Hochleistungssport ist Teamarbeit:„Eine gute Mischung aus Auswertung und ,Arbeit am Mann‘“

Michael Veith wirkt im Chiemgau mit den Biathleten und Langläufern.
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Michael Veith wirkt im Chiemgau mit den Biathleten und Langläufern.

Hochleistungssport ist Teamarbeit – das gilt auch im Biathlon und im Skilanglauf. Einer derjenigen, der zum Team für die Athleten am Stützpunkt Ruhpolding gehört, ist Michael Veith.

Ruhpolding– Michael Veith arbeitet in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena und ist für den Olympiastützpunkt Bayern im Regionalzentrum Chiemgau/Berchtesgadener Land/Ruhpolding tätig.

Zu seinen Aufgaben gehören die Leistungsdiagnostik, die trainingswissenschaftliche Beratung und Betreuung von Kadertrainern und -athleten, die individuelle Trainingssteuerung und auch verstärkt das Techniktraining. „Das hat sich über die Jahre entwickelt“, blickt er zurück – und ist nun dabei, eine „Technik-Philosophie“ für den ganzen DSV mit zu erarbeiten. Zuletzt war der 40-Jährige auch bei Trainer-Aus- und Weiterbildungen gefragt, „vor allem bei den Nachwuchstrainern“. Dabei zeigte er ihnen auch, wie man technische Fehler erkennen kann.

„Der Biathlet läuft natürlich etwas anders, weil er die Waffe auf dem Rücken trägt, der Langläufer kann mehr mit dem Oberkörper arbeiten.“ Dennoch: „Beim Techniktraining ist das egal, weil die grundsätzlichen Bestandteile der Bewegung gleich sind. Der Körperschwerpunkt muss einfach passen, das ist bei Langläufern und Biathleten identisch.“ Grundsätzlich sieht Veith seine Tätigkeit als „gute Mischung aus Auswertung und ‚Arbeit am Mann‘“.

Verhältnis zwischen Belastung und Regeneration optimieren

Drei Leistungsdiagnostiken sind pro Saison Standard: Zunächst werden zum Beginn der Stand der Dinge überprüft und der Trainingszyklus festgelegt. Nach etwa drei Wochen steht der zweite Block an, die dritte Überprüfung folgt Ende Oktober/Anfang November, kurz vor dem Saisonbeginn. Hinzu kommen in der Zwischenzeit viel individuelle Arbeit oder auch „Feldtests“: Da werden den Athleten zum Beispiel auf der Rollerbahn feste Strecken vorgegeben, um überprüfen zu können, wie die Intensität ist. Daher werden unter anderem Laktat und die Herzfrequenz gemessen.

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Denn: „Es geht darum, das Verhältnis zwischen Belastung und Regeneration zu optimieren.“ Dabei müsse man die Athleten tendenziell „zum Glück eher bremsen, die sind alle sehr motiviert“. Doch es gelte, nicht zu übertreiben: „Schon eine kleine Überbelastung kann viel ausmachen.“ Etwa dann, wenn jüngere Athleten bei einer gemeinsamen Einheit „mit Top-Athleten wie Simon Schempp oder Denise Herrmann“ unbedingt mal mithalten wollten, „da kann man schnell mal überziehen“. Übrigens auch beim Umfang: Wer täglich nur etwa 30 Minuten länger aktiv ist als eigentlich vorgesehen, bei dem baut sich schon innerhalb einer Woche ein großes Erholungsdefizit auf. „Und nach sechs Wochen kann das schon erhebliche Auswirkungen haben“, mahnt Veith.

Schon seit 1996 in der Region

Daher kommen auch immer wieder Sportler individuell zu ihm und fragen nach, vor allem, wenn sie sich abgeschlagen fühlen. „Wir arbeiten immer in Absprache mit den Trainern und machen auch mal Zwischentests“, erläutert Veith.

Er selbst hatte in München Sportwissenschaften studiert und ist Diplom-Sportwissenschaftler. Gerade das Techniktraining mache ihm viel Spaß. Schließlich kommt Veith selbst als Aktiver aus der Nordischen Kombination. „Da analysiert man auch viele Bewegungsabläufe.“ Er stammt zwar aus dem Allgäu (Isny), ist aber schon seit 1996 in der Region: „Da kam ich als Sportler aufs CJD. Ich habe mich schon immer hier wohlgefühlt.“

Mit Anfang 20 die aktive Laufbahn beendet

Das ist auch jetzt noch so. Veith, der mit seiner Frau und den zwei Kindern in Traunstein lebt, beendete mit Anfang 20 seine aktive Laufbahn und studierte. Als im Jahr 2009 die Arena für die WM 2012 umgebaut wurde, wurde auch seine Stelle neu geschaffen. Für Veith ist seine Erfahrung als ehemaliger Athlet eine wichtige Hilfe. „Ich kann mich in die Sportler hineinversetzen, und wenn man mit ihnen spricht, hat man gleich eine gemeinsame Basis.“ So sehr man versuche, bei der Lauftechnik individuell zu arbeiten: „Man muss trotzdem einen roten Faden beibehalten“, betont er, und diese Linie „mindestens zwei Jahre lang durchziehen“.

Die Verantwortlichen schauen auch immer darauf, welche Tendenzen es beispielsweise beim Biathlon-Weltverband IBU gibt. So sei der – bislang nur im IBU-Cup getestete – Super-Sprint mit Qualifikation und Finale „kurz und knackig und sehr schießlastig. Auch sind die Streckenprofile insgesamt ganz anders geworden: Es sind meist kürzere, knackigere Runden und abwechslungsreiche Berge – denn es wird fast immer im Stadion gelaufen. Da rennt keiner mehr lange durch den Wald“, lacht er.

„Wir legen großen Wert auf die Grundlagenausdauer“

Trotz all dieser Intensitäten: „Wir legen großen Wert auf die Grundlagenausdauer, weil die Sportler eine lange Saison überstehen müssen.“ Diese Grundlagen müssten in der Vorbereitung gelegt werden, denn im Winter „ist kaum noch Zeit zwischen den Wettkämpfen, um noch ein Training zur Leistungsverbesserung zu machen“. Da gehe es eher darum, nach Wettkämpfen zu regenerieren oder die Form zu halten.

Besonders hilfreich ist das große Laufband im Ricco-Groß-Haus. Dieses Band ist mehrere Meter breit, „und man kann da echte Streckenprofile einprogrammieren, ebenso wie verschiedene Steigungen. Ich messe die Herzfrequenz und das Laktat und kann so einen Athleten beispielsweise eine Stunde lang unter gleicher Belastung laufen lassen.“ Theoretisch könne eine Steigung bis 24 Prozent eingestellt werden, „aber effektiv ist es nur bis ungefähr 15 Prozent Steigung“. Der Läufer wird auf dem mehrere Meter breiten Band von einer Kamera von der Seite und von einer von hinten gefilmt und kann sich sowohl in einem Spiegel als auch auf einer daneben hängenden Leinwand selbst beobachten.

Michael Veith ist als zweiter Beobachter dabei. Der Vorteil gegenüber Techniktraining auf der Strecke: „Ich kann dem Athleten sofort zeigen, was er ändern sollte – und wir sehen sofort, wie er das umsetzt. Auf der normalen Strecke ist er eine Runde weg.“ who

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