Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


EISHOCKEY

Großvater, Vater und Sohn – Drei Slezák-Generationen für Starbulls auf Titeljagd

Gewann mit dem Sportbund DJK Rosenheim die erste Meisterschaft in der Vereinsgeschichte: Miroslav Slezák.
+
Gewann mit dem Sportbund DJK Rosenheim die erste Meisterschaft in der Vereinsgeschichte: Miroslav Slezák.
  • VonLeon Simeth
    schließen

Großvater, Vater, Sohn – und alle als Eishockeyprofi am gleichen Standort. Neben Kevin Slezák, der aktuell im Starbulls-Kader steht, und seinem Vater Roman hat auch Großvater Miroslav schon für Rosenheim gespielt. Dieser war Teil der ersten Rosenheimer Meistermannschaft aus dem Jahr 1982.

Rosenheim – In der Sportlerwelt gibt es zahlreiche Väter und Söhne, die sich in der gleichen Sportart einen Namen gemacht haben. Im Eishockey gibt es Erich und Tom Kühnhackl, Peter und Leon Draisaitl, sowie die Rosenheimer Mondi und Mondo Hilger, Toni und Patrick Hager oder Martin und Lukas Reichel. Im Fußball sind es Alf-Inge und Erling Braut Haaland, Peter und Kasper Schmeichel, Sammy und Leroy Sané oder Patrick und Justin Kluivert. Weitere Beispiele: Die Rennfahrer Michael und Mick Schumacher, Keke und Nico Rosberg oder die Skirennfahrer Christian und Felix Neureuther.

Mit Vollgas in Richtung Play-offs: Kevin Slezák und die Starbulls Rosenheim.

Sportliche Opa-Papa-Kind-Geschichten sind jedoch eher selten. Dafür hat das Rosenheimer Eishockey aber ein passendes Beispiel: Kevin Slezák steht im aktuellen Kader der Starbulls, sein Vater Roman durchlief die Rosenheimer Jugendmannschaften und absolvierte insgesamt fünf Spielzeiten für die Herren, die vom Zweitliga-Meistertitel und dem Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga gekrönt waren, und Großvater Miroslav war Teil der ersten Rosenheimer Meister-Mannschaft im Jahr 1982. Was die Familie mit dem Eishockey verbindet, was ihn nach Rosenheim zog und wie er die Meisterschaft erlebte, verrät Miroslav Slezák im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion.

Ihr Sohn und Ihr Enkel haben wie Sie in Rosenheim gespielt oder tun dies noch. Macht Sie das stolz?

Miroslav Slezák: Das ist auf jeden Fall ein cooler Zufall, dass wir alle drei in Rosenheim gespielt haben. So etwas gibt es auch nicht überall. Natürlich bin ich stolz, aber das wäre ich auch, wenn die beiden kein Eishockey gespielt hätten. Ich bin stolz, dass sie ihren Sport aus Leidenschaft machen und auf ihr Leben schauen. Ich bin auch ehrlich gesagt froh, dass sie keine Superstars sind, und meinen, sie wären die Größten.

Das Eishockey verbindet Ihre Familie. Ist es das Gesprächsthema Nummer eins?

Slezák: Es hat sich schon immer sehr viel um den Sport gedreht. Das geht ja auch gar nicht anders, wenn alle das gleiche Interesse haben. Ich habe aber immer versucht, mich so gut es geht herauszuhalten. Als Sportler muss man auch lernen mit Situationen umzugehen. Außerdem finde ich, dass sich Eltern oft zu viel einmischen, und das wollte ich nicht.

Wie sind Sie überhaupt zum Eishockey gekommen?

Slezák: Ich bin damals in Tschechien aufgewachsen und dort war Eishockey natürlich der Volkssport. Egal, ob auf einem zugefrorenen See oder mit einem Tennisball auf der Straße. Wir haben immer irgendwo ein Tor hingestellt und losgespielt. Das ist ähnlich wie in Deutschland mit Fußball: Man sieht immer irgendwo Kinder mit einem Ball. Außerdem bin ich in Komotau aufgewachsen, einer echten Eishockey-Hochburg.

Dann haben Sie dort auch in einer Mannschaft gespielt?

Slezák: Ja. Wir haben in der ersten Junioren-Liga gespielt, aber damals hat es auch noch nicht so viele verschiedenen Ligen gegeben wie heute. Wir haben aber immer oben mitgespielt.

Und dann kamen Sie auch in die Profimannschaft?

