„Ich fühle mich endlich wieder richtig fit und freue mich auf diese Aufgabe“

Zuletzt spielte Ostermeier für den 1. FFC Frankfurt.

Die 21-jährige Schonstetterin Selina Ostermeier hat zuletzt vier Jahre für den Fußball-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt gespielt. In der kommenden Spielzeit wird sie im Trikot der SGS Essen auflaufen.

Schonstett – Am Samstag drückt Ostermeier ihrer zukünftigen Mannschaft vor dem TV die Daumen, wenn die Damen aus dem Ruhrgebiet im Pokalfinale in Köln gegen den Meister VfL Wolfsburg um den Titel spielen. Die OVB-Sportredaktion hat bei Ostermeier nachgefragt.

Wie hat sich Ihre Karriere entwickelt?

Als ich 2010 von meinem Heimatklub SV Schonstett mit elf Jahren zum TSV Bad Endorf in die U13-Bezirksoberliga der Buben gewechselt bin, war das bereits ein großer Schritt, auch wenn ich dort bereits ein Jahr in der Leichtathletikabteilung gefördert wurde, um Koordination und Schnelligkeit zu verbessern. Später spielte ich regelmäßig in den Regionalauswahlen und bis zur U17 in der Bayern-Auswahl. 2013 kam die Anfrage des FC Bayern München für die U17-Bundesliga. Da mussten wir nicht allzu lange überlegen, da da meine weitere sportliche Förderung nur dort auf höchsten Niveau möglich war. Aber viermal die Woche abends ins Training an die Säbener Straße zu fahren, waren Herausforderung und Kraftakt zugleich. Hierfür bin ich meinen Eltern unendlich dankbar.

„Fußball war schon immer das Schönste für mich“ Inwiefern hat es Sie geprägt, in der Jugend mit Buben oder vor allem Ihren Brüdern zu spielen?

Fußball war schon von klein auf das Schönste für mich. Ich habe immer mit meinen beiden älteren Brüdern Timo und Fabio und meinem Papa Richard, der zugleich mein allererster Trainer war, gekickt. Durchsetzungsfähigkeit und Kampfgeist haben mich als Mädchen hier sicherlich besonders geprägt – auch in den vielen Jahren in der Liga mit den Buben.

Wie war es damals, von Schonstett in eine Großstadt wie Frankfurt zu ziehen?

Beim Auswahlturnier 2016 zum Länderpokal in Duisburg hat uns der Talentsichter des 1. FFC Frankfurt angesprochen und wir haben ein Gespräch zuhause bei meinen Eltern geführt. Die Frankfurter sich sehr um mich bemüht und mir ein Angebot für drei Jahre inklusive Sportgymnasium und Unterkunft in einer WG gemacht. So konnte ich nun vier Jahre im Bundesligakader des erfolgreichsten Frauenklubs mit vielen einzigartigen Fußballerinnen trainieren und spielen. Auch zum selbständig werden schadet eine neue Umgebung nicht, mir hat es in der Großstadt gut gefallen.

Sie haben bei Bayern und in Frankfurt gespielt, beides große Namen im Frauenfußball: Was konnten Sie mitnehmen?

Es braucht neben Talent durchaus auch etwas Trainerglück, Vertrauen und Rückhalt im Verein. Beim FC Bayern in der U17 haben es die zahlreichen eigenen Talente oft schwer, direkt im Bundesligakader Fuß zu fassen. Daher war der Wechsel nach Frankfurt für mich damals sicher richtig.

„Viele Mitspielerinnen und Trainer in Frankfurt waren Vorbilder“ In Frankfurt hatten Sie mit Kim Kulig und Kerstin Garefrekes ehemalige Nationalspielerinnen als Trainerinnen – was konnten Sie von ihnen lernen?

Viele Mitspielerinnen und Trainer in Frankfurt waren Vorbilder und konnten mir viele unbezahlbare Tipps geben. Kim Kulig hat besonders an mich geglaubt und mir als Abwehrspezialistin auch das Offensivspiel näher gebracht.

Was sind ihre nächsten Erwartungen bei Essen?

Auf mich wartet eine neue sportliche Herausforderung bei einem tollen Klub mit dem sehr erfahrenen Trainer Markus Högner, der kurzzeitig auch Co-Trainer der Frauen-Nationalelf bei Steffi Jones war, und einer völlig neuen, jungen Mannschaft Zum Pokalendspiel gegen den Favoriten Wolfsburg drücke ich fest die Daumen.

„Ich wünsche mir nun verletzungsfreie Jahre“ In Frankfurt waren Sie sehr vom Verletzungspech geplagt. Können Sie nun wieder voll angreifen?

Mein Bundesligadebüt über 90 Minuten hatte ich bereits im Februar 2017 in Mönchengladbach in der Innenverteidigung neben Olympiasiegerin Saskia Bartusiak. Danach hatte ich einiges Verletzungspech. Aber auch diese Zeit prägt einen Sportler und man lernt, noch mehr zu kämpfen, den Ehrgeiz und vor allem den Spaß am Fußball zu behalten. Ich wünsche mir nun verletzungsfreie Jahre und möglichst viele Bundesligaspiele über 90 Minuten. Ich fühle mich endlich wieder richtig fit und bereit für diese Aufgabe in Essen.

Was würden Sie jungen Fußballerinnen mit auf den Weg geben, die einen ähnlichen Weg einschlagen möchten?

Jeder talentierten Nachwuchsfußballerin rate ich, immer etwas mehr zu trainieren, als die anderen und nach Rückschlägen nie aufzugeben. Dazu würde ich empfehlen, als Mädchen möglichst lange bei den Buben mitzuspielen und auch zusätzliches Stabilisations- sowie Krafttraining zu machen. Eltern sollen Talente fördern, aber nie unter zu hohen Leistungsdruck setzen. Die Hauptmotivation für das intensive regelmäßige Training sollte vom Sportler selbst ausgehen. Interview: Leon Simeth

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