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Für Ski-Star Romed Baumann war WM-Silber die Bestätigung: „Eingeschlagener Weg war richtig“

Romed Baumann präsentiert stolz seine Silbermedaille, die er bei der WM im Super-G gewonnen hat.
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Romed Baumann präsentiert stolz seine Silbermedaille, die er bei der WM im Super-G gewonnen hat.

Romed Baumann sorgte mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der Ski-WM in Cortina D’Ampezzo für einen sensationellen Auftakt des DSV. Nach seiner Rückkehr nach Kiefersfelden sprach die OVB-Sportredaktion mit dem 35-jährigen gebürtigen Österreicher.

Kiefersfelden – Romed Baumann wurde mehrfacher Junioren-Weltmeister, startete für Österreich bei den Olympischen Spielen in Vancouver (5. Platz im Riesenslalom) und holte für den ÖSV auch zwei WM-Medaillen ehe er 2019 zum Deutschen Skiverband wechselte und WM-Silber bei der Ski-WM in Cortina D’Ampezzo holte.

Herr Baumann, wie fühlen Sie sich nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM im Super-G.

Romed Baumann: Ich bin sehr zufrieden. Meine Formkurve stimmte und an diesem Tag passte einfach alles zusammen. Ich fühlte mich bestätigt, dass der Weg, den ich eingeschlagen habe, der Richtige war.

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Wie kam es zu dem Wechsel vom Österreichischen zum Deutschen Skiverband?

Baumann: Beim ÖSV wäre meine Karriere wohl mehr oder weniger beendet gewesen. Da stand das Thema des Nationenwechsels im Raum, ungewiss war aber dabei noch, ob ich meine Weltcup-Punkte und meine Startplätze zum DSV mitnehmen konnte.

Nach positivem Feedback vom DSV habe ich alles auf eine Karte gesetzt und bin gewechselt. Dort hat mich ein ganz anderes Umfeld erwartet, ich habe mich zielgerichteter gefördert gesehen. Hinzu kam, dass ich wieder mit meinem ehemaligen Abfahrtstrainer Andi Evers zusammenarbeiten konnte, denn mit ihm hatte ich meine erfolgreichste Zeit.

Alles zusammen hat mich zusätzlich motiviert, sodass ich schnell wieder den Anschluss zur Weltspitze herstellen konnte. An dieser Stelle möchte mich noch bei der Bayerischen Staatsregierung, dem Landratsamt in Rosenheim und letztlich auch bei der CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig bedanken, die mich alle bei der Einbürgerung nach besten Kräften unterstützt haben.

Sie sind der erste Skirennläufer der Nachkriegsgeschichte, der zwei WM-Medaillen für zwei verschiedene Nationen geholt hat. Trotzdem gab es auch kritische Stimmen?

Baumann: Ich habe wegen meines Nationenwechsels auch Anfeindungen erlebt und teils sehr kritische Stimmen gehört. Aber mein familiäres und sportliches Umfeld hat meine Entscheidung akzeptiert und sogar gefördert.

Den Fernsehzuschauern stockte der Atem, als Sie bei der WM-Abfahrt, die Sie auf einem guten 14. Platz beendeten, unter die Zielraumbegrenzung rutschten. Ihre Gedanken nach diesem Sturz?

Baumann: Ich bin da schon mit 60 bis 80 km/h unter die Abgrenzung gerauscht. Nach einem kurzen Moment des Schocks habe ich die Augen aufgemacht und Blut gesehen und geschmeckt. Nach meinem kurzen HNO-Check (Zähne, Nase) ging es mir schon etwas besser, zumal sich zwischenzeitlich auch der Rettungstrupp zu mir vorgearbeitet hatte.

Als Sie dann nach einer Ewigkeit, so schien es zumindest, aus dieser Misere befreit worden waren, woran haben Sie als Erstes gedacht?

Baumann: Natürlich an meine Familie daheim in Kiefersfelden. Dann habe ich geschaut, wo eine Fernsehkamera steht, damit ich ein positives Zeichen geben kann, was ja auch geklappt hat.

Wie schwer sind die Verletzungen?

Baumann: Nach dem sofortigen Gesundheitscheck vor Ort durch den Notarzt bin ich ins Krankenhaus gefahren und gleich an der Naseninnenwand genäht worden. Durch die Aufnahmen des CT und MRT wurde auch noch eine Gehirnerschütterung festgestellt, dazu kamen diverse Hautabschürfungen und Prellungen.

Wie geht es sportlich weiter?

Baumann: Ich mache jetzt erst mal Pause und dann bereite ich mich auf die Weltcup-Rennen in Saalbach-Hinterglemm Anfang März sowie das Weltcup-Finale in Lenzerheide Mitte März vor. Und da hoffe ich auf ein gutes Abschneiden.

Was empfehlen Sie jungen Nachwuchssportlern, die es Ihnen gleich tun wollen?

Baumann: Ich würde alles wieder so machen und bereue keinen Schritt. Skifahren ist nicht nur mein Hobby, sondern und auch eine gute Schule fürs Leben. Es ist gut, wenn junge Menschen sportlichen Ehrgeiz zeigen, egal in welcher Sportart, und ich kann das nur unterstützen.

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Seit wann kennen Sie ihre Frau und wie gefällt es Ihnen in Kiefersfelden?

Baumann: Wir haben uns im Jahr 2003 bei der Jugendolympiade in Bled (Slowenien) kennengelernt. Über unseren gemeinsamen Trainer haben wir Kontakt gehalten und zwei Jahre später ist es ernst geworden, wir sind zusammen geblieben – bis heute.

Wir haben zwei Mädchen zusammen, Elisabeth und die Magdalena und am 1. April („kein Scherz“, sagt seine Frau Vroni) geheiratet. Wir wohnen seitdem in der Kiefer und fühlen uns sehr wohl. Hier werde ich mehr als Mensch wahrgenommen und nicht nur als Sportler.

Sie wurden „Sieger der Herzen“ genannt. Was bedeutet das für Sie?

Baumann: Da habe ich gemerkt, wie viele Menschen sich für mich interessiert, mit mir gefühlt, gezittert und sich letztlich auch gefreut haben. Über das selbst gemachte Empfangsschild in unserer Straße habe ich mich sehr gefreut, das ist richtig an mich gegangen.

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