20 Jahre Starbulls Rosenheim: Eishockeyspiele zwischen Berchtesgaden und Bremerhaven

Beppo Frank räumte im Finale 2012 zwar den Landshuter Max Brandl aus dem Weg, doch am Ende wurden die Niederbayern Meister.
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Beppo Frank räumte im Finale 2012 zwar den Landshuter Max Brandl aus dem Weg, doch am Ende wurden die Niederbayern Meister.
  • vonManfred Eder
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Von Berchtesgaden über Landshut und Bremerhaven nach Höchstadt – so ähnlich könnte man den Weg beschreiben, den die Starbulls Rosenheim seit ihrer Neugründung im Sommer 2000 zurückgelegt haben. In der Serie 20 Jahre Starbulls geht es im 2. Teil um den Weg der Starbulls in den verschiedenen Ligen

Rosenheim– Kein Klub im deutschen Eishockey hat in den letzten 20 Jahren ein dermaßen breites Spektrum an Levels, Spielklassen und Gegnern erfahren wie die Starbulls Rosenheim. Vom untersten (siebten) Level hinauf ins zweithöchste und dann wieder einen Schritt zurück – man könnte von einer Berg- und Talfahrt sprechen, wären da nicht die relativ langen Perioden der Stabilität gewesen. Immerhin folgten auf sechs Jahre Oberliga sieben Jahre Zweite Liga beziehungsweise DEL2.

2003 mit einem Aufstieg zwei Schritte getan

Zwischendurch hatten es der damalige Kapitän Tom Schädler und seine Teamkameraden sogar geschafft, mit einem Aufstieg gleich zwei Schritte höherzukommen. Und das nicht etwa, weil man am grünen Tisch zuvorkommend behandelt worden wäre! Im Gegenteil, im Bereich des Bayerischen Eissport-Verbandes schlug den „großkopferten“ Rosenheimern von Funktionärsseite meist eher Ablehnung entgegen. Der Grund war vielmehr der, dass die Starbulls 2003 zwar „nur“ von der Bayernliga in die Oberliga aufstiegen, durch eine Neuordnung im DEB-Bereich aber von der fünften in die dritte Liga sprangen, da die bis dahin viertklassige Regionalliga aufgelöst wurde. Kompliziert? Deutsches Eishockey…

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In der Oberliga spielte Rosenheim wieder gegen alte Bekannte

Im Finale um die DEL2-Meisterschaft 2012 gegen den EV Landshut war das Rosenheimer Eisstadion mit 6300 Zuschauern ausverkauft. In einer dramatischen Finalserie scheiterten die Starbulls an den Niederbayern und wurden Vizemeister.

Den Rosenheimern war das egal. Nach Gegnern wie Berchtesgaden, Gaißach, Forst oder Denklingen ging es endlich wieder gegen gute alte Bekannte wie Riessersee, Füssen, Hannover oder Berlin. Obwohl man dem bisherigen Konzept, überwiegend auf Rosenheimer und Spieler aus der Region zu setzen, und bis kurz vor Saisonende sogar auf einen zweiten Ausländer verzichtete, war man ziemlich schnell in der Liga angekommen. Mit dem Abstieg hatte man nichts zu tun, schaffte mühelos in den ersten beiden Jahren mühelos die Meisterrunde. Einziger Wermutstropfen war das frühzeitige Ausscheiden im Play-off gegen München 2005 sowie Landsberg 2006. Die Stars und Publikumslieblinge waren nach wie vor Rosenheimer: Andi Schneider, Mondi Hilger, Andi Paderhuber und, und, und...

Starbulls wurden vom Underdog zum etablierten Oberligisten

Dann aber, als man vom Underdog zum etablierten Oberligisten geworden war und die Ansprüche der Fans entsprechen stiegen, gab es die ersten Probleme. 2007 statt Meisterrunde nur die „Pokalrunde“ der untersten Vier (als Absteiger standen die insolventen Ratinger Ice Aliens bereits fest), 2008 dann nach anfangs starken Leistungen, aber Problemen mit heimwehkranken Legionären (Aucoin und Snowden) gar fast der Super-GAU: Nur eine einzige Niederlage fehlte in einer leistungsmäßig „durchwachsenen“ Playdown-Serie gegen Passau zum Abstieg. Kein Wunder, dass in beiden Spielzeiten die Trainer gewechselt wurden: Erst löste Markus Berwanger Ron Chyzowski ab, ein knappes Jahr später musste er das Zepter an Franz Steer übergeben. Mit dem waschechten Landshuter an der Bande kam die Zeit des Aufschwungs, allerdings nicht sofort. Als zweitbestes Süd-Team schied man im Play-off-Halbfinale gegen Kaufbeuren aus.

Endlich raus aus der Oberliga im Jahr 2010: Die Rosenheimer Spieler jubeln nach dem Finalsieg gegen peiting über den Aufstieg in die DEL2.

