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Als Co-Bundestrainer in Tokio dabei

Kombination aus Trainer und Wissenschaftler: Kolbermoorer Michael Fuchs bei den Paralympics

Co-Trainer bei den Paralympics: Michael Fuchs.
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Co-Trainer bei den Paralympics: Michael Fuchs.
  • VonGerhard Erlich
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„Grundsätzlich bin ich für die wissenschaftliche Unterstützung des Teams verantwortlich, speziell im Bereich Spielanalyse“ sagt Michael Fuchs. Der Trainer des Tischtennis-Bundesligisten Kolbermoor war bei den Paralympics in Tokio mit dabei.

Kolbermoor – Wer in der Tischtennisszene den Namen Michael Fuchs hört, dem fällt zunächst einmal ein, dass der Mann mit Brille und Bart Abteilungsleiter beim SV DJK Kolbermoor, Inhaber der A-Trainerlizenz und zudem auch Trainer der ersten Damenmannschaft, die in der ersten Bundesliga sehr erfolgreich spielt, ist. Doch der Münchener, der in Prien geboren wurde, ist viel mehr. Der 33-Jährige ist auch Sportwissenschaftler und Co-Bundestrainer Analyse im Deutschen Behindertensportverband (DBS). In dieser Funktion war er auch ein wichtiger Mosaikstein bei den Paralympics in Tokio.

Eine große, aber leere Halle ohne Zuschauer prägte die Bewerbe.

Bundespräsident war am Flughafen

Kann man sich die Aufgaben als Trainer einer Mannschaft oder als Abteilungsleiter durchaus vorstellen, so stellt sich die Frage, was ein Co-Bundestrainer Analyse macht, beziehungsweise welche Aufgaben er hat. Michael Fuchs erklärt dies so: „Grundsätzlich bin ich für die wissenschaftliche Unterstützung des Teams verantwortlich, speziell im Bereich Spielanalyse. Das beinhaltet sowohl die Generalanalyse wie Vorbereitung auf Wettkämpfe, Profile über Gegner und deren Stärken sowie Schwächen und auch mögliche Taktiken. Hinzu kommt die technische und taktische Analyse der eigenen Spieler inklusive der Implementierung und Umsetzung ins Training. Das passiert immer im Austausch mit den betreuenden Trainern. Natürlich bin ich auch selber direkt mit Spielern, zum Beispiel bei Lehrgängen, am Tisch. Da ist die Kombination aus Trainer und Wissenschaftler ganz hilfreich“.

Nominierungskommision entscheidet

Es ist nicht unbedingt einfach, bei den Paralympics mit von der Partie zu sein. Wer für diese Titelkämpfe nominiert wird, entscheidet eine sogenannte Nominierungskommision. Dabei hat Bundestrainer Volker Ziegler seine Wunschmannschaft vorgeschlagen und die Kommission hat dessen Anregungen genehmigt. Letztendlich bestand neben den acht teilnehmenden Athleten der Betreuertross aus insgesamt vier betreuenden Trainern sowie einem Spielanalysten und einer Physiotherapeutin.

Dass Fuchs in Tokio dabei sein wird, hat er letztendlich nach der Bekanntgabe der offiziellen Nominierung durch den Bundestrainer Ziegler erfahren. Wenige Tage vor diesen Titelkämpfen haben sich die Mannschaft und Betreuer in Frankfurt getroffen und wurden von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier verabschiedet. Er betonte: „Wir sind mit dabei, wir fiebern mit, wir drücken Ihnen die Daumen“.

Nicht bei der Eröffnungsfeier

In der olympischen Metropole Tokio angekommen, mussten die Teilnehmer zunächst ein langes Prozedere über sich ergehen lassen, welches mehrere Stunden und Stationen in Anspruch nahm. Es stand auch noch der Corona-Test am Flughafen an. Zumindest der anschließende Bustransfer zum Hotel verlief normal. Der erste Tag nach der Ankunft gestaltete sich für Michael Fuchs insgesamt recht ruhig. „Man akklimatisiert sich, schaut sich das Hotel an und versucht, wach zu bleiben beziehungsweise nicht zu früh ins Bett zu gehen, damit man direkt den richtigen Tagesrhythmus bekommt. Es herrscht eine Zeitverschiebung von sieben Stunden“.

Fotografieren war nur aus dem Bus möglich und die Straßen waren überwiegend leergefegt.

