Das letzte Spiel im Oberhaus: Zum Abschluss gab‘s ein 1:7 in Nürnberg

Tor für die Star Bullsim Heimspiel gegen Krefeld: Die Rosenheimer gewannen beide Duelle gegen die Rheinländer vor eigenem Publikum. Trux

Vor 20 Jahren war der 11. April nicht der Karsamstag, für das Rosenheimer Eishockey war dieser Tag aber dennoch ein historisches Datum: Damals verloren die Star Bulls Rosenheim in Nürnberg mit 1:7. Aus dem Rahmen fiel das Spiel allerdings deshalb, weil es das bis dato letzte Match in der höchsten Spielklasse für Rosenheim war.

Rosenheim– Danach verabschiedeten sich die neugegründeten Starbulls für mehrere Jahre aus dem überregionalen Eishockey und schafften es seither nie mehr höher als in die zweite Spielklasse.

Den Anfang vom Ende muss man allerdings schon viel früher suchen, genauer gesagt acht Jahre früher. Nach der Glanzzeit des Rosenheimer Eishockeys unter Führung der Familie März mit drei Deutschen Meisterschaften 1982, 1985 und 1989 begannen langsam die finanziellen Fundamente für den Erfolg wegzubröckeln, sodass schon 1992 ein erster Ausstieg aus der damals noch 1. Bundesliga genannten höchsten Liga erfolgte. Dieser war allerdings nur kurzfristig, denn mit einer Mischung aus jungen Rosenheimern, zwei überragenden Legionären (Mark Teevens und Doug Derraugh) und einigen alten Kämpen (Butzi Reil, Ron Fischer, Rick Boehm) gelang sensationell der sofortige Wiederaufstieg. Trotzdem konnte man danach nie mehr an die großen Zeiten anknüpfen. Mit einer Ausnahme (sechster Platz 1996/97) dümpelte man stets im Tabellenkeller herum ohne reelle Chancen auf das Erreichen der Play-offs oder ein Weiterkommen durch die erste Runde.

19 ausländische Spieler im Kader

Im Gegensatz zu früher, als Trainer wie Dr. Pavel Wohl oder Dr. Jano Starsi in Rosenheim langfristig agieren konnten, folgten auf Aufstiegstrainer Ernst Höfner Gary Clark, Gerhard Brunner und Paul Sommer in relativ kurzen Abständen. Hinzu kam – geschuldet vor allem dem allgemeinen Trend, der sprunghaften Internationalisierung – zunehmend die fehlende Identifikation der Fans mit ihrem Klub. Selbst als in der Ausstiegs-Saison 1999/2000 die Leistungen wieder anstiegen, war das Ende zunehmend absehbar. In diesem Jahr bestand der Kader aus elf Nordamerikanern, sieben Skandinaviern, einem Tschechen und nur acht Deutschen, und von den sechs Rosenheimern kamen auch nur vier (der viel zu früh verstorbene Torhüter Robert Müller, Mondi Hilger, Bobo Kühnhauser und Mitch Pohl) regelmäßig zum Einsatz.

Unmittelbarer Anlass zum Aus war dann das Auslaufen des Fernseh-Vertrages der DEL mit der Medien-Gruppe um Leo Kirch, was für die einzelnen Klubs einen Verlust in sechsstelliger Höhe (damals noch D-Mark) bedeutete. Zusammen mit gestiegenen Versicherungs-Abgaben an die Berufsgenossenschaft und einer gewissen „Müdigkeit“ bei Hauptsponsor Kathrein summierten sich die Probleme. Walter Schlosser, zu der Zeit „Mädchen für alles“ im Rosenheimer Eishockey, warf nach massiven Fan-Protesten das Handtuch. Bereits um den Jahreswechsel 1999/2000 tauchten Gerüchte auf, die DEL-Lizenz solle nicht mehr erneuert, sondern an die Hamburg Crocodiles verkauft werden.

Lizenzverkauf für 3,25 Millionen D-Mark an Iserlohn

Die bekamen die Lizenz dann doch nicht: Nutznießer des Rosenheimer Ausstiegs wurde überraschenderweise ein Klub, den anfangs niemand auf dem Radar hatte: der Iserlohner EC. Die Sauerländer, wenige Jahre zuvor noch von der überregionalen Landkarte verschwunden und inzwischen zwar wieder zweitklassig, schüttelten die gewünschten 3,25 Millionen D-Mark aus dem Ärmel und gingen anstelle der Starbulls ab der Saison 2000/01 in der DEL an den Start – mit einem gewissen Manuel Kofler als zweitbestem deutschem Torjäger im Kader.

Für die Roosters ging’s also bergauf, für die Starbulls folgte der Sturz ins Bodenlose. Geplant war eigentlich eine Konsolidierung in der drittklassigen Oberliga Süd, ähnlich wie 1992 mit einem Team aus jungen Rosenheimern und einigen Routiniers. Doch da stellten sich sowohl der DEB als auch der Bayerische Landesverband plötzlich stur: Keine Aufnahme in Ober- oder Regionalliga (damals das vierthöchste Level), und auch im Landesverband ganz nach unten. Und so fanden sich die Starbulls, eben noch in der „Bel Etage“ des deutschen Eishockeys, plötzlich in der Bezirksliga wieder. Und die Gegner hießen statt München, Mannheim oder Köln (wie im Jahr zuvor) plötzlich Gaißach, Forst oder Germering.

Niklas Brännström schoss das letzte DEL-Tor

Zurück zum letzten DEL-Spiel: Niklas Brännström hatte am 11. April das letzte DEL-Tor für die Starbulls erzielt, zwei Tage, nachdem Derek Cormier und Jean-Francois Quintin, die beiden Topscorer, beim 2:3 gegen Essen die Fans in eigener Halle zum letzten Mal hatten zum Jubeln gebracht. Ein halbes Jahr später ging es dann im Eishockey-Nirgendwo weiter – dabei war damals auch ein blutjunger Verteidiger namens Matthias Bergmann.

Und noch ein weiterer interessanter Brückenschlag von der Vergangenheit in die Gegenwart: Neben dem Noch-Rosenheimer Klaus Kathan war bei der B-WM in Kattowitz (Deutschland stieg unter Hans Zach nach zwei Jahren Abwesenheit wieder in die A-Gruppe auf) auch ein 16-jähriges Wunderkind aus Deggendorf mit von der Partie, der auch gleich Topscorer des Turniers wurde: ein gewisser Thomas Greilinger, der den Starbulls-Fans ja aus der heurigen Saison noch lebhaft in Erinnerung sein dürfte…

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