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An der körperlichen Leistungsgrenze

Fokussiert:Der Rosenheimer Tomczyk beobachtet das Renngeschehen während einer Pause in der Box.
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Fokussiert:Der Rosenheimer Tomczyk beobachtet das Renngeschehen während einer Pause in der Box.

Für die Bergsteiger wäre es, wie wenn man eine Woche nach dem Mount Everest noch den K2 stürmt, für Schwergewichtsboxer wie zwei Titelkämpfe gegen die Klitschko-Brüder binnen einer Woche. Der Rosenheimer Martin Tomczyk hat nun eine ähnliche Herausforderung im Motorsport vor sich.

Rosenheim– Dem 37-Jäh rigen steht an den kom menden Wochenenden eine besondere Aufgabe bevor. Ab Pfingsten begibt sich derBMW-Markenbotschafter nach Frankreich, um sich für die 24 Stunden von Le Mans vorzubereiten, nur eine Woche später bestreitet er das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Wie er die spezielle Herausforderung angeht und welche Ziele er hat, erzählt der DTM-Gesamtsieger von 2011 im exklusiven Interview mit der OVB-Sportredaktion.

Bringen Sie uns doch bitte mal Ihre beiden Starts näher.

Generell sind das Langstrecken-GT-Rennen, bei denen BMW mit dabei ist. Das sind beides tolle Klassiker, Le Mans mit der wahnsinnigen Geschichte dahinter und der Nürburgring ist für deutsche Hersteller ganz klar ein Muss, dass man daran teilnimmt. In Le Mans gehe ich mit dem BMW-Team MTEK an den Start, mit dem ich die ganze Saison gefahren bin. Am Nürburgring starte ich dann mit dem BMW-Team Schnitzer. Es sind zwei verschiedene Autos und auch unterschiedliche Fahrerpaarungen. In Le Mans fahre ich mit Philipp Eng aus Salzburg, momentan DTM-Führender, und dem Holländer Nick Catsburg, am Nürburgring mit dem Brasilianer Augusto Farfus, Sheldon Vanderlinde aus Südafrika und Timo Scheider, alle bekannt aus der DTM.

Wie schwer ist dann die Umstellung?

Es ist schon schwierig, weil die Zeit dazwischen recht knapp ist. Normalerweise brauchst du nach so einem 24-Stunden-Rennen, das sehr ausdauernd und kraftintensiv ist, eine Woche, dass du dich wieder erholst. Das funktioniert diesmal nicht, weil eigentlich nur drei Tage dazwischen sind. Zudem sind die Strecken unterschiedlich: In Le Mans haben wir einen Straßenkurs mit sehr vielen Geraden, der 13 Kilometer lang ist, am Nürburgring gibt es die „grüne Hölle“, die 25 Kilometer lang ist und andere Anforderungen bietet. Dazu gibt es dort auch viele langsamere Autos, auf die es zu achten gilt.

Bitte erklären Sie uns die Fahrzeuge.

In Le Mans sind wir mit dem neuen BMW M8 unterwegs, der jetzt präsentiert worden ist. Das Serienmodell ist jetzt bestellbar, wir sind schon seit einem Jahr damit auf der Rennstrecke unterwegs. Aber es ist natürlich kein Straßenauto, das wird von Grund auf konstruiert und ist mehr oder weniger ein Prototyp. Es wird nach dem Reglement des Veranstalters aufgebaut und ist ein hochtechnisches Produkt, das man so im Straßenverkehr gar nicht fahren könnte. Am Nürburgring fahren wir mit dem M6 GT3 schon das vierte Jahr, das ist ein ausgereiftes Auto.

Es müssen ja mehrere Fahrerwechsel durchgeführt werden. Wie laufen die ab?

Es ist alles eingespielt. Für den reinen Fahrerwechsel, also bis der eine rausgeht, ich rein und dann richtig angeschnallt bin, brauchen wir 19 Sekunden – und das ist sehr, sehr schnell. Da sitzt jeder Handgriff, und das trainieren wir auch in der Vorbereitung auf jedes Rennwochenende.

