talent.

Über das Sportinternat Furtwangen kam sie nach dem Abitur zum Stützpunkt nach Ruhpolding. „Ich hatte so viel Spaß beim Laufen und Schießen, und so hat mich schnell der Ehrgeiz gepackt“, erinnert sie sich an die Anfänge. Sie wusste auch damals schon, dass ein Leben als Leistungssportler nur begrenzt ist. „Die Zeit nach der Karriere ist viel länger. Daher war für mich schnell klar, später etwas mit Kindern zu machen. Am Liebsten als Lehrerin.“

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Weltcupsiege, aber auch immer wieder Rückschläge

Ihr Lehramtsstudium hat Hitzer in Salzburg absolviert.

Zunächst aber stand der Sport bei Kathrin Hitzer im Mittelpunkt, und die ersten Erfolge ließen auch nicht lange auf sich warten: Neben zwei Weltcupsiegen in der Verfolgung und im Massenstart, sechs ersten Plätzen mit der Staffel, sowie Top-Platzierungen bei Weltmeisterschaften gab es aber auch immer wieder Rückschläge. „Ich habe alles mitgenommen, Höhen und Tiefen, Erfolge und Verletzungen.“ Mit ihrer offenen Art eckte sie das eine oder andere Mal bei Trainern und Funktionären an. „Ich vergleiche uns Sportler oft mit Künstlern. Man muss kreativ sein und sich trauen, auch mal etwas anders zu machen. Dazu benötigt es eine spezielle Mischung aus Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Spaß, um sich in der Weltspitze durchsetzen zu können. Spitzensport ist schon eine starke Herausforderung“, gibt die vom SC Gosheim zum TSV Siegsdorf gewechselte Sportlerin zu und meint: „Vielleicht hätte ich manches nichts sagen sollen, für meine sportliche Karriere wäre das wohl besser gewesen. Aber ich war immer ehrlich und fair, und das ist mir nach wie vor noch sehr wichtig.“

2012 Geburt von Tochter Lenia Maria

2011 wurde Kathrin Hitzer schwanger und brachte im Sommer 2012 ihre Tochter Lenia Maria zur Welt. Nach der Geburt startete sie ihr sportliches Comeback, zwei Jahre später hat sie die Langlaufbretter und das Gewehr dann an den Nagel gehängt. Sie bekam vom Deutschen Ski-Verband (DSV) damals keinen Kaderstatus mehr. Daraufhin begann sie in Salzburg ein Studium zum Lehramt und bekam anschließend eine Anstellung als Lehrerin an der Grundschule Inzell. Mittlerweile ist ihre Tochter Lenia Maria sieben Jahre alt und bereits auf Langlaufskiern unterwegs. „Ich habe sie schon als Baby hinter mir nachgezogen, wenn ich in der Loipe unterwegs gewesen bin. Jetzt skatet sie selbst eifrig, will aber noch keine Wettkämpfe bestreiten. Ich dränge sie nicht dazu, das soll sie selber entscheiden.“

Als Grundschullehrerin die Erfüllung gefunden

In ihrem Beruf als Grundschullehrerin hat Kathrin Hitzer ihre Erfüllung gefunden. Sie unterrichtet eine gemischte Klasse mit Mädchen und Buben. „Das funktioniert alles bestens“, freut sie sich. „Natürlich wissen meine Schüler, dass ich mal eine erfolgreiche Sportlerin gewesen bin. Sie fragen mich viel über diese Zeit und sind auch ein bisschen stolz, mich als Lehrerin zu haben.“

In ihre alte Heimat kommt sie nicht mehr oft. „Ich bin ja schon 20 Jahre weg. Meine neue, zweite Heimat ist der Chiemgau – und von da will ich auf keinen Fall mehr weg. Ich mache hier zum Ausgleich meinen Sport ohne Druck, gehe auf die Berge und freue mich auf die Brotzeit auf einer Alm.“ Kontakt zum Biathlon hat sie noch gelegentlich. Zuletzt war sie bei den Deutschen Meisterschaften in Ruhpolding vor Ort. Übertragungen vom Weltcup im Fernsehen schaut sie eher selten. „Biathlon hat sich im Wandel der Zeit weiter optimiert. Bei uns war es damals noch etwas gemütlicher. Wir haben zusammen mit der Mannschaft einiges unternommen, sind mal ins Kino oder zum Tanzen gegangen. Ich habe den Eindruck, dass mittlerweile diese Geselligkeit neben dem Sport nicht mehr so stark gelebt wird. Das finde ich schade.“

Schirmherrin der „Chiemgau-Team-Trophy“

Kathrin Hitzer engagiert sich als Schirmherrin der „Chiemgau-Team-Trophy“. Hier handelt es sich um einen Genusslauf von Inzell über Ruhpolding nach Reit im Winkl. „Da haben die Teilnehmer Spaß an der Bewegung in der freien Natur. Dahinter stehe ich sehr gerne“, sagt sie. Sie schließt auch nicht aus, in Zukunft Kindern das Langlaufen beizubringen. Dann würde sie nicht an der Tafel, sondern in der Loipe lehren. shu

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