Hans Kroneck von 1860 Rosenheim hat eine klare Meinung: „Ich würde die Saison annullieren“

Gezwungenermaßen ein „Laptop-Sportlicher Leiter“: Hans Kroneck vom TSV 1860 Rosenheim regelt seit einem Monat alles von seinem Ferienhaus in Österreich. privat

Hans Kroneck, Sportlicher Leiter des Fußball-Regionalligisten 1860 Rosenheim hat eine ganz klare Meinung wie er die Saison fortführen würde oder auch nicht. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt Kroneck auch, warum er gerade jetzt auf die hervorragende Jugendarbeit der Sechziger setzt.

Rosenheim – Sein Terrain ist normalerweise das Jahnstadion in Rosenheim, vor dem Spiel auf dem Platz, während des Spiels oft hinter der Trainerbank, nach dem Spiel als Beobachter der Pressekonferenz und fast immer den geliebten Fußball im Kopf – seit dem 13. März ist Hans Kroneck, sportlicher Leiter des Fußball-Regionalligisten 1860 Rosenheim ausschließlich in seinem Ferienhaus in Österreich. „Uns geht es hervorragend, wir sind hier in den Bergen und da besteht keine Gefahr der Ansteckung“, sagt Hans Kroneck. In der Sonne an seinem Laptop sitzend plant er die nächste Saison, hält Videokonferenzen mit Spielern und Verantwortlichen ab und spricht mit der OVB-Sportredaktion über die Folgen der Corona-Krise, über die aktuelle und über die nächste Saison. Kroneck verrät auch, wie er die Saison weiterführen würde.

Herr Kroneck, Home office was den Fußball betrifft aus Österreich. Wie muss man sich das vorstellen?

Ich kann ja von hier alles machen . Wir sind zwar auf dem Berg, haben aber WLAN und sind bestens ausgerüstet. Wir machen fast jeden Tag Videokonferenzen mit den Verantwortlichen von 1860 Rosenheim und natürlich mindestens einmal pro Woche mit den Spielern und Trainern.

Und da wird dann besprochen und trainiert? Mit allen gleichzeitig?

Besprochen ja, aber auch da nicht mit allen gleichzeitig und trainieren müssen die Spieler selbstständig. Wir haben bei den Spielern drei wechselnde Gruppen gebildet, dazu kommt jeweils das Trainerteam, einer von der Vorstandschaft und ich. Dann wird eine Stunde pro Gruppe alles besprochen, was es Neues gibt. Das heißt Trainer, Vorstand und ich sind drei Stunden online, die Spieler jeweils eine Stunde.

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Und da geht es um was?

Um die neuesten Informationen des BFV, natürlich um Trainingspläne und wie es den Spielern geht. Wie es privat läuft, wie es in der Arbeit aussieht und ob sie Kurzarbeit haben. Außerdem werden die wechselnden Trainingspläne ausgegeben und besprochen. Die Spieler trainieren seit dem ersten Tag, als der Trainings- und Spielbetrieb eingestellt wurde. Vor allen Dingen Intervallläufe und Stabilitätsübungen. Das Trainingsprogramm wird vom Therapie- und Trainingszentrum Hans Friedl und dessen Athletik-Trainern ausgearbeitet. Und obwohl wir uns nicht persönlich treffen, wollen wir den Teamgeist fördern.

Das funktioniert wie?

Wir haben zum Beispiel eine Challenge, wer am längsten den Ball im Sitzen hochhalten kann. Da gibt es auch Preise zu gewinnen. Wichtig ist der Kontakt untereinander, denn die Spieler haben auch viele Fragen. Zum Beispiel wie die Bezahlung weitergeht.

Kann 1860 Rosenheim die Spieler weiter bezahlen?

Momentan können wir das. Wir haben der Mannschaft gesagt, dass wir aktuell keine Kurzarbeit anmelden wollen, so wie andere Vereine das tun. Wir sind der Meinung, dass man sich an abgeschlossene Verträge so lange wie möglich halten soll. Wenn uns Sponsoren, die wegen der Krise wirtschaftliche Probleme haben, nicht mehr bedienen können, dann werden wir irgendwann auch etwas machen müssen. So ist auch die Mannschaft informiert. Aber noch einmal - wir wollen unsere Verträge einhalten so lange wir es wirtschaftlich leisten können.

„Ich würde Türkgücü in die 3. Liga und die beiden Bayernliga-Spitzenreiter aufsteigen lassen“ Hans Kroneck Erwarten Sie sich dann auch Unterstützung vom Fußballverband oder der Politik?

Es ist so. Die Politik muss das Ganze sportunabhängig sehen. Es geht hier nicht um Sport, es geht um viele kleine Geschäfte, um ältere Menschen, die Deutschland aufgebaut haben. Die Politik muss auf das Gesamte schauen und nicht auf den Fußball. Fußball ist eine von 100000 anderen Branchen, die aktuell mehr zu kämpfen haben als wir. Und vom BFV beziehungsweise vom DFB kann man sich in monetärer Hinsicht auch nichts erwarten.

Warum nicht?

