Breit gefächerter Spitzensport

WSV Kiefersfelden: In vier Sportarten mit Athleten im Weltcup vertreten

Pius Paschke hat sich im Weltcup der Skispringer etabliert.
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Pius Paschke hat sich im Weltcup der Skispringer etabliert.

Spitzensport ist ohne Unterstützung nicht möglich. Der Wintersportverein Kiefersfelden, der seit 91 Jahren besteht und damit auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, leistet hier einen wichtigen Beitrag. Gleich in vier Sportarten ist der Verein mit Athleten in Wintersport-Weltcups vertreten.

Kiefersfelden – Der WSV Kiefersfelden ist zwar ein Verein für den Breitensport, bringt aber auch immer wieder Spitzensportler hervor. Die derzeitigen Athleten, die im Weltcup starten, sind Romed Baumann (Ski alpin), Pius Paschke (Spezialspringen), Jakob Lange (Nordische Kombination) und Anna Weidel (Biathlon). Darüber hinaus ist Till Strohmeyer (Snowboard Freestyle) mit hervorragenden nationalen und internationalen Platzierungen als bedeutender Nachwuchsathlet zu nennen. Auch die WSV-Nachwuchs-Skispringer, allen voran Christina Feicht, machen auf sich aufmerksam.

Kombinierer Jakob Lange hat sich nach langer Verletzungspause wieder zurückgekämpft.

Pionierarbeit war gefragt

Die Anfänge im Wintersport waren Pionierarbeit. Einer der Gründerväter ist Georg Gfäller (1895 - 1976), der 1947 einen Skibob entwickelte, der 1950 auf den Markt kam und der heute als der Vorläufer der Sportgeräte für den Bobsport gilt. Gfäller, der sich den Skibob als Patent eintragen ließ, war sportlich selbst sehr aktiv, in den Bergen und auf Pisten unterwegs und war zudem ein guter Leichtathlet. Sein Sohn Georg Gfäller junior (1923 - 1986) begründete den organisierten Skibobsport und war 1961 Gründungspräsident der Fédération Internationale de Skibob (FISB), des internationalen Skibobverbandes.

Bergsteigen als Initialzündung für Vereinsgründung

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Wintersport immer mehr Freunde zu gewinnen. So wurde 1929 die Idee geboren, einen Verein zu gründen, in dem die sportlichen Aktivitäten koordiniert werden können. Die bisherigen Einzelgänger schlossen sich zusammen. Neben Georg Gfäller zählten Sepp Berndl, Friedl Sterr, Martin Hupf, Schorsch Steigenberger, Sepp Steigenberger, Fred Steiner, Josef Schedlbauer senior, Sepp Schreyer, Alois Brandl und Paul Hausbacher zu den Gründungsvätern des Berg- und Wintersportvereins Kiefersfelden. Die Sommer- und Winterbergsteigerei nahm dadurch einen gewaltigen Aufschwung, Klettergruppen bildeten sich, und bald stand die Jugend im sportlichen Wettkampf. Die ersten Anfänge waren naturgemäß noch sehr bescheiden, berechtigen aber schon zur Hoffnung auf schöne Erfolge. Diese aber wiederum waren nur durch die Schaffung von geeignetem Übungsgelände und der Errichtung von Sportanlagen zu erreichen.

Routinier Romed Baumann überzeugte im alpinen Ski-Weltcup mit Top-Ten-Plätzen.

Der Geist dieser sportfreudigen Organisation hat die Enge des inneren Vereinslebens längst gesprengt und deshalb ist der WSV seit vielen Jahren in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht ein anerkannter Faktor in der ganzen Gemeinde. „Zweck und Ziel des Vereins soll sein, die Berg- und Schitouristik zu fördern und die Technik des Schilaufs zu verbessern. Die Jugend soll zum sportlichen Schilauf herangezogen werden“, heißt es in der Vereinschronik. Dort steht weiter: „1932 wurde von Architekt Fuchs, der vorübergehend in Kiefersfelden wohnte, der erste Plan für den Sprunghügel entworfen. Auf gut Glück wurde ein ,Hupfer‘ gebaut, wobei das vorhandene Gelände recht und schlecht ausgenützt wurde. Der Erfolg war natürlich nicht sehr begeisternd, ebenso wenig die erzielten Sprungweiten anlässlich eines Probespringens, die zwischen 20 und 30 Metern schwankten, später aber auf 40 bis 50 Meter verbessert werden konnten.“

