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ROSENHEIMS TORHÜTER-LEGENDE KARL FRIESEN FEIERT HEUTE GEBURTSTAG

„Ich bin gesund – da ist 60 nur eine Zahl“

Karl Friesen mit Meisterschale und Pokal: Nach dem ersten Rosenheimer Meistertitel 1982 jubelt der überragende Torhüter zusammen mit den Rosenheimer Eishockeyfans. Trux (3), Ziegler

Rosenheim wurde dreimal deutscher Eishockeymeister (1982, 1985 und 1989) und diese großartigen Erfolge sind ganz eng mit einem Namen verbunden: Karl Friesen.

Der Deutsch-Kanadier kam 1980 nach Rosenheim und war in den 80ern bis in die 90er-Jahre hinein Deutschlands überragender Eishockeytorhüter. Heute feiert Karl Friesen bei bester Gesundheit seinen 60. Geburtstag und die OVB-Sportredaktion erreichte ihn für ein Interview in Winnipeg. Während seiner Karriere in der deutschen Nationalmannschaft nahm Karl Friesen an sechs Weltmeisterschaften und an drei Olympischen Winterspielen (1984, 1988 und 1992) teil.

Herr Friesen, zuerst einmal die Frage, die alle Rosenheimer Eishockeyfans interessiert: Wie geht es Ihnen? Was machen Sie?

Mir geht es sehr gut, es könnte eigentlich nicht besser sein. Obwohl – ich habe live verfolgt, dass Deutschland bei der Fußball-WM ausgeschieden ist und das ist natürlich nicht so gut. Als mit dem Eishockey Schluss war, habe ich ein Sportschuhgeschäft gekauft und das mache ich jetzt seit über 20 Jahren - länger als ich Eishockey gespielt habe. Das Geschäft ist in Winnipeg in einem Einkaufszentrum und da bin ich praktisch das Mädchen für alles. Ich bin für den Einkauf zuständig, ich verkaufe auch und das macht mir sehr großen Spaß. Im Winter arbeite ich mehr und im Sommer lasse ich es etwas ruhiger angehen und genieße die Zeit.

Heute werden Sie 60 Jahre. Wie fühlt man sich da?

Ehrlich gesagt fühle ich mich überhaupt nicht anders als zu meinem 50. Geburtstag, weil ich gesund bin. Mir geht es gut und da ist dieser Geburtstag eigentlich nur eine Zahl. Unser Familienleben ist super, ich habe vier Enkelkinder und das Leben ist schön, wie es ist.

Wird heute groß gefeiert? Wenn ja mit wem?

Gefeiert wird eigentlich nur mit der Familie. Ich glaube, meine Frau hat so 20 Leute aus der Familie und die engsten Freunde eingeladen. Dann werden wir grillen und gemeinsam einen schönen Tag haben.

Haben Sie noch Kontakt nach Rosenheim? Auch zu ehemaligen Mitspielern? Speziell zu einem Bestimmten?

Ich habe auf alle Fälle noch Verbindungen nach Rosenheim. Ich habe hier ja viele Leute kennengelernt und natürlich verfolge ich das Rosenheimer Eishockey. Kontakt habe ich zu den ehemaligen Mitspielern Toni Maidl, Mondi Hilger, Heini Schiffl, zu unserem damaligen Materialwart Helmut Koziolek und zu DNL-Coach Thomas Schädler. In Kanada telefoniere ich immer wieder mit Venci Sebek.

Wenn Sie an Rosenheim denken - was fällt Ihnen sofort ein? Privat und sportlich?

Privat fallen mir natürlich sofort die vielen netten Leute ein, die ich hier kennengelernt habe, die schöne Stadt und die herrliche Umgebung. Wir haben uns hier super wohlgefühlt und es war für uns ein zweites Zuhause. Sportlich denke ich eigentlich nicht an irgendwelche Erfolge, sondern an die Kameradschaft und den Zusammenhalt in der Kabine. Das ist eigentlich, was einem Sportler abgeht, wenn er seine Karriere beendet. Meisterschaften sind schön, Siege sind schön, aber die Verbindung zur Mannschaft war für mich das Größte. Daran denke ich immer wieder.

Erzählen Sie noch einmal wie 1980 der Kontakt nach Rosenheim und schließlich der Wechsel zustande gekommen ist.

Das war die Zeit, als viele kanadische Spieler, die deutsche Pässe oder deutsche Vorfahren hatten, nach Deutschland wechselten. Meine Eltern wurden in der Ukraine geboren, waren aber deutsche Staatsbürger und sind während des Krieges nach Deutschland und nach dem Krieg nach Kanada gegangen. Als ich von einem Spielervermittler kontaktiert wurde, war ich gerade mit meiner Frau Judith frisch verlobt. Ich erzählte ihr, dass wir nach Deutschland gehen könnten und sie war davon begeistert. Wir waren jung, wir starteten in das Abenteuer und weil wir es in Rosenheim so toll erwischt haben, sind wir lange geblieben.

Drei Meistertitel mit Rosenheim, einer mit München – welcher war der schönste?

Alle Meistertitel waren irgendwie speziell. Ich kann nicht sagen, dass einer der schönste war, aber der überraschendste war natürlich der 1982, als es keiner von uns erwartet hatte. Wir setzten uns gegen Riessersee, sensationell gegen Landshut und dann gegen Mannheim durch. Der Titel 1985 war eigentlich irgendwie eingeplant, 1989 auswärts in Düsseldorf war natürlich auch toll genauso wie der Titel mit Hedos München.

Wenn man sich Bilder der Torhüter aus den 80er-Jahren und von heute ansieht, hat sich in der Torhüterausrüstung einiges getan.

Wenn ich heute mit Helmut Koziolek über die alten Zeiten spreche, ist das der Wahnsinn wie sich das Torhüterspiel und die Ausrüstung verändert haben. Die war damals klein und war nicht so gut gepolstert. Natürlich wäre schon mal schön gewesen, mit so einer Ausrüstung zu spielen.

Ein Nach-Nach-Nachfolger von Ihnen, Philipp Grubauer, hat das geschafft von dem Sie geträumt haben – den Stanley-Cup zu gewinnen. Haben Sie das verfolgt und wie war Ihre kurze Zeit in der NHL?

Meine Zeit in der NHL war sportlich gesehen natürlich nicht so erfolgreich, aber ich habe wahnsinnig viel gelernt und ich bin froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Ich bin mit Sicherheit als besserer Torhüter nach Rosenheim zurückgekommen und es war definitiv eine wichtige Zeit für mich. Philipp und ich haben uns in den letzten Jahren sehr gut kennengelernt, denn immer wenn er mit Washington in Winnipeg gespielt hat, haben wir uns entweder zum Essen getroffen oder er ist zu mir nach Hause gekommen. Natürlich habe ich ihm zum Stanley-Cup-Sieg gratuliert. Persönlich werde ich das tun, wenn er mit Colorado in Winnipeg spielt. Da kommt er ja jetzt sogar dreimal.

Wann sind Sie wieder einmal in Rosenheim?

Ich war jetzt in den letzten Jahren öfter in Rosenheim, als mein Sohn Jordan im Rosenheimer DNL-Team bei Thomas Schädler gespielt hat. Jetzt haben wir mal eine kleine Pause gemacht und unser nächster Besuch in Rosenheim ist für 2020 fest eingeplant. Interview: Hans-Jürgen Ziegler

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