Julian Weigl-Spezl Johannes Zottl stürmt in der Regionalliga gegen einige Ex-Bundesligisten

Im Januarwurde der Ex-Rosenheimer Johannes Zottl beim SV Lippstadt 08 vorgestellt. SV Lippstadt 08

Vor knapp einem Jahr schien seine Fußball-.Karriere nach einem Schädelbruch aprupt beende – jetzt stürmt der Branneburger Johannes Zottl in der Regionalliga West für Lippstadtr. Im Ruhrgebiet spielt er unter anderem gegen die Ex-Bundesliogisten Aachen, Essen, Wuppertal und Oberhausen

Lippstadt/Rosenheim– Alemannia Aachen hat vier Jahre in der Bundesliga gespielt und stand im UEFA-Cup-Achtelfinale. Rot-Weiß Essen war einst Deutscher Meister und spielte im Europacup der Landesmeister, Vorgänger der Champions League. Der Wuppertaler SV war drei Jahre lang in der Bundesliga und spielte im UEFA-Cup, der jetzt als Europa League firmiert. Rot-Weiß Oberhausen kann auf vier Jahre Bundesliga zurückblicken. Und Fortuna Köln war einmal Erstligist, spielte 26 Jahre lang in der 2. Bundesliga und bis letzten Sommer noch in der dritthöchsten Spielklasse. Was das mit dem Landkreis Rosenheim zu tun hat? Das sind alles Gegner des SV Lippstadt 08 in der Fußball-Regionalliga West, für den neuerdings der Brannenburger Johannes Zottl stürmt.

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Für 1860 Rosenheim in der Regionalliga Bayern gespielt

Nach seinem schweren Unfallerhielt Johannes Zottl im Krankenhaus Besuch von Spezl Julian Weigl. instagram

Der 25-Jährige hat sich die Chance auf die Regionalliga noch einmal erarbeitet, nachdem er schon für den TSV 1860 Rosenheim in der Regionalliga Bayern aufgelaufen war. Zottl hat nämlich seinen Torriecher wiederentdeckt, den er einst im Nachwuchsbereich beim TSV Brannenburg und dem SB/DJK Rosenheim bereits bewiesen hatte. Für den Sportbund kam er dann noch auf drei Treffer in 18 Bayernliga-Spielen, ehe er im September 2014 zum Stadtrivalen TSV 1860 wechselte. Dort bestritt er 37 Bayernliga-Partien mit drei Toren und 19 Spiele in der Regionalliga.

Zu Spezl Julian Weigl ins Ruhrgebiet gewechselt

Kumpel Julian Weigl spielte mittlerweile bei Borussia Dortmund und hatte ihm angeboten, ins Ruhrgebiet zu kommen. Zottl wagte den Schritt, begann ein Sportmanagement-Studium und begab sich im August 2018 auf Vereinssuche. Am Ende entschied er sich für den FC Iserlohn in der Westfalenliga. Die Beweggründe: „Ich habe erst einmal nach einem Rasenplatz geschaut. Hier gibt es sehr viele Vereine mit Kunstrasen und von 1860 Rosenheim hatte ich auch fast nur auf Kunstrasen trainiert. Deshalb war mir ein Rasenplatz wichtig. Da ging‘s mir nicht um die Spielklasse, sondern um die Bedingungen.“

18 Tore in 24 Spielen – dann stoppte ihn ein schwerer Unfall

Und die passten, denn Zottl spielte – und traf wieder: 18 Tore in 24 Spielen. Bis ihn ein schwerer Unfall Ende April 2019 stoppte: Im Spiel beim Lüner SV fiel er nach einem Körperkontakt im Zweikampf mit dem Kopf in eine Steinmauer am Spielfeldrand. Mit Schädel- und Augenhöhlenbruch wurde er schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. „Vom Unfallhergang weiß ich gar nichts mehr“, so Zottl, der sich viele Gedanken machte: „Kannst du überhaupt wieder Fußballspielen? Verkraftest du das?“ Und vor allem: „Möchtest du dort hingehen?“ Denn zum Zeitpunkt des Unfalls war schon klar, dass Zottl zum Lüner SV wechseln wird.

Zu Start der Vorbereitung wieder topfit: 16 Tore in 12 Spielen

„Ich habe mir das dann auch ein bisschen schöngeredet“, sagt der 25-Jährige ehrlich, „das hätte ja auch gegen eine andere Mannschaft passieren können“. Dem damals gegnerischen Spieler sei er dann „recht offen begegnet“, zumal sich der spätere Mitspieler ja auch „mehrmals bei mir entschuldigt hat“.

Es dauerte nicht lange, da war Zottl schon wieder auf dem Platz. „Zur Überraschung vieler war im zum Vorbereitungsstart topfit“ – und wie: In zwölf Begegnungen der Westfalenliga avancierte er mit 16 Toren zum Top-Stürmer des Lüner SV. „Ich hatte einen guten Lauf“, meinte er – und hatte die Regionalliga ins Auge gefasst. „Das hatte ich schon mitgeteilt, dass ich die Chance nutzen möchte, wenn sich ein Regionalligist meldet.“ Im Januar 2020 machte er dann den Sprung zwei Ligen höher zum SV Lippstadt 08 – und spielt eben nun gegen Oberhausen, Wuppertal oder Fortuna Köln. „Das ist für jeden Fußballer geil, das Höchste der Gefühle“, sagt der 25-Jährige, „in solchen Momenten kannst du sicher noch einmal drei, vier Prozent mehr rauskitzeln“.

„Bin sicher, dass ich meine Minuten bekomme“

Gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach und Fortuna Köln wurde er eingewechselt. „Ich bin mir sicher, dass ich meine Minuten bekommen werde“, sagt Zottl, der die West-Liga als „stärkste Regionalliga“ bezeichnet: „Die U-Mannschaften der Proficlubs sind technisch und taktisch sehr stark, die anderen Teams, die auch schon höher gespielt haben, sind einfach brutal abgezockt.“

Mit Lippstadt steckt Zottl im Abstiegskampf, fünf Punkte fehlen aktuell zum rettenden Ufer. „Wir haben im März sieben Spiele, da können wir etwas gutmachen.“ Der Stürmer will seinen Teil dazu beitragen: „Ich bin fit und kann marschieren“, sagt er. Und er will natürlich auch die Atmosphäre aufsaugen: „In Lippstadt sind 800 Zuschauer pro Spiel, die für Stimmung sorgen“, erzählt er – ist natürlich nichts gegen so manche Auswärtspartie. Das nächste Spiel bestreitet Lippstadt bei Rot-Weiß Essen, das vom früheren HSV-Trainer Christian Titz angeleitet wird. An der Hafenstraße sind im Schnitt mehr als 11000 Zuschauer pro Begegnung.

Blick auf die ehemaligen Vereine

Von daher ist der Fußball in Rosenheim natürlich mit dem im Ruhrgebiet nicht zu vergleichen. Zottl hat den Blick aber schon noch auf seine ehemaligen Vereine: „Die Ergebnisse verfolge ich natürlich. Beim Sportbund kenne ich aber kaum noch einen Spieler, bei 1860 sind noch etliche Bekannte dabei.“ Und natürlich hält er auch noch engen Kontakt zu Julian Weigl, der mittlerweile bei Benfica Lissabon spielt und die portugiesische Liga anführt. Einem Besuch an der Algarve steht aber noch der Abstiegskampf in der Regionalliga West im Weg: „Wir trainieren im Moment wie die Profis. Da muss ich erst auf ein paar freie Tage warten.“

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