Viele Meisterschaften ausgetragen

Ab 1950 wurden zahlreiche Meisterschaften abgehalten, auch überregionale. Der WSV Kiefersfelden hatte sich schon damals einen Namen gemacht. Der Winter 1950/51 begann mit weit über ein Dutzend Veranstaltungen, die alle reibungslos abgewickelt werden konnten. Als außergewöhnlich ist festzuhalten: Der von Architekt Reiss-Schmidt erdachte und von der Firma Georg Gfäller konstruierte neue Skibob wurde erstmals als Sportgerät erprobt und das erste Skibob-Rennen in der Geschichte des Wintersports am 28. Januar 1951 durchgeführt. 1951 begannen auch die Eissportschützen, die gleich regen Zulauf hatten.

Biathletin Anna Weidel durfte in Oberhof im Weltcup ran.

Das Jahr 1954 war von besonderer Bedeutung für den WSV, denn am 16/17. Januar wurde mit sehr guter Beteiligung die Nordische Inngau-Meisterschaft durchgeführt, die als voller Erfolg gewertet werden konnte. In den Folgejahren war der WSV immer wieder Ausrichter von Meisterschaften und bedeutenden Wettkämpfen in vielen Kategorien. Der Verein hatte sich in der Wintersport-Landschaft etabliert. Auch wenn die Winter in den letzten Jahren immer wärmer werden, betreibt der WSV Kiefersfelden seit Dezember 1959 einen kleinen Skilift am Mesnerhang. Im Januar 2019 konnte die Talstation Mesnerhang eingeweiht werden, die überwiegend als Lagerfläche dient.

Angebote über die Jahre ausgebaut

Heute zählt der Verein etwa 830 Mitglieder, und ist somit der zweitgrößte Verein in Kiefersfelden. Die Angebote des Vereins konnten über die Jahre hinweg ausgebaut, heute gibt es auch Damengymnastik, Rückenschulung, Seniorengymnastik, die Gymnastik „Fit in und durch den Winter“, Dance Fitness, Dance Kids, Eltern-Kind-Turnen und Nordic Walking. „Jeder, der sich körperlich fit halten will, findet beim WSV Kiefersfelden eine Möglichkeit“, sagt 1. Vorstand Bernhard Holzner, seit gut zwei Jahren im Amt. Vor allem aber unterstützt der Verein seine Mitglieder. Holzner: „Die Förderung beginnt bei der Erstattung von Startgebühren und teilweiser Unterstützung bei Materialbeschaffung und endet bei der Unterstützung zur Trainerausbildung. Die Kosten werden durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuschüsse finanziert. Die motivierten Trainer und Übungsleiter arbeiten alle ehrenamtlich.“ Der Vorsitzende sagt: „Der WSV lebt von seinen Mitgliedern und für seine Mitglieder.“

Weltcup-Starter als Vorbilder für Nachwuchs

Der WSV ist sowohl im Biathlon als auch im Skisprung als DSV-Talentpunkt ausgezeichnet. Talente werden durch die ehrenamtlichen Trainer bei den Übungseinheiten erkannt und entsprechend gefördert. Aber im Mittelpunkt steht natürlich der Breitensport. „Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendliche, die zu uns kommen, Begeisterung und Freude am Sport mitbringen. Und dass die Kinder von ihren Eltern unterstützt werden“, sagt Holzner. Wer Talent hat und weiterkommen möchte, erhält im Verein die Unterstützung und Förderung. Dafür gibt es durch die vielen Weltcup-Starter auch zahlreiche Vorbilder.

Natürlich ist die Corona-Pandemie auch am WSV Kiefersfelden nicht spurlos vorbei gegangen. Übungseinheiten konnten aufgrund der Kontaktsperre nicht stattfinden, es gibt auch ein paar Vereinsaustritte zu verschmerzen. Aber der Verein hat sich über Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht und zählt im Wintersport zu den guten Adressen gehört – und das dürfte dann auch für die Zukunft helfen!

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