20 Jahre Starbulls Rosenheim: Die Anfänge und sieben Monate zwischen DEL und Bezirksliga

Die erste Mannschaft: Mit vielen Jungspunden und etlichen mit Meistertiteln dekorierten Altstars starten die Starbulls in die Bezirksliga.Trux (3), Ruprecht
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Die erste Mannschaft: Mit vielen Jungspunden und etlichen mit Meistertiteln dekorierten Altstars starten die Starbulls in die Bezirksliga.

Seit 20 Jahren gibt es die Starbulls Rosenheim. Von der untersten Eishockey-Liga ging es hinauf bis ins Finale der DEL2 und zum Sieg im DEB-Pokal. Diese 20 Jahre liefern auch jede Menge Geschichten mit Höhen und Tiefen, Kuriositäten und besonderen Persönlichkeiten. Dazu gehören auch schon die Anfänge im Jahr 2000.

Rosenheim –Nicht nur wegen des Wechsels in ein neues Jahrtausend war 2000 schon ein ganz besonderes Jahr: Deutschland erhält den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, der TSV 1860 München feiert den zweiten Derby-Sieg in einer Saison gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund entrinnt mit Teamchef Udo Lattek dem Abstieg.

Die Rosenheim Cops starten im Jahr 2000

Der designierte Fußball-Bundestrainer Christoph Daum wird des Kokainkonsums überführt, Stefan Raab vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest und beim ZDF wird der Drehbeginn einer neuen Vorabend-Serie verkündet: die „Rosenheim-Cops“. Korbinian Hofer, Michi Mohr und Miriam Stockl lösen damit das Eishockey als deutschlandweites Rosenheimer Prestige-Produkt ab. Letzteres hat sich nämlich aus dem Rampenlicht verabschiedet. Von der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bis runter in die Bezirksliga in knapp sieben Monaten – die Chronologie von Hoffen und Bangen, von bitteren Enttäuschungen und neuentflammter Euphorie:

Die Abschiedsrunde: Die Star Bulls gewinnen ihr letztes DEL-Heimspiel gegen die Eisbären Berlin mit 7:3 und sagen den Rosenheimer Fans „Servus“.

Das letzte DEL-Spiel: 7:2-Sieg gegen die Eisbären Berlin

9. April:Im letzten Heimspiel der DEL-Saison besiegen die Star Bulls Rosenheim die Eisbären Berlin mit 7:3. Abschiedsstimmung kreist durch das Oval des Eisstadions – nicht nur, weil mit Gordon Sherven und Mondi Hilger zwei verdiente Spieler verabschiedet wurden. Der damalige Geschäftsführer Peter Lutz spricht von einer „Deckungslücke von zwei Millionen Euro“.

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11. April:Das letzte Rosenheimer Eishockeyspiel in der höchsten Liga endet mit einer 1:7-Niederlage in Nürnberg. Das letzte Rosenheimer Tor erzielt der Schwede Niklas Brännström. Die Star Bulls stehen nach 68 Spielen mit 90 Punkten auf dem vierten Platz der Abstiegsrunde. Gerüchten zufolge interessiert sich Hamburg für die Rosenheimer DEL-Lizenz.

Müssen die Star Bulls in die Landesliga?

15. April:Das Oberbayerische Volksblatt (OVB) titelt: „Müssen Star Bulls in die Landesliga?“ In dem Artikel heißt es: „Oberliga, das ist nicht!“ Der damalige Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, sagt: „Rosenheim hat sich sportlich für keine DEB-Liga qualifiziert und muss daher im Landesverband anfangen.“

10. Mai:In einer Pressekonferenz erklären die Verantwortlichen der Star Bulls, dass weiter Mittel für eine Fortsetzung des Spielbetriebs in der DEL fehlen.

Wilhelm Graue, später auch für viele Jahre 1. Vorstand der Starbulls, präsentiert das handgeschriebene Original-Protokoll der Gründungsversammlung vom 23. Mai.

23. Mai: Es gibt einen neuen Verein in Rosenheim. Im handschriftlich aufgesetzten Original-Protokoll der Gründungsversammlung im Sparkassen-Hochhaus heißt es: „Heute am 23. Mai 2000 erschienen in Rosenheim die Herren Raimond Hilger, Richard Diebald, Thomas Seidl, Peter Grubauer, Andreas Peter, Josef Schlosser, Wilhelm Graue, Siegfried Bernegger, Maximilian Gaar, Ingo Dieckmann, Heinz Pohl und Günther Hanselko. Die vorgenannten Personen erklären, einen Verein gründen zu wollen.“

30. Mai:Das OVB verkündet: „Es geht weiter: Eishockey jetzt in der Landesliga“. Im Bericht heißt es: „Die Star Bulls GmbH ist tot, es lebe der Starbulls e.V.“ Mondi Hilger hat den Neuanfang des Rosenheimer Eishockeys initiiert. „Mir würde das Herz bluten, wenn alles den Bach runtergeht“, so Hilger. Geplant wird mit einem 500000-Mark-Etat, wovon nur ein Fünftel für die erste Mannschaft bereitsteht. Das sportliche Ziel ist auf vier Jahre ausgerichtet, am Ende soll dann die Oberliga stehen.

