2. Volleyball-Bundesliga

Immenser Druck aus dem Hinterfeld: TSV Mühldorf spielt beim 3:0 in Dresden wie entfesselt auf

Er kann aus allen Lagen schlagen: Mühldorfs Außenannahmespieler Zied Chalghmi (links) schaffte es immer wieder, den Block – im Bild Zuspieler Marc Leon Vogt und Mittelblocker Sebastian Rösler – geschickt anzuschlagen.
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Er kann aus allen Lagen schlagen: Mühldorfs Außenannahmespieler Zied Chalghmi (links) schaffte es immer wieder, den Block – im Bild Zuspieler Marc Leon Vogt und Mittelblocker Sebastian Rösler – geschickt anzuschlagen.
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Dritter Sieg in Folge: Die Innstädter klettern in der 2. Bundesliga mit 20 Punkten auf dem Konto auf Rang fünf vor. Außenangreifer Zied Chalghmi zeigt sich souverän am Netz und heimst zurecht den Titel des wertvollsten Mühldorfer Spielers ein.

Von Josef Enzinger

Mühldorf – Er schlägt in Rückenlage, aus dem Hinterfeld, geschickt gegen den Block oder mit voller Härte: Es war der Tag des Zied Chalghmi. Quasi aus allen Lagen punktete der Mühldorfer Außenannahmespieler im Auswärtsspiel gegen den Dentalservice Gust VC Dresden. Zurecht wurde der Mühldorfer Neuzugang nach dem klaren 3:0-Sieg dann auch vom gegnerischen Trainer Niklas Peisl zum wertvollsten Spieler, zum MVP, dieses elften Spiels der Mühldorfer in der 2. Bundesliga gewählt. In einer Liga, in der die Mühldorf allmählich zum Gesprächsthema werden. Denn: Die unorthodoxen Angriffe der Innstädter sprechen sich tatsächlich rum.

Kein Einbruch, keine Schwächephase: Mühldorf ist in der 2. Liga angekommen

Zu 22, zu 19 und wieder zu 19: Am Ende stand es 3:0 für den TSV Mühldorf. Was sich auf dem Papier als klare Sache herausstellt, war harte, konzentrierte Arbeit, für die am Samstagabend in der Turnhalle in Dresden Sepp Wolf verantwortlich war. Er ersetzte an diesem Tag Trainer Michi Mayer, hatte das Team optimal auf den groß gewachsenen Gegner von der Elbflorenz vorbereitet. „Das war die bisher beste Saisonleistung“, adelte der exzellente Analytiker im Stab des TSV die Leistung der Innstädter. „Wir waren taktisch und mental saustark. Insgesamt zeigte die Mannschaft über die gesamte Dauer der Partie hinweg eine geschlossene Leistung.“ Kein Einbruch, keine Schwächephase – Zuspieler Alex Brandstetter verteilte die Bälle, basierend auf eine starke Annahme, nach Belieben. Zu großem Teil auch ins Hinterfeld – die große Waffe der Mühldorfer.

Die Punkte passieren hinter der Drei-Meter-Linie

Fabian Bartsch und Tom Brandstetter beherrschen die Angriffe hinter der Drei-Meter-Linie in Perfektion, hatten in den zurückliegenden Spielen damit die Gegner schon zur Verzweiflung gebracht. Doch diesmal reihte sich eben auch Zied Chalghmi in die Reihe der Vollstrecker ein. Dresden wusste zu keinem Zeitpunkt der Partie, darauf die richtige Antwort zu liefern. „Wir haben nicht die größten Spieler, uns fehlt damit die Reichweite, also müssen wir das über die Hinterfeldangriffe kompensieren. Das klappt von Spiel zu Spiel besser“, adelt auch Sepp Wolf das Spiel der Mühldorfer, die nur zu Beginn der Partie kleine Schwächen gezeigt haben.

Der Start war etwas holprig – aber Sepp Wolf bringt die Jungs in die Spur

0:4 stand es im ersten Satz, als Wolf die Jungs zur ersten Auszeit zu sich zitiert hatte. Danach hatten sich die Mühldorfer gefangen. Bei der ersten technischen Halbzeit hatte der TSV auf 6:8 verkürzt, bei der nächste lagen die Bayern bereits mit 16:15 vorne. Es blieb ein offener Schlagabtausch mit leichten Vorteilen auf der Seite des Gastgebers (21:18). Mit der Einwechslung von Tim Aust, der für Flo Gschwendtner aufschlagen sollte, wurde dann aber die Trendwende eingeleitet. Drei Punkte in Folge bedeute plötzlich Gleichstand (21:21). Bei 22:22 kam dann Fabian Bartsch zum Aufschlag – und damit der Wegbereiter zum 25:22-Erfolg.

Hammerharter Aufschlag und eine Einheit

„Wir haben hammerhart aufgeschlagen, uns als Einheit gezeigt, es hat alles funktioniert“, meinte auch Kapitän Tom Brandstetter nach diesem Spiel. Die Tendenz in Richtung Sieg hatte er in Durchgang eins schon gespürt. Auch wenn der weitere Verlauf ziemlich ausgeglichen war, und Dresden in Satz zwei stets mit einem Punkt in Führung lag, kaufte die Mühldorfer Mannschaft dem VC den Schneid ab, wandelte einen 15:16-Rückstand zur 18:16-Führung um und ließ die Gastgeber nur noch bis auf einen Punkt herankommen.

Flo Gschwendtner am Aufschlag lieferte dann mit drei Services die Basis zum 25:19-Erfolg, den Rest erledigten dann die präzise Annahme um Libero Kilian Nennhuber und die Akteure am Netz mit Fabian Bartsch, David Fecko und Zied Chalghmi.

In Durchgang drei gibt es kein Halten mehr

Danach gab es kein Halten mehr: In Durchgang drei peitschten sich die Mühldorfer selbst nach vorne. Schnell führten die Gäste mit 4:1, später mit 16:12 und dominierten das Spielgeschehen nah Belieben, weil Dresden kein Reszept gegen die Angriffe der Mühldorfer fand. Den Vier-Punkte-Vorsprung hielten die Mühldorfer bis zum Schluss. Dass die letzte Aktion der Dresdener, eine verkorkste Abwehr des Liberos Daniel Nahhas, im Aus landete, war bezeichnend für den rabenschwarzen Tag, den der Mitaufsteiger von der Elbe erwischt hatten.

Mühldorf rückt bis auf Platz fünf vor

Mit dem dritten Sieg in Folge rückt Mühldorf auf Platz 5 in der Tabelle der 2. Bundesliga vor. 20 Punkte haben die Mühldorfer bislang eingeheimst. „Das Gute ist, dass die übrigen Mannschaften für uns gespielt haben“, nimmt Abteilungsleiter Stefan Bartsch das 3:2von Bliesen gegen Kriftel wohlwollend zur Kenntnis. Das 3:0 von Mimmenhausen halte Verfolger Freiburg auf Distanz und auch das 3:1 von Grafing gegen Delitzsch helfe den Mühldorfern im Kampf um den Klassenerhalt. 35 Punkte seien nötig, um die Liga zu halte, meint Bartsch. Den nächsten Schritt in diese Richtung wollen die Mühldorfer gehen, wenn sie beim nächsten Heimspiel am 12. Dezember den Tabellenvorletzten aus Mainz empfangen.

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