Slezák: Als ich dann in der ersten Mannschaft gespielt habe, waren wir quasi Profis, aber eigentlich nicht.

Wie meinen Sie das?

Slezák: Es war damals gegen die Arbeitermoral, dass man als Eishockeyspieler noch arbeitet, aber wir haben mit dem Sport keinen Cent verdient. Dann bin ich also vor der Entscheidung gestanden, entweder etwas gescheites aus dem Leben zu machen, oder bis ich 35 bin Eishockeyspieler zu sein. Damals haben alle Sportler während der Karriere gelebt wie der König in Frankreich, aber danach ist es finanziell und gesellschaftlich bergab gegangen. Das wollte ich nicht. Also bin ich mit 20 Jahren nach Deutschland abgehauen, um Geld zu verdienen. Diese Zeit war natürlich nicht leicht, aber es war wichtig für mich.

Dann spielten Sie nicht mehr?

Slezák:Nein, ich habe Maschinenbau studiert und mich auf meine Karriere konzentriert.

Wie kamen Sie wieder zum Eishockey?

Slezák: Im Winter habe ich immer gefressen wie ein Weltmeister (lacht). Dafür war das Eishockey natürlich optimal. Zufälligerweise habe ich den Trainer von Bad Nauheim aus meiner Jugendzeit in der Tschechei gekannt. Dieser hat mir dann bei seiner Firma eine Stelle angeboten und mich für das Eishockey freigestellt. Zwischenzeitlich habe ich auch noch für den Krefelder EV gespielt, wo wir in der Bundesliga Vizemeister geworden sind.

Und dann der Wechsel nach Rosenheim?

Slezák: Ich sage immer: Ich war in Krefeld zum Eishockey spielen und in Rosenheim zum Leben. Der Sportbund war damals sportlich zwar schlechter als Krefeld, aber es war sehr familiär und es ist eine tolle Gegend. Ich wollte schon immer in Alpennähe leben.

Im Jahr 1982 holten Sie den Titel. Was war der entscheidende Grund für die Meisterschaft?

Slezák: Das ist schwierig zu sagen (lacht). Unsere Mannschaft war nicht wirklich meisterlich. Wir waren eine starke Truppe, aber die anderen Mannschaften wie Landshut, Köln oder Mannheim waren meiner Meinung nach besser. In der Abschlusstabelle haben sie über 20 Punkte Vorsprung auf uns gehabt.

Miroslav Slezák trug für den SBR die Nummer 12.

Wie haben Sie sich gegen diese Mannschaften durchgesetzt?

Slezák:Ich spreche immer von der Play-off-Magie. Da funktionieren oft Sachen, die sonst nie möglich wären. Und so war das damals auch.

Es war also nur Zufall?

Slezák: Nein, so war es nicht. In der Mannschaft hat es einen einzigartigen Zusammenhalt gegeben. Wir waren ein Team. Zudem haben wir mit Karl Friesen einen überragenden Torwart gehabt, der uns in den Play-offs mit seinen starken Leistungen enorm geholfen hat. Wir haben eine super Mannschaft gehabt, aber im Vergleich zu den anderen Mannschaften haben wir keinen gehabt, der richtig herausgestochen hat. Vor allem in der Offensive. Unsere besten Scorer sind Hans Zach mit 44 und Jürgen Lechl mit 41 Punkten gewesen. Zum Vergleich: Erich Kühnhackl vom EV Landhut hat in dieser Saison 102 erzielt. Der Weg zum Meistertitel ist ein hartes Stück Arbeit gewesen. Dabei haben wir das entscheidende Glück und einen überragenden Torwart gehabt.

Ab wann sah die Mannschaft echte Chancen auf die Meisterschaft?

Slezák: Die Euphorie ist mit jedem Sieg größer geworden. Nachdem wir im Viertelfinale das Derby gegen Garmisch, das im Vorjahr den Meistertitel geholt hatte, mit Glück gewonnen haben, sind wir im Halbfinale auf Landhut getroffen. Die Chancen aufs Weiterkommen waren gering. Als wir uns dann durchgesetzt – und vor allem das erste Spiel in Landshut mit 5:0 gewonnen – haben, war das natürlich ein großer Schritt. Vor allem in diesen drei Spielen hat sich der bessere Torhüter bewiesen: Friesen ist aus sich hinausgewachsen und Landshuts Bernhard Englbrecht war an einigen unserer Tore nicht ganz unschuldig.

Und im Finale ging’s dann von allein?