2010 in einen wahren Spielrausch gesteigert

Im Gegensatz zu den Jahren davor, als die Starbulls zum Saisonende hin meist abbauten, steigerten sie sich im Play-off 2010 in einen wahren Spielrausch. Die Saison selbst war unbefriedigend verlaufen (ein fünfter Platz und nicht zu überhörende „Trainer raus!“-Rufen), und im Viertelfinale gegen Bad Nauheim stand man nach fünf Spielen vor dem Aus, als es plötzlich ‚Klick‘ machte! Acht Siege aus den letzten neun Spielen gegen Nauheim, Herne und Peiting – die Starbulls waren Oberliga-Meister!

2011 im Endspiel gegen den EV Landshut gescheitert

Bayernligameister 2004: Kapitän Thomas Schädler mit dem Pokal.

Auch in die zweithöchste Spielklasse konnte man die Aufstiegseuphorie mitnehmen. Nach Platz sieben in der Punktrunde und einem sensationellen „Sweep“ gegen Vizemeister Heilbronn scheiterte man erst am späteren Meister Ravensburg. Außerdem gewannen die Rosenheimer den DEB-Pokal gegen Ravensburg (Teil 3 der Serie in der Samstag-Ausgabe).

Das Beste aber sollte noch kommen: Ein Jahr später war für den Tabellenvierten wieder einzig der Meister eine Runde zu groß – und diesmal sogar erst im Finale. Von den Spielen gegen den großen Rivalen Landshut und speziell vom 1:0-Overtime-Sieg in Landshut durch Corey Quirks Treffer schwärmen manche Fans noch heute. Es passte einfach (fast) alles in dieser Saison. Franz Steer hatte mit Quirk, Torhüter Norm Maracle, Aufstiegs-Held Mitch Stephens und dem nachverpflichteten Patrick Asselin super Legionäre an Bord, zugekaufte Spieler wie Beppo Frank, Dominic Auger oder Michael Baindl waren längst zu Publikumslieblingen geworden, und nach wie vor führte Kapitän Stephan Gottwald ein Kontingent von rund einem Dutzend einheimischer Spieler an.

Ein Punkt fehlte zur Punkterunden-Meisterschaft

Im Jahr drauf konnte man zwar die Revanche genießen, den amtierenden Meister EV Landshut im Viertelfinale aus dem Rennen zu kegeln, den erneuten Finaleinzug machten allerdings, wie auch in der nächsten Saison, die Bietigheim Steelers unmöglich. In der Punkterunde reichte es „nur“ zu Platz sechs, aber von der Leistung her enttäuschten die Starbulls mit ihren neuen Legionären Squires, Caruana, DelMonte und Torhüter Pasi Häkkinen keinesfalls. Die insgesamt beste Saison aber war zweifellos 2013/14. Mit Häkkinen im Tor und Shawn Weller, Tyler McNeely sowie den Skandinaviern Kim Staal und Robin Weihager war man in punkto Legionärs-Attraktivität bei nahezu hundert Prozent, der junge Norman Hauner erwies sich an der Seite von Weller und McNeely als Vollstrecker, der „Team Spirit“ stimmte, die Fans kamen in Scharen.

2015 der erste deutlichen Rückschritt erkennbar

Ein einziger Punkt fehlte Steers Mannen zur Punktrunden-Meisterschaft, nur Bietigheim war im Halbfinale auf die Sekunde genau da, wo die Starbulls die ganze Saison davor waren: bei 120 Prozent.

Allerdings begann aber nach den beiden Höhepunkten der Abstieg. Nicht nur wegen Platz acht war 2015 ein deutlicher Rückschritt erkennbar, auch wenn man sich im Viertelfinale gegen den späteren Vizemeister Bremerhaven kräftig reinhängte. Vier Niederlagen in vier Spielen, das klingt vernichtend, aber drei der Partien wurden in Overtime und die vierte durch ein Empty-Net-Goal in der letzten Spielminute entschieden. 2016 wieder eine Parallele (oder gleich zwei): wieder Platz acht in der Punkterunde und wieder Schluss in Viertelfinale gegen den späteren Vizemeister, diesmal die altbekannten Steelers. Mit Wade MacLeod und C.J. Stretch hatte man das bisher letzte Traum-Legionärs-Duo im Sturm.