Der BFV hat 4600 Vereine zu betreuen. Wie soll er denn die alle unterstützen? Jeder hat andere Voraussetzungen und ich glaube einfach das die Vereine insgesamt aufwachen und sich hinterfragen müssen. Habe ich genügend Jugendarbeit gemacht? Kann ich in Zukunft, wenn ich wirtschaftlich vielleicht nicht mehr so aufgestellt bin, auf meine eigene Jugend zurückgreifen, weil ich da Qualität habe? Und natürlich würden Spieler aus dem eigenen Verein günstiger spielen als externe Spieler. Vereine, die Spieler nur über eine bessere Bezahlung geholt haben, könnten jetzt Probleme bekommen. Und dann wird sich vielleicht auch einmal die gute Jugendarbeit auszahlen.

Die 1860 Rosenheim seit ein paar Jahren zweifelsohne wieder macht.

Klar, da sind wir gut aufgestellt. Vor allen Dingen auch in der Kooperation mit Unterhaching, denn deren Jugendarbeit ist hervorragend. Haching steht hinter Bayern und vor den Löwen auf Platz zwei. Von daher werden wir, und das war ja auch schon unser Weg vor der Corona-Krise, weiter mit jungen Spielern arbeiten. Das ist jetzt vielleicht auch ein Zeichen für die anderen Vereine anstatt in externe Spieler in die eigene Jugendarbeit zu investieren.

Sie haben die Kooperation mit Unterhaching gerade angesprochen. Gibt es da durch die Corona-Krise Probleme?

Nein, die Krise wirkt sich aktuell nicht auf unsere Kooperation mit Unterhaching aus. Und wer Manni Schwabl, den Präsident der Hachinger kennt weiß: Je größer die Krise ist umso härter arbeitet er. Auch deshalb hoffe ich, dass sich die Krise nicht auf uns auswirkt und Stand heute haben wir kein Problem.

Dafür könnte es sportlich, wenn die Saison weitergeht, noch Probleme geben. 1860 Rosenheim ist aktuell auf einem Relegationsplatz. Wie geht es denn weiter?

Das weiß momentan keiner so genau. Der BFV hat alle vier bis fünf Tage Telefonkonferenzen mit allen Regionalliga-Teilnehmern und da werden verschiedene Szenarien durchgesprochen, wie es weitergehen könnte. Der BFV hat ja öffentlich erwähnt, dass ein Abbruch für ihn nicht in Frage kommt. Wenn, dann müsste das von der Politik kommen. Von einer Annullierung der Saison über eine Tabellenberechnung über einen Quotienten, bis hin zu Play off- oder Gruppenspielen ist Vieles möglich. Auch, dass die Regionalliga nächste Saison mit 19 Vereinen spielen könnte.

Das würde wann passieren?

Wenn man Türkgücü in die 3. Liga aufsteigen lässt, keinen Absteiger hätte und man die Tabellenführer der Bayernliga Süd Pipinsried und der Bayernliga Nord Vilzing in die Regionalliga holt.

Von keinem Absteiger würde auch 1860 Rosenheim profitieren.

Das ist richtig, aber wir würden auch bei einer Tabellenberechnung mit Quotienten vor Garching liegen. Und weil ich davon ausgehe, dass es definitiv keine Relegation gibt, würde es für uns so oder so reichen.

Was würden Sie tun, wenn Sie alleiniger Entscheidungsträger wären, was den weiteren Saisonverlauf betrifft?

Ich würde die Saison annullieren. Die Mannschaft, die vorne steht würde ich aufsteigen lassen und es würde keinen Absteiger geben. Dann hast du letztendlich keine Verlierer. Aber ein Pipinsried oder ein Türk Gücü sind von Anfang an in der Tabelle vorne und sie haben es auch verdient aufzusteigen. Es ist auf alle Fälle für alle Seiten, für die Vereine und für den BFV, eine große Herausforderung.

Und eine Annullierung wäre ihrer Meinung nach auch gerecht?

Es wäre zumindest eine einigermaßen gerechte Lösung. Aber was in meinen Augen noch viel wichtiger ist: Die Vereine hätten ab sofort eine Planungssicherheit. Man müsste nicht warten wann es eventuell wieder losgeht oder auch nicht und wie die Politik entscheiden wird.

Und Sie könnten ab sofort mit den Planungen für die nächste Saison beginnen.

Die Planungen laufen bei uns schon auf Hochtouren. Wir sind aktuell mit allen Leistungsträgern in Gesprächen. Vor allen Dingen bei denen die Verträge auslaufen und die wir verlängern wollen. Dann werde ich mich natürlich sobald es möglich ist, wieder mit den Verantwortlichen aus Unterhaching an einen Tisch setzen und abklären welche Spieler im Rahmen der Kooperation für uns infrage kommen oder nicht. Wir wollen unseren Kader mit Spielern aus dem eigenen Stall zusammenbasteln. Natürlich schauen wir auch extern. Wir haben unsere Augen auf, sodass wir Ende April spätestens Mitte Mai unseren Kader komplett haben werden. Interview Hans-Jürgen Ziegler

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