Auf die Eröffnungsfeier bei den Paralympics hat der deutsche Tischtennistross verzichtet. „Es waren nur Athleten zugelassen und die Tischtennisspieler hatten sich aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos dagegen entschieden“, so der 33-Jährige. Als die Wettkämpfe schließlich begannen, standen auch für Fuchs Aufgaben auf dem Programm: „Die Vorbereitungen laufen über mehrere Monate. Wir wissen, welche Athleten in den einzelnen Klassen dabei sind und wir haben über die letzten Jahre eine Datenbank aus Video-Material aufgebaut. Dieses Material zu den einzelnen Gegnern werte ich aus, erstelle ein Spielerprofil mit den jeweiligen Stärken sowie Schwächen und erarbeite mögliche Taktiken für unsere Spieler. Es ist so eine Art Matchplan.

Zum Beispiel fallen hier die Platzierung und die Rotation des Aufschlages, mögliche Rückschlagplatzierungen, aber auch, welche Seite die schwächere ist. Gemeinsam mit dem Trainer und häufig auch mit dem Spieler werden solche Dinge dann im Vorfeld besprochen. Manche Spieler wollen erst kurz vor dem Spiel ein paar taktische Sachen gesagt bekommen, andere wiederum möchten schon vorher länger darüber diskutieren. Das ist von Spieler zu Spieler eben individuell. Vor Ort aktualisiere ich diese Spielerprofile eben und kann den Matchplan gegebenenfalls anpassen.“

„Alles war in einer Bubble“

Ein Arbeitstag kann für Fuchs deshalb auch schon einmal von 8 bis 22 Uhr mit möglichen nachstehenden Besprechungen dauern. Aufgrund der Corona-Situation war die Bewegungsfreiheit für alle Delegationen ein wenig eingeschränkt. Der Kolbermoorer erklärte: „Alles war in einer Bubble. Wir durften nur an der Wettkampfstätte, der Trainingshalle oder im Paralympic Village sein. Im Village konnten wir uns frei bewegen. An der Wettkampfstätte gibt es auch nicht zugängliche Bereiche.

Es gibt überall Security und Volontärs. Es ist wie ein eigenes Dorf. Auch Freizeitaktivitäten waren nicht möglich. Aber es wäre für uns vom Tischtennis auch nicht wirklich möglich gewesen, da unsere Wettbewerbe vom ersten bis zum letzten Tag andauerten“.

Vor den Spielen im Call Room

Die Anwesenheit für die Akteure bestand darin, vor jedem Spiel etwa 30 bis 40 Minuten zuvor im sogenannten Call Room zu sein. Dort wurden dann die Auslosungen oder auch Kontrollen durchgeführt. Im Normalfall waren die Spieler und Spielerinnen aber zwei bis drei Stunden vor dem Beginn der Wettkämpfe in der Halle.

Zu den Medaillengewinnern gehörte unter anderem Thomas Silberberger, der in der Klasse 3 Silber gewann. Valentin Baus durfte sich in der Klasse 5 sogar über Gold freuen und auch die Mannschaft holte in der Klasse 3 Silber. Wie bei den Olympischen Spielen vor den Paralympics wurden die Siegerehrung für die Sportler mit Einlauf, Siegerehrung und Nationalhymne durchgeführt, was natürlich für jeden Beteiligten ein besonderes Erlebnis war. Nach Beendigung der Titelkämpfe hatten die Akteure nicht viel Zeit, ihre Erfolge vor Ort zu genießen. Jeder Teilnehmer musste spätestens 48 Stunden nach Ablauf seines Wettkampfs nach Hause fliegen, sofern keine Ausnahmegenehmigung bestand.

Zurück in normalen Tischtennis-Alltag

„Da die Tischtennisbewerbe aber über den kompletten Zeitraum gingen, waren wir bis zum Schluss in Tokio. Bei der anschließenden Abschlussfeier waren wir nicht dabei. Wir sind an diesem Tag zurückgeflogen“, so Fuchs. Nach wenigen Tagen der Erholung wird Michael Fuchs wieder in seinen normalen Tischtennis-Alltag zurückkehren, was für ihn so viel heißt, wie das kümmern um die Belange des heimatlichen Vereins SV DJK Kolbermoor sowie um die erste Damenmannschaft. Dieser stehen in den nächsten Wochen sehr interessante Aufgaben bevor.

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