König war der letzte deutsche Sieger

Der „Vater des Hochfellnberglaufs“und OK-Vizechef Georg „Bibi“ Anfang mit der deutschen Topläuferin Sarah Kistner.

Bergen – Am Sonntag, 29. September, steigt bereits der 46.

Internationale Adelhol zener Hochfellnberglauf – Grund genug, einmal zurückzublicken. Er ist zweifelsohne der König und sie die Königin des deutschen Berglaufklassikers (8,9 Kilometer und 1074 Höhenmeter): der siebenfache Weltmeister Jonathan Wyatt aus Neuseeland und die sechsfache Weltmeisterin und dreifache Europameisterin Andrea Mayr aus Österreich. Mayr ist auch zweifache Olympionikin (Marathon) und wurde 2017 Weltmeisterin im Skibergsteigen. Wyatt, der mittlerweile Präsident des Berglauf-Weltverbandes WMRA ist, hat sich zwischen 1999 und 2010 achtmal am Hochfellnhaus in die Siegerliste eingetragen. Im Jahr 2000 holte er sich dort den Weltmeistertitel. Seit 2002 hält der beste Bergläufer aller Zeiten auch den Streckenrekord. Seine damalige Siegerzeit von 40:34,9 Minuten war in den vergangenen Jahren nie ernsthaft in Gefahr – und das, obwohl stets die absolute Weltspitze mitlief. Der Streckenrekord von 47:28,2 Minuten der erfolgreichsten Bergläuferin aller Zeiten Mayr hält bereits seit 2008. Elf Jahre nach ihrem Pre mierensieg könnte die 39-jährige Ärztin heuer zum zehnten Mal ganz oben auf dem Podest stehen, doch die Konkurrenz schläft nicht.

Kurt König war 1983 der letzte deutsche Mann, der den Hochfellnberglauf gewinnen konnte. 36 Jahre ist das mittlerweile her und auch ein Indiz dafür, dass sich Ende September stets die absolute Weltklasse in Bergen einfindet. Universal-Bergsportler Anton Palzer aus dem bayerischen Ramsau hätte 2017 als Zweitplatzierter die deutsche Durststrecke fast beendet. Am Ende fehlten ihm aber doch 45,2 Sekunden auf den italienischen Sieger und ausgewiesenen Hochfellnberglaufspezialisten Antonio Toninelli. Im Vorjahr schrammte Filmon Abraham (LG Festina Rupertiwinkel) als Viertplatzierter knapp am Podest vorbei. Dass sich alljährlich zahlreiche WM- und EM-Medaillengewinner in Bergen zu einem hochkarätigen Leistungsvergleich und auch zu einer Art WM-Revanche einfinden, liegt nicht zuletzt am „Vater des Hochfellnberglaufs“, Vize-OK-Chef Georg „Bibi“ Anfang.

Seit 1997 als Grand-Prix-Lauf ausgeschrieben, entwickelte sich der Hochfellnberglauf zu einem der weltweit bestbesetzten Bergläufe. 2000 wurde sogar die Weltmeisterschaft ausgetragen und von 2016 bis 2018 war man Teil des „Mountain Running World Cups“. Neben Kurt König platzierten sich die deutschen Topläufer Helmut Schießl und Timo Zeiler stets im Spitzenfeld, trotzdem gelang es ihnen nie, in die Sphären der internationalen Berglaufstars Jonathan Wyatt (persönliche Bestzeit 40:34,9 Minuten/Neuseeland), Antonio Molinari (41:22,3/Italien), Petro Mamu Shaku (41:38,7/ Eritrea), Marco de Gasperi, (41:41,8/Italien) und Yossief Tekle (42:13,1/Eritrea) vorzudringen, die die Top Fünf der „Ewigen Hochfelln-Bes tenliste“ bilden. Der beste Deutsche Schießl hält mit 43:32,0 Minuten die 19. Laufzeit. Der zweitbeste Deutsche Guido Dold (43:38,1) wird an 23. Stelle geführt, dahinter folgen Anton Palzer (Platz 27/43:43,3 Minuten) und der mehrfache deutsche Meister Zeiler (Platz 30/43:48,1 Minuten).

Die schnellsten Damen in der Hochfellnberglauf-Historie sind Streckenrekordhalterin Andrea Mayr (47:28,2 Minuten/Österreich) vor der Weltmeisterin von 2002, Svetlana Demidenko (47:42,5/Russland) und Ex-Berglauf-Europameisterin und Berglauf-Langstrecken-Weltmeisterin Martina Strähl (49:20,4/Schweiz). Auf Rang vier der „Ewigen Bestenliste“ rangiert Angela Mudge (49:24,1/Schottland) und auf Rang fünf die beste Deutsche Birgit Unterberger-Sonntag (49:43,2), die 2000 auf dem Hochfelln Vizeweltmeisterin und 2013 deutschen Meisterin wurde. Die 21-jährige Deutsche Sarah Kistner, die bereits zweimal Zweite war, konnte sich 2017 (50:37,8) auf Platz zehn verbessern. Ihre Landsfrau Julia Lettl (51:35,7) hält als drittbeste Deutsche den 16. Platz. Letzte deutsche Siegerin war indes Johanna Baumgartner, die 1993, 1995 und 1996 triumphierte.

In den ersten Jahren des Hochfellnberglaufs trugen sich einige Mitglieder der deutschen nordischen Ski-Nationalmannschaft in die Siegerliste ein: So gewannen Hans Speicher bei der Premiere 1974, Wolfgang Müller und Wolfgang Pichler 1975, Dieter Notz 1979 und Georg Zipfel 1980. Damals war die Strecke noch 8,4 Kilometer lang (500 Meter kürzer als heute). Zudem waren Abkürzungen erlaubt und Skistöcke zugelassen. 5000-Meter-Weltklasseläufer Peter Weigt siegte 1976 und Patriz Ilg, Welt- und Europameister im 3000-Meter-Hindernislauf, 1981 mit Streckenrekord. Nach den reinen Leichtathleten gewann 1982 mit Herbert Franke erstmals ein deutscher Berglaufspezialist, gefolgt von Kurt König 1983 – dem letzten deutschen Herrensieger.

„Bei aller Konzentration auf die Berglauf-Weltelite legen wir den Fokus immer auch auf Hobby-, Freizeit- und Breitensportler, die ihre persönliche Bestzeit anpeilen, unter der Marke von einer Stunde bleiben oder einfach nur den Gipfellauf zum schönsten Aussichtsberg des Chiemgaus in Angriff nehmen wollen“, so Vize-OK-Chef Anfang. Auch bei der 46. Ausgabe am Sonntag ist eine Inn/ Chiemgau-Wertung ausgeschrieben. mmü

Kommentare