Slezák: Kann man so sagen. Wir haben natürlich alle gewusst: Wenn wir Riessersee und Landshut schlagen können, dann können wir uns auch gegen Mannheim durchsetzen. Die Mannschaft war extrem selbstbewusst und am Ende war es glaube ich der Siegeswille, der uns die Meisterschaft ermöglicht hat.

Sie leben noch immer in Rosenheim. Was hat Sie hierbehalten?

Slezák: Es ist eine total schöne Gegend und die Gesellschaft ist größtenteils sehr familiär. Ich habe mich in von Anfang an wohlgefühlt. Ich habe neben dem Wohnsitz in Rosenheim auch ein kleines Anwesen in Tschechien und bin oft hin- und hergefahren. Seit einem knappen Jahr bin ich wieder in der Tschechei.

Wie läuft es dort zurzeit in der Pandemie?

Slezák: Ich kann mich eigentlich nicht groß beschweren. Es gibt am Schloss genügend zu tun, daher hätte ich eh wenig Zeit, um mich mit anderen Leuten zu treffen. Auch wenn die Zahlen hier schlimmer sind als in Deutschland, geht es uns gut. Die Tschechen sind einfach lockerer und nicht so diszipliniert wie die Deutschen. Das ist zurzeit zwar nicht von Vorteil, aber die Umstände hier sind nicht so schlimm, wie es sich in den deutschen Medien anhört.

Für die Starbulls heißt es jetzt Play-offs. Verfolgen Sie die Spiele noch?

Slezák: Als ich in Deutschland war, habe ich noch öfter zugeschaut, aber jetzt ist es schwieriger. Aber im Internet halte ich mich auf dem Laufenden. Für die Rosenheimer wäre es natürlich super, wenn sie in die zweite Liga aufsteigen würden. Ich wünsche ihnen und auch dem Kleinen (Enkel Kevin, Anm. d. Red.) nur das beste für die Play-offs und auch allgemein für die Zukunft.

Was würden Sie einem Nachwuchsspieler, der Eishockey-Profi werden will, mit auf den Weg geben?

Slezák: Natürlich die Standard-Antwort: Fleißig und ehrgeizig sein und immer wieder üben. Das stimmt natürlich. Ich finde, es ist wichtig, dass man vor allem Spaß daran haben und nicht zu verbissen sein soll. Es darf nicht die einzige Option sein, Profi zu werden. Wenn es klappt, ist es super und wenn nicht, dann halt nicht. Außerdem soll man es nicht wegen dem Geld oder Ruhm machen. Das ist zwar ein Anreiz, aber die Leidenschaft soll im Vordergrund stehen.

Roman Slezák (Mitte) feiert in der Kabine den Bundesliga-Aufstieg 1993.

Zahlen zur Meistersaison 1981/82

Der Sportbund Rosenheim feierte in der Saison 1981/82 die erste Eishockey-Meisterschaft in der Vereinsgeschichte. Der SBR spielte eine durchwachsene Saison und schloss die Hauptrunde auf Platz fünf ab. Die Chancen auf den Titel waren nicht sehr groß. Im Playoff-Viertelfinale setzten sich die Rosenheimer im Derby gegen den Vorjahresmeister SC Riessersee in zwei spannenden Partien (4:3 in Garmisch und 2:1 nach Verlängerung in Rosenheim) durch. Im Halbfinale wartete der Hauptrunden-Meister aus Landshut. Das erste Spiel in Landhut gewann der SBR mit 5:0. Nach der 3:6-Heimniederlage setzte sich der Sportbund mit dem 4:3-Sieg im dritten Spiel durch. Im Finale trafen die Rosenheimer auf Mannheim. Mit 6:2 in Mannheim und 4:0 im heimischen Stadion machte der SBR die Sensation perfekt.

Kader:Abwehr: Karl Friesen, Karl Huber, Franz Wech; Abwehr: Jamie Masters, Wacki Kretschmer, Oldrich Machac, Peter Scharf, Paul Sommer, Toni Maidl, Anton Doll; Sturm: Hans Zach, Jürgen Lechl, Ernst Adlmaier, Wolfgang Hellwig, Gerhard Baldauf, Vladimir Vacatko, Hans Meister, Miroslav Slezák, Christian Kokoschka, Peter Stankovic; Trainer: Dr. Pavel Wohl.

Topscorer: Hans Zach: 44 Punkte (19 Tore, 25 Assists); Jürgen Lechl: 41Punkte (21, 20); Jamie Masters: 40 Punkte (11, 29); ....; Miroslav Slezák: 16 (4, 12).

Kommentare