Zu den persönlichen Anforderungen: Wie sind die Einsätze im Team geregelt, wie überbrücken Sie die Pausen und wie kompensieren Sie den Flüssigkeitsverlust?

Wasserspeicherung ist ein großes Thema. Du verlierst wahnsinnig viel Flüssigkeit bei Temperaturen von 40 bis 45 Grad im Cockpit. Während eines Einsatzes, der rund zwei Stunden dauert, verliert man sechs bis sieben Kilo. Da musst du vorbauen, dass der Körper das schon mit dabei hat. In den vier Stunden neben der Strecke musst du dann essen, viel trinken und bekommst eine Massage. Mit Schlaf ist es nicht wirklich, weil du Adrenalin im Körper hast. Nach so einem Rennen fährt der Körper eigentlich komplett runter – was diesmal nicht geht, weil nach Le Mans schon wieder das nächste Rennen wartet.

Was macht den Mythos von Le Mans aus?

Es ist wirklich sensationell dort. Die ganze Stadt ist voll, die Fahrerparade! Der Mythos lebt und wird jedes Jahr mehr und mehr. Dort als Rennfahrer antreten zu dürfen, schätze ich sehr. Diese legendäre Strecke zu fahren, das ist schon einmalig. Es ist auch gigantisch, was rund um das Rennen alles passiert: Die ganzen Leute, die Festivals!

Und Sie sind wirklich bislang erst einmal in Le Mans gefahren?

Ja, das hat sich halt so ergeben. Meine Hauptzeit im Motorsport waren die 16 Jahre in der DTM und da bist du natürlich auf diese Strecken fixiert. 2017 bin ich dann das erste Mal in Amerika gefahren und habe Strecken wie Sebring und Daytona kennengelernt. Das sind auch so Klassiker, wo man erst einmal merkt, was man verpasst hat. So etwas als Rennfahrer aufzusaugen, macht wahnsinnig viel Spaß.

Wie war denn das erste Mal in Le Mans?

Ich musste auch erst mal die Strecke kennenlernen, auch wenn man natürlich vorher auf Simulatoren geübt hat. Aber wenn du dann wirklich dort bist und diesen Mythos spürst, da läuft es auch mir mit meiner langen Rennerfahrung kalt den Rücken runter.

Ihren DTM-Sieg oder einen Le-Mans-Erfolg – was würden Sie persönlich höher einstufen?

Der DTM-Sieg 2011 mit dem Jahreswagen war schon sehr gut. Aber man muss differenzieren: Le Mans ist ein Rennen, wo 24 Stunden alles passen muss, um zu gewinnen. Bei der DTM muss die ganze Saison ausgewogen sein, um den Gesamtsieg zu holen. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn sie mir die Frage nach dem Rennen in Le Mans stellen können...(lacht).

Wie stehen die Chancen?

Schwierig zu sagen. Wir waren jetzt erst beim Testen, und da ist das Auto sehr gut gelaufen. Wir haben mit dem Auto auch schon einen Dauerlauf gemacht, das heißt, wir waren damit 30 Stunden am Stück unterwegs – auch das hat gut funktioniert. Wir hoffen schon, dass wir vorne mitfahren können. Letztes Jahr waren wir in der zweiten Position, ehe wir in der 15. Stunde einen Dämpferschaden hatten und dann vier Runden zurückgefallen sind.

Und wie stehen die Chancen am Nürburgring?

Ich hoffe, dass ich endlich mal dort gewinnen kann. Ich fahre, glaube ich, schon das zehnte Mal dort und immer passiert kurz davor etwas. Ich glaube, dass die Chancen diesmal sehr gut stehen, die Performance vom Auto ist gut. Aber am Nürburgring zählt auch das Quäntchen Glück dazu.

Könnten Sie eigentlich die Nordschleife dort mit verbundenen Augen fahren?

Mit verbundenen Augen nicht wirklich, aber ich weiß zumindest jeden Meter. Ich weiß, wo die rutschigen Stellen bei Regen sind, wo die Bäche über die Strecke drüberfließen. Dafür musst du schon ein paar Kilometer abgeschrubbt haben. Interview: Neumeier

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