Inzeller Eisschnelllauf-Stützpunktleiter Markus Eicher geht in den Ruhestand

Markus Eicherverabschiedet sich in Inzell in den Ruhestand. Huiber
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Markus Eicher verabschiedet sich in Inzell in den Ruhestand.

„So ganz werde ich mich vom Eisschnelllaufen nicht verabschieden. Wenn man mich braucht, dann helfe ich gerne“, verspricht Inzells leitender Stützpunkttrainer Markus Eicher, der zum Ende des Jahres in Rente gehen wird. Für den 65-Jährigen kommt der Ruhestand nicht überraschend.

Inzell – „Ich habe lange genug vorher gewusst, dass ich zum Jahresende gehe. Darauf konnte ich mich gut vorbereiten“, sagt Eicher. Wer sein Nachfolger als Stützpunkttrainer wird, das wird offiziell im März bekannt gegeben.

Eicher war in seinen jungen Jahren ein talentierter Eisschnelllauf-Mehrkämpfer. Seine beste Zeit hatte er 1976/77, als er mehrmals deutscher Meister wurde. Als er 1980 knapp die Teilnahme an den Olympischen Spielen verpasste, beendete er seine sportliche Laufbahn. In dieser Zeit hat er bereits als Bademeister im Inzeller Freibad gearbeitet. Diese Stelle bekam er von der Gemeinde, damit er gute Bedingungen zum Trainieren hatte.

Nach der Wende macht Eicher das Trainerdiplom in Köln

„Ich habe mich dann aber ziemlich vom Eisschnelllaufen zurückgezogen, geheiratet und Haus gebaut“, erinnert er sich. 1985 wurde im Inzeller Eisstadion die Stelle als Stützpunkttrainer frei. „Der damalige Bürgermeister und Eislaufpionier Ludwig Schwabl hat mich zum Trainer neben meinem Job als Bademeister befohlen“, erzählt Eicher.

Nachdem er die B-Lizenz erworben hatte, entschloss er sich nach der Wende, das Trainerdiplom in Köln zu machen. „Damals drängten viele Trainer aus der ehemaligen DDR auf den Markt und ich wollte unbedingt in Inzell bleiben“, schildert er die damalige Situation. 1994 wurde er Bundestrainer der B-Junioren.

Training mit Anni Friesinger

Ein Glücksfall für ihn war zu jener Zeit der Aufstieg von Anni Friesinger, mit der er bereits im Nachwuchsbereich zu tun gehabt hat. „Die Anni hat relativ schnell den Durchmarsch zur Weltspitze geschafft.“ 1996 wurde sie Junioren-Weltmeisterin in Calgary, zwei Jahre später gewann sie bei den Olympischen Spielen in Nagano Bronze über 3000 Meter. Danach eroberte sie drei Goldmedaillen bei Olympia und 16-mal WM-Gold. „Wir haben im Training immer versucht, neue Sachen zu machen.

Erfolgsduo:Anni Friesinger und Markus Eicher, hier nach einem Weltcup-Erfolg im Jahr 2003. dpa

Zu uns sind internationale Trainingspartner ins Team gekommen“, schwärmt Eicher von diesen Zeiten. Namen wie Barbara de Loor aus den Niederlanden oder der Italiener Dino Gillarduzzi schlugen in Inzell ihre Zelte auf. Dazu kamen Einheimische wie Agnes und Jan Friesinger, Marion Wohlrab, Gabi Hirschbichler und aus Erfurt gesellt sich Danny Leger dazu. „Wir hatten die perfekte Mischung. Das Training hat Spaß gemacht und war sehr anspruchsvoll.“

Eine der schwersten Entscheidungen Eichers

Als Eicher 2006 Cheftrainer der DESG-Damen wurde, trennten sich die Wege mit Friesinger. Unvergessen sind für ihn die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver. Im Halbfinale des Damenteams stürzte Anni Friesinger und ruderte auf dem Eis liegend über die Ziellinie. Deutschland kam ins Finale, das ging allerdings ohne die Inzellerin über die Bühne. „Der Endlauf fand unmittelbar danach statt. Ich habe die Anni aus dem Team genommen. Das war für mich eine meiner schwersten Entscheidungen als Trainer“, so Eicher im Rückblick auf den Gewinn von Team-Gold.

Nach den Spielen wurde Markus Eicher zum Bundestrainer der Damen und Herren befördert. 2013 bekam er dann die Diagnose Krebs und trat nach den Olympischen Spielen von Sotschi 2104 als Bundestrainer zurück. Er arbeitete als Stützpunkttrainer in Inzell weiter und mit Elan an der Wiedereinführung der Kindergartenkurse und des Schulsports. „Vielleicht finden wir wieder eine Anni Friesinger“, hofft er.

Dem Eisschnelllauf fehlen die Talente

Eicher hofft, dass es mit solchen Maßnahmen im deutschen Eisschnelllauf wieder aufwärtsgeht. Dass vor allem die deutschen Damen damals so stark waren, lag auch an den Sportlern aus der ehemaligen DDR und an guten heimischen Athleten. Die deutschen Damen sind in dieser Zeit die klare Nummer eins der Welt gewesen. „Solche Glücksfälle gibt es selten.

Danach haben die Talente gefehlt. Da rum müssen wir im Nachwuchs verstärkt arbeiten. Ich bin guter Dinge, dass wir in den kommenden Jahren wieder gute Leute haben werden.“ Für diese Sportler werden dann allerdings andere Trainer zuständig sein. „Wegen meiner Krankheit brauche ich Freiräume. Natürlich bleibe ich dem Eislauf verbunden. Ich bin ja auch Abteilungsleiter Eisschnelllauf beim DEC Inzell. Außerdem gibt es ein Angebot der DESG, quasi im Minijob in der Max-Aicher-Arena weiter tätig zu sein.“ Als Ausgleich wird man Markus Eicher wohl jetzt öfters auf dem Golfplatz antreffen. shu

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