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Tischtennis als Abwechslung

Mehrfache nationale Meisterin: Ukrainerin spielt nach Flucht für Kolbermoor

Ganna Farladanska war bei den letzten beiden Heimspielen zwar bei ihrer Mannschaft, mit den Gedanken aber auch stets in ihrer Heimat.
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Ganna Farladanska war bei den letzten beiden Heimspielen zwar bei ihrer Mannschaft, mit den Gedanken aber auch stets in ihrer Heimat.
  • VonGerhard Erlich
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Der Krieg hat ihr Leben verändert: Kolbermoors Tischtennisspielerin Ganna Farladanska musste mit ihrer Familie aus der Ukraine flüchten und versucht nun, in Kolbermoor ein normales Leben zu führen.

Kolbermoor – Nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist Ganna Farladanska vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet. Seit gut zwei Wochen ist sie mit einem Teil ihrer Familie und einer Freundin in Kolbermoor, wo Farladanska auch vor dem Angriff auf ihr Land schon Spiele für den SV-DJK bestritten hatte.

Erfolgreich im Tischtennis

Die 33-Jährige hätte bis vor Kurzem nie daran gedacht, dass sich ihr Leben so schnell ändern könnte. In der Ukraine war sie eine erfolgreiche Sportlerin. Neben der Leichtathletik lag ihr Schwerpunkt im Tischtennis. Sie wurde mehrfache nationale Meisterin und war auch bei Turnieren auf internationaler Ebene erfolgreich. Dass da Angebote aus dem Ausland kamen, war irgendwann logisch. So spielte sie unter anderem in Italien, Österreich und Schweden in der 1. Liga. Mit ihrem letzten heimischen Verein Evulotion Odessa lag sie bis zum coronabedingten Abbruch an erster Stelle der Tabelle in der ukrainischen Eliteklasse.

Der Ausbruch des Krieges änderte ihr Leben vollkommen. „Ich habe mich dann entschieden, aus der Ukraine zu flüchten, weil ich geahnt habe, dass es hier nicht zu einem schnellen Ende kommt.“ Natürlich wurde bei dieser Entscheidung auch die Familie einbezogen. Farladanskas Mann konnte sich keine Hoffnungen machen, die Reise antreten zu können. Die Regierung hatte zum damaligen Zeitpunkt schon entschieden, dass Männer bis 60 Jahre in der Ukraine bleiben und das Land verteidigen müssen.

Über Ungarn und Wien nach Rosenheim

Wohin die Reise gehen sollte, war anfangs noch nicht ganz klar. „Als Ziel war geplant, an einen ruhigen Platz zu kommen, wo es auch möglich ist, Tischtennis weiter zu spielen“, erzählt die Ukrainerin. „Ich habe dann unseren Trainer Michael Fuchs angerufen und auch Kontakt mit Sabine Balletshofer aufgenommen.“ Balletshofer, die auch dritte Bürgermeisterin in Kolbermoor ist, konnte ihr eine Unterkunft vermitteln und zudem notwendige Unterlagen besorgen. „Wir sind dann mit dem Taxi erst nach Moldawien gefahren und von dort aus mit Zügen durch Rumänien, Ungarn bis nach Wien. Von Wien ging es erneut mit dem Zug bis nach Rosenheim“, sagte sie. Am Bahnhof in Rosenheim wurde sie und ihre Mitreisenden, von Sabine Balletshofer sowie Gerhard Schlarb aus Schlarbhofen – er stellt die Wohnung zur Verfügung – in Empfang genommen.

Tischtennis als Abwechslung

In den ersten Tagen hatte Farladanska zwar einige Amtsgänge zu absolvieren, dennoch tauchte die Ukrainerin auch in der Kolbermoorer Turnhalle auf. „Ich habe ein wenig trainiert“, sagte sie erfreut. Sie bestritt sogar die beiden Heimspiele der zweiten Mannschaft in der 2. Bundesliga gegen Jena und die Leutzscher Füchse. Im Doppel lief es bereits sehr gut, nur im Einzel hatte sie – zumindest gegen Jena– noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Beide Begegnungen verlor sie nach einer 2:0-Satzführung jeweils im Entscheidungssatz. „Natürlich möchte ich alles gewinnen. Trotzdem war es besser, als ich erwartet habe“, meinte sie.

Für Farladanska bedeutet Tischtennis eine große Abwechslung, wenngleich sie auch während der Spiele nach wie vor Gedanken an den Rest der Familie hat. „Ich kann nicht sagen, was in den nächsten Wochen geschieht. Ich möchte die Zeit mit meinem Kind verbringen, versuchen, ein ganz normales Leben zu führen und auch ein bisschen trainieren.“