Abstieg 2017 als Konsequenz vieler Verletzungen

Als man nach dem Aus gegen Bietigheim mit dem Schicksal haderte, konnte man nicht ahnen, dass die kommende Saison schlichtweg ungenügende Leistungen bringen würden – und das Ende der Zugehörigkeit zur DEL2! Diesmal hatte Steer sein glückliches Händchen bei der Kontingentspieler-Auswahl verlassen, und die neuen Legionäre Scofield, Gibson und Burt kamen nicht annähernd an die Leistungen ihrer Vorgänger heran. Und weil auch McNeely für seine Verhältnisse schwächelte, bis zu neun Stammspieler wochenlang ausfielen und für Schlüsselspieler wie Michael Baindl oder Peter Lindlbauer die Saison schon Monate vor dem Play-off beendet war, rutschte man ins Desaster. Trotz Heimrechts in den Playdown-Serien gegen Heilbronn und Crimmitschau gingen beide mit jeweils 2:4 Spielen verloren. Im Abstiegs-Finale gegen die Sachsen war Steer schon nicht mehr an Bord; DNL-Coach Tom Schädler versuchte sein Bestes, vergebens.

Der Abstieg aus der DEL 2 am 7. April 2017: Tyler Scofield (vorne mit Goldhelm) und seine Mitspieler sind maßlos enttäuscht.

Nur neun Spieler aus dem Abstiegskader blieben

Ein erneuter gravierender Umbruch war fällig. Nur neun Spieler aus dem Abstiegskader blieben, Manuel Kofler agierte nun hinter der Bande, fünf gestandene Ex-Rosenheimer (Draxinger, Bergmann, Fröhlich, Zick, Bucheli) kamen zurück, und man ging eigentlich als einer der Favoriten auf den Aufstieg ins erste Oberliga-Jahr. Als Süd-Zweiter ging man ins Play-off gegen den Norden, scheiterte aber im Viertelfinale an den Hannover Scorpions. Das gleiche Schicksal erlitt man im folgenden Jahr; wieder waren die Scorpions Endstation, für die Starbulls – und diesmal auch für Manuel Kofler, der anschließend durch John Sicinski ersetzt wurde.

Gravierende Auswärtsschwäche vor Corona

Aller guten Dinge sind drei? Dann hätten Baindl & Co. vergangene Saison die Rückkehr in die DEL2 schaffen müssen. Was diesmal ein erfolgreicheres Abschneiden als Rang fünf verhinderte, war neben einem wieder steigenden Verletzungspech vor allem eine gravierende Auswärtsschwäche, besonders in der Süd-Meisterrunde. Dem gegenüber standen die Leistungen auf eigenem Eis, wo die Starbulls das Maß aller Dinge waren. Dann aber kam statt einer Play-off-Serie gegen die Hannover Indians der Lockdown wegen Corona und beendete vorerst die 20 Jahre andauernde Odyssee der Starbulls Rosenheim zwischen Berchtesgaden und Bremerhaven.

1048 Pflichtspiele, 3964 Tore und 77 verschiedene Gegner

Die Starbulls haben in vier Jahren im BEV-Bereich (Bezirksliga, Landesliga, Bayernliga), neun Jahren Oberliga und sieben Jahren Zweite Bundesliga beziehungsweise DEL2 insgesamt 896 Spiele in der „Regular Season“ (Vorrunde, Meisterrunde) sowie weitere 152 Partien im Play-off-Format (Play-off, Pre-Playoff, Play-down) bestritten, insgesamt also 1048, von denen 602 gewonnen wurden und 442 verloren gingen. In der Bayernliga gab es dazu noch vier Remis. 

39 Play-off oder Play-down-Spiele

Insgesamt 39 Play-off- oder Play-down-Serien standen an in dieser Zeit. 23 davon sahen die Starbulls als Sieger,16 den Gegner. Das Gesamt-Torverhältnis ist stark positiv. 3964 Treffer erzielten die Starbulls, 3106 ließen sie zu (Schnitt pro Spiel: 3,79:2,97). 240 verschiedene Stürmer und Verteidiger sowie 22 Torhüter trugen dazu bei, wobei 37 Skater und sechs Goalies weniger als zehn Spiele bestritten. 

Nur sieben verschiedene Trainer in 20 Jahren

Mit Gerhard Graf, Franz Fritzmeier, Ron Chyzowski, Markus Berwanger, Franz Steer, Manuel Kofler und John Sicinski leiteten nur sieben Trainer die Geschicke von der Bande aus. Franz Steer war mit über neun Jahren fast die Hälfte dieser Zeit und für 54 Prozent aller Spiele verantwortlich. DNL-Trainer Tom Schädler und Stürmer Ryan Smith coachten zwischendurch in sechs beziehungsweise vier Spielen interimsmäßig. Insgesamt 77 verschiedene Gegner konnte man im Lauf der 20 Jahre begrüßen, 44 im DEB- und 28 im BEV-Bereich. Mit weiteren fünf Klubs (Landsberg, Waldkraiburg, Sonthofen, München, Memmingen) hatte man es in beiden Bereichen zu tun. Die häufigsten Duelle gab es gegen Heilbronn (54), Kaufbeuren (50) und Riessersee (49). Bietigheim (48), Ravensburg (47), Peiting (45) und Landshut (44) forderten die Starbulls ebenfalls öfter als 40-mal heraus.

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