„Das ist Tennis-Geschichte“ - Kolbermoorer Christopher Kas vom US Open-Finale begeistert

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Christopher Kas, Ex- Tennisprofi und -Daviscupspieler, Tennis-Trainer und TV-Experte war mit seinen Spielern bei den US Open und anschließend als Co-Kommentator und Experte in der entscheidenden Phase des Grand Slam-Turniers dabei.

Kolbermoor/New York – Wie der Kolbermoorer Christopher Kas das Grand Slam-Finale zwischen Dominic Thiem und Sascha Zverev erlebt hat, wie seine Spieler abgeschnitten haben und was in den nächsten Tagen und Wochen ansteht, darüber sprach der in Kolbermoor lebende Christopher Kas (40) mit der OVB-Sportredaktion

Herr Kas, ganz Deutschland spricht immer noch über das Finale der US Open. Sie waren als Experte von Servus TV dabei. Ihre Eindrücke?

Christopher Kas: Das ganze Finale war episch und ist auch ein Stück Tennis-Geschichte, dass das Finale der US Open im fünften Satz im Tiebreak endet. Das war sicher das spannendste US Open-Finale in der Geschichte. Beide waren sowohl körperlich als auch emotional am Anschlag.

Christopher Kas mit Nikolos Bassilaschwili (links) und Federico Coria.

Was hat die Partie letztendlich entschieden?

Kas: Das kann man so gar nicht sagen, denn die Partie hätte in beide Richtungen gehen können. Es war natürlich am Ende eine Nervenschlacht. Beide Spieler waren extrem angespannt, aber sie sind sensationell mit der Situation umgegangen. Im Endeffekt haben beide in einem Tiebreak um die Erfüllung ihrer Träume gespielt, denn im Tennis gibt es nichts Größeres als einen Grand Slam-Titel zu gewinnen. Darauf haben beide in den letzten 20 Jahren hin gearbeitet, alles dafür gegeben und ihr Leben diesem Traum untergeordnet. Das Spiel war einfach fantastisch und auch zum Schluss auf einem sehr hohen Niveau. Uns sind die Superlative ausgegangen. Da hat es gar keine Worte mehr dafür gegeben.

TV Experte: Christopher Kas mit Andrea Schlager.

Boris Becker hat beim Stand von 5:3 im 5. Satz für Zverev gesagt: „Jetzt kommen die vier wichtigsten Punkte in der Karriere von Sascha“.

Kas: Das hat der Sascha Zverev natürlich auch gewusst und er hat in dieser Situation nicht viel falsch gemacht, weil Dominic Team in dieser Phase wieder sein bestes Tennis gespielt hat. Es war eigentlich während des gesamten fünften Satzes so, dass der Spieler, der zurückgelegen ist, in dem Moment sein bestes Tennis gespielt hat. Nur so ist man plötzlich in die Situation gekommen, dass genau ein Tiebreak das ganze Finale des Grand Slam-Turniers entscheidet.

Sie kennen beide Spieler sehr gut. Konnten Sie nach dem Match mit beiden sprechen?

Kas: Nein ich hatte keinen Kontakt nach dem Spiel. Da habe ich sie in Ruhe gelassen. Dafür war ich immer wieder mit der Familie Thiem und mit Mischa Zverev, dem Bruder von Sascha, in Kontakt. Für mich war das natürlich ein absolutes Traumfinale von zwei super Burschen, zwei gute Freunde und zwei Wahnsinnsspielern.

Wie ist denn die Atmosphäre in diesem Riesen-Tennisstadion ohne Zuschauer?

Kas: Die Atmosphäre in so einem großen Stadion ist natürlich schon gewöhnungsbedürftig, aber für beide war es ja das siebte Spiel und beide haben wir auch schon in den Runden vorher in dem großen Stadion gespielt. Ich glaube, dass das nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Man ist in dem Geschehen so drin, dass es eigentlich egal ist, ob da 23000 Zuschauer da sind oder nicht. Ich habe ja selbst meine Spielerin Kateryna Koslowa vor ihrem Match gegen Petra Kvitova auf dem Center Court warm gespielt. Es ist schon komisch. Auch als Trainer, wenn du anfeuerst, bist du natürlich sehr deutlich zu hören.

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Sie waren ja nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Trainer und als Experte für Servus TV vor Ort. Wie ist es da gelaufen?

Kas: Drei Wochen als Trainer von Kateryna Koslowa, Peter Gojowczyk und Nikolos Bassilaschwili war natürlich sehr interessant. Dadurch, dass wir in dieser Blase gelebt haben, konnte man nicht viel machen – außer im Hotel sitzen und warten. Da war es für mich natürlich gut, dass ich viel beschäftigt und praktisch den ganzen Tag auf dem Trainingsplatz war. Ab Montag in der zweiten Woche war ich bei Servus TV bei den drei Matches von Dominic Thiem Co-Kommentator und im Finale als Experte an der Seite von Andrea Schlager. Wir haben in der zweiten Woche über 30 Stunden lang live Tennis übertragen. Das war natürlich eine sensationelle Fernseherfahrung für mich. Allein bei den beiden Halbfinalspielen von Zverev und Thiem haben wir siebeneinhalb Stunden durchkommentiert.

Ein Trainer – drei Spieler im Hauptfeld

Noch einmal zu den drei Spielern, die sie betreut haben. Hat es das überhaupt schon einmal gegeben, dass ein Trainer drei Spieler im Hauptfeld der US open hat?

Kas: Ich glaube nicht, dass es das schon mal gab, aber das muss man vielleicht kurz erklären. Kateryna Koslowa und Peter Gojowczyk sind meine Spieler und dazu kam noch der Georgier Bassilaschwili. Sein Trainer Jan de Witt wollte die Reise in die USA aufgrund von der außergewöhnlichen Situation nicht antreten und dann haben mich die beiden gebeten, ob ich mich in New York um Nico Bassilaschwili kümmern kann. Und das habe ich natürlich sehr gerne gemacht.

Wie waren Sie mit dem Abschneiden Ihrer Schützlinge zufrieden?

Kas: Mit Peter Gojowczyk war ich zufrieden. Er hat eine schwierige Auslosung gehabt, aber die Leistung war trotz der Niederlage in der 1. Runde in Ordnung. Bei Bassilaschwili habe ich mir ein bisschen mehr erhofft, aber er kam mit den Bedingungen nicht so gut zurecht. Was die Kateryna Koslowa gespielt hat, war fantastisch. Sie hat ihr erster Match gewonnen und dann gegen die zweifache Wimbledonsiegerin Kvitova nur knapp verloren. Deshalb war ich mit Katja super zufrieden.

Sie waren ja auch noch in einer weiteren Funktion bei den US open dabei.

Kas: Ich bin ja auch Teammanager beim Bundesligisten TC Großhesselohe und da hatten wir aus unserem Kader zehn Spieler im Hauptfeld, unter anderem den Ex-Rosenheimer Federico Coria. Er hat nach großem Rückstand sogar die erste Runde überstanden, was ein großer Erfolg war.

Wie geht es jetzt weiter. Welche Aufgaben warten?

Kas: Jetzt bereiten wir uns alle auf die French Open vor. Da gibt es nicht viel Zeit zum Durchatmen, denn am Montag beginnt bereits die Qualifikation. Peter Gojowczyk muss Qualifikation spielen und Kateryna Koslowa steht im Hauptfeld, das am Montag in einer Woche beginnt. Da schauen wir dann, dass wir so erfolgreich wie möglich abschneiden.

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