Vom Jäger zum Gejagten

Die Eigengewächse Max Renner (links) und Fabian Zick, beide Torschützen beim Derbysieg gegen Landshut, wollen mit den Starbulls die Tabellenführung verteidigen.  Foto  Ziegler
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Die Eigengewächse Max Renner (links) und Fabian Zick, beide Torschützen beim Derbysieg gegen Landshut, wollen mit den Starbulls die Tabellenführung verteidigen. Foto Ziegler

Das haben die Starbulls nun davon: Nach dem Derbysieg gegen Landshut eroberten die Rosenheimer Eishockeyspieler in der DEL 2 die Tabellenführung, die sie durch den 3:2-Sieg in Heilbronn auch noch verteidigten. Die Folge: Vom Jäger werden die Rosenheimer nun zum Gejagten und müssen sich bereits heute, Donnerstag, 20 Uhr, in Ravensburg und am Samstag (!), 19.30 Uhr, im Heimspiel gegen Riessersee ihrer Haut erwehren.

Nur gut, dass die Starbulls einen ausgesprochenen Jagdspezialisten in ihren Reihen haben. Franz Steer ist passionierter Jäger und kennt alle Tricks. Er weiß, wie man Beute macht, er weiß aber auch, wie schwer es manchmal ist, den "Blattschuss" zu setzen.

In Deutschland gibt es mehr als 300 000 Männer und Frauen, die auf die Jagd gehen, am heutigen Donnerstag und am Samstag kommen noch einmal rund 40 (Eishockey-)Jäger aus Ravensburg und Riessersee dazu, die den Tabellenführer zur Strecke bringen wollen. Jetzt liegt es an den Starbulls, ihre Gegner auf die falsche Fährte zu locken. Wie man das macht, erklärt Franz Steer: "Da gibt es kein großes Geheimnis. Als Gejagter darf man selbst keine Fehler machen, man muss die Augen offen halten und auf Fehler des Jägers warten." Steer weiß natürlich auch, dass es schwierig ist, die Spitzenposition zu verteidigen: "Es ist leicht, ein Geschäft aufzumachen, aber es ist schwierig, es zu erhalten."

Rosenheims Coach ist sich bewusst, dass er sich heute mit seinem Team auf gefährliches Terrain begibt, denn Ravensburg ist nach dem EV Landshut die heimstärkste Mannschaft der Liga. Von sieben Heimspielen haben die Ravensburger sechs gewonnen - nur das erste gegen Bad Nauheim ging verloren. Allerdings erwarten die Ravensburger mit Rosenheim das auswärtsstärkste Team der Liga, denn die Starbulls gehen im fremden Revier besonders gerne auf Punktejagd. In acht Auswärtsspielen landeten die Steer-Schützlinge fünf Siege und gingen nur einmal leer aus - beim 2:4 in Landshut.

Steer: "Wir spielen alles andere als unfair"

Heute heißt es allerdings nicht nur bestes Heimteam gegen stärkste Auswärtsmannschaft oder Tabellenführer gegen den Tabellenvierten, sondern es stehen sich auch die beiden Teams mit den meisten Strafminuten gegenüber. "Wie wir zu dieser zweifelhaften Ehre kommen, ist mir allerdings ein Rätsel, denn wir spielen alles andere als unfair", erklärte Franz Steer. Bei den 299 Strafminuten, die zum vorletzten Platz in der Strafzeitenstatistk führen, wirken sich natürlich auch die vielen großen Strafen aus, die teilweise unglücklich zustande kamen, beziehungsweise nicht berechtigt waren. Prügeleien am laufenden Band erwartet Steer für heute allerdings nicht, "ein sehr intensives Spiel allerdings schon".

Bei Ravensburg fällt der zweitbeste Skorer Brian Maloney aus, der beim letzten Match in Weißwasser seine dritte Disziplinarstrafe erhielt. Was bedeutet das für die Starbulls? "Dass Ravensburg weniger Strafzeiten kassiert", antwortet Steer. Der verlässt sich lieber auf die Stärke seines Teams im Spiel fünf gegen fünf: "Da haben wir bisher sehr gut gespielt und auch viele Tore erzielt".

Der Rosenheimer Coach kann vermutlich wieder auf Maxi Hofbauer zurückgreifen, bei Shawn Weller und Kim Staal will der Starbulls-Coach aber kein unnötiges Risiko eingehen: "Wir stehen nicht unter Zugzwang, wir haben keine Play-off-Zeit, also warum soll ich etwas riskieren. Zu verschenken haben wir allerdings auch nichts."

Vor allem nicht im Heimspiel-Derby am Samstag gegen Riessersee, aktuell neben den Starbulls die "Mannschaft der Stunde". Aus den letzten vier Spielen holten die Garmischer die volle Punktzahl (12) und haben sich damit auf den 6. Platz mit 24 Punkten vorgearbeitet. Da dürfen sich die Rosenheimer Eishockeyfans auf ein weiteres brisantes Derby gegen eine Mannschaft freuen, die laut Steer "offensiv hervorragend besetzt ist und einen ganz starken Keeper hat."

Weil die Starbulls zumindest heute nicht Jäger, sondern Gejagter sind, können den Bock eigentlich nur Ravensburg und/oder Riessersee schießen. Dieser Bock - ein Holzgestell auf vier Beinen - war früher der Trostpreis für den schlechtesten Schützen bei Jagdwettbewerben... bz

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