26. Juni:Hilger ist auch mit der Zusammenstellung der Mannschaft beauftragt. Es wird mit 14 Spielern aus den eigenen Junioren geplant, dazu schnüren bekannte Namen die Schlittschuhe: Wacki Kretschmer, Toni Maidl, natürlich Mondi Hilger oder auch Jürgen „Bogo“ Lechl. Erster Trainer wird Gerhard Graf, der zugleich auch die Junioren in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) trainiert. Die Rosenheimer Nachwuchsteams dürfen nämlich in den bisherigen Spielklassen antreten.

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11. Juli:Der nächste Tiefschlag: Rosenheim soll ganz runter, in die Bezirksliga. Bei einer Versammlung der bayerischen Eishockey-Funktionäre wurde der Antrag von Rosenheim und Landsberg auf Eingliederung in die Landesliga nicht einmal in die Tagesordnung aufgenommen. Mondi Hilger droht: „In der Bezirksliga spielen wir nicht. In dieser Klasse können sogar die Stadtwerke Rosenheim eine tragende Rolle spielen.“

17. Juli:Hamburg war längst aus dem Rennen, jetzt wird die DEL-Lizenz der Star Bulls nach Iserlohn vergeben.

18. Juli:Ein Hoffnungsschimmer: Bei einer Funktionärssitzung in München wird Rosenheim eine Chance auf die Teilnahme an der Regionalliga (damalige Spielklasse zwischen Ober- und Bayernliga) offeriert. „Stand es vor der Sitzung 0:5 gegen uns, so steht es jetzt unentschieden“, verkündet Hilger.

28. Juli:Der Antrag der Starbulls für eine Regionalliga-Eingliederung wird abgelehnt. Für Hilger keine Überraschung: „Ich habe mit keiner anderen Entscheidung gerechnet. Dafür kenne ich den DEB zu gut.“

12. August:Nun geht es um die Landesliga. Die entscheidende Tagung steht an: „Die Rosenheimer Verantwortlichen hoffen auf die Vernunft der Funktionäre. Doch kann man sich der Sache nicht sicher sein“, heißt es im OVB.

Kämpfer für das Rosenheimer Eishockey: Mondi Hilger spricht auf der Fanversammlung.

14. August:Der Antrag für die Landesliga wird abgeschmettert, das Ergebnis lautet 28:43 aus Rosenheimer Sicht. Mondi Hilger schimpft, er habe sich in einer Proletenversammlung, umgeben von lauter Dummköpfen, befunden. „Mir wurde bewusst, dass die größten Krankheiten in unserer Gesellschaft Neid und Schadenfreude sind“, schimpft der langjährige Nationalspieler. Hilger lässt sich aber nicht entmutigen und verkündet deshalb: „Jetzt erst recht!“ Aber halt in der Bezirksliga, der siebten Spielklasse.

17. August:Bei einer Versammlung in der Eishockey-Gaststätte wird Hilger von über 300 Fans mit frenetischem Beifall empfangen. Die Fans erkennen den Kampf des Urgesteins ums Rosenheimer Eishockey an – und sichern ihre Unterstützung zu.

Rosenheimer 5:3-Sieg im ersten Testspiel gegen  Miesbach

9. September:Das erste Testspiel: Die Starbulls besiegen den drei Klassen höher angesiedelten TEV Miesbach mit 5:3, das erste Tor fällt nach 31 Sekunden – durch Mondi Hilger. 910 Zuschauer sind ins Rosenheimer Eisstadion gekommen, das OVB titelt: „Starbulls gewinnen Spiel und Zuneigung der Fans.“

September/Oktober:Es gibt weitere Testspielsiege: 4:2 gegen Landsberg, 9:3 in Waldkraiburg, 21:0 gegen Wattens, 14:2 gegen Trostberg, das zwei Klassen höher spielt. Die einzige Niederlage in elf Vorbereitungsspielen kassiert man in Miesbach. Und am Rande der Partien setzt man über 600 Dauerkarten ab.

28. Oktober:Das erste Punktspiel steht beim TEV Miesbach 1b auf dem Plan. Am Ende gibt es ein Schützenfest mit 18:3. Nach sechs Minuten und zehn Sekunden gelingt Stefan Rohm der erste Treffer. Später erzielt Hilger sechs Tore, Vitus Mitterfellner trifft fünf Mal. Weil unter den 786 Zuschauern über 700 aus Rosenheim kommen, müssen die Starbulls-Spieler gleich drei Mal aus der Kabine kommen und Ehrenrunden drehen.

22:0-Sieg gegen Berchtesgaden vor über 3000 Zuschauern

4. November:Das erste Punktspiel vor heimischer Kulisse steht bevor, Gegner ist der EV Berchtesgaden: „Zu dem Match erwarten die Starbulls-Verantwortlichen rund 1500 Zuschauer“, heißt es in der OVB-Vorschau auf die Partie.

5. November:Erneut haben die Starbulls ein Schützenfest veranstaltet: Die Rosenheimer gewinnen mit 22:0, wieder erzielt Mitterfellner fünf Treffer. Das Spiel beginnt eine halbe Stunde später als geplant, weil die Zuschauer in Scharen um Karten anstehen. Am Ende kommen über 3000 Fans – mehr als in den DEL-Heimspielen der Abstiegsrunde.

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