0:13 gegen Star-Ensemble des FC BayerN: „Der größte Tag in der Geschichte von Höslwang“

Franck Ribery war dreifacher Torschütze. Hier nimmt er es gleich mit vier Höslwanger Spielern auf.

Jetzt schlägt’s 13! Genau 13 Jahre ist es her, dass der FC Bayern München mit seiner kompletten Star-Truppe bei den „13 Höslwangern“ aufkreuzte und mit 13:0 gewonnen hat. Die OVB-Sportredaktion hat Hans Gehrlein besucht und mit dem Vorstand eines der größten Bayern-Fanclubs der Welt auf diesen Tag zurückgeblickt.

Höslwang – Für den OVB-Besuch hat sich Gehrlein schon einen riesigen Bildband zurechtgelegt. Beim Darin-Blättern entfährt ihm immer wieder ein „unfassbar“, abgewechselt von einem „der Wahnsinn“. Dem Fanclub-Chef ist die Begeisterung auch 13 Jahre später noch anzumerken – so, als ob das Ereignis erst 13 Tage her ist. Schließlich war es ein Bilderbuchtag für den Fanclub, ach was: für den ganzen Ort. Und Gehrlein sagt stolz: „Das war der größte Tag in der Geschichte von Höslwang.“

Alles hatte seinen Anfang bei der Weihnachtsfeier

Begonnen hat dieser größte Tag rund sieben Monate vorher – und da schon mit etwas, was der Fanclub-Chef auch bei späteren Ereignissen noch als „glückliche Fügung“ bezeichnete: Die Bewerbung der „13 Höslwanger“ war in der Verlosung für einen Besuch eines Bayern-Spielers zur Weihnachtsfeier. Letztlich kam aber kein Spieler, sondern Manager Uli Hoeneß. Und der wurde in Gehrleins Wirtschaft „Zur schönen Aussicht“ voller Euphorie empfangen.

Hamit Altintop vor der rot-weißen Höslwanger Wand.

Im Dezember 2006 keine Selbstverständlichkeit, wie Gehrlein berichtet: „Er war schwer in der Kritik. Bayern wurde in dieser Saison nur Vierter, flog im DFB-Pokal gegen Aachen raus und im Champions-League-Viertelfinale gegen den AC Mailand.“ Sachen gibt‘s! In Höslwang wurde Hoeneß dennoch gefeiert, mit Blasmusik und Ovationen. „Das hat ihn ummantelt, da war er schon so beseelt“, sagt Gehrlein – um dann prompt das Mikrofon zu ergreifen und das Gastspiel seiner Star-Truppe anzukündigen. „Dann war alles außer Rand und Band.“

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Bayern kam mit allen Neuzugängen

Die nächste glückliche Fügung: Gehrlein sagte den ersten angebotenen Termin am Saisonende ab. Und so kamen die Bayern zu Beginn der Vorbereitung auf die neue Spielzeit in den Chiemgau – mit allen Neuzugängen. Hoeneß hatte nämlich richtig aufgemörtelt, um die Spitze zurückzuerobern, weshalb auf dem Höslwanger Sportplatz nun Franck Ribery, Luca Toni, Ze Roberto und Miroslav Klose kickten. „Das war ein richtiges Massl“, bekannte Gehrlein.

La Ola für die Bayern: „Die Herzlichkeit der Leute war der Wahnsinn“, sagt Gehrlein.

Apropos Höslwanger Sportplatz: Der wurde in nur sieben Wochen zwischen Terminfixierung und Anstoß zu einer wahren Arena umgebaut. Zunächst habe man mit 7000 Zuschauern gerechnet. „Dann haben wir irgendwann mal gemerkt: Das reicht nicht. Das ist schon mal kurz aus dem Ruder gelaufen“, bekennt Gehrlein. Letztlich wurden Tribünen gebaut, sodass – natürlich – 13000 Zuschauer Platz gefunden hätten – 12000 waren es am Ende. „Je größer die Tribüne wurde, desto kleiner wurde das Spielfeld“, erzählt der Fanclub-Vorstand und lacht: „Nach den ersten Minuten im Spiel hat mich der Uli geschimpft, dass wir den Platz absichtlich so klein gemacht hätten.“

„Ein Gemeinschaftsprojekt des gesamten Chiemgaus“

Tag für Tag wurde die Arena größer. „Es waren jeden Tag so viele Helfer da, etliche haben sogar Urlaub dafür genommen. Es waren insgesamt 500 Leute, die mitgeholfen haben. Das war unfassbar“, sagt Gehrlein heute – und findet: „Am Ende war dieses Spiel ein großes Gemeinschaftsprojekt des gesamten Chiemgaus.“

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In der Tat: Wirklich alle halfen. Umliegende Bauern stellten ihre Wiesen zur Verfügung, ein Architekt stellte ein Parkplatzkonzept her, Feuerwehr und Polizei verrichteten unaufgeregt ihre Dienste, Blaskapellen spielten auf, Trommler unterhielten die Gäste, die ihren Hunger und Durst an den verschiedenen Ständen stillten – und die Greenkeeper vom Golfclub in Höslwang hatten nicht nur den Rasen bestens hergerichtet, sondern auch noch für das im Profibereich übliche Rautenmuster gesorgt.

Hans Gehrlein präsentiert auch 13 Jahre danach noch stolz das Trikot seiner Fanclub-Mannschaft.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen des FC Bayern rundum begeistert waren, als sie live mitbekamen, was die „13 Höslwanger“ mit ihren vielen Helfern geleistet hatten. Damit hatten sie den Grundstein für die weiteren „Traumspiele“ der Bayern bei den Fanclubs gelegt. „Der Uli hat die Begeisterung bei uns gesehen und zum Markus Hörwick gesagt: ,Weißt du was, so etwas machen wir jetzt jedes Jahr.‘ So ist das entstanden“, berichtet Gehrlein, der selbst von der Atmosphäre begeistert war. „Die Disziplin und die Herzlichkeit der Leute war der Wahnsinn. Das war einfach ein Fußballfest.“

Mit Uli Hoeneß auf eine Bratwurst

Der Fanclub-Vorsitzende selbst erinnert sich, „dass ich dem Hoeneß nicht von der Seite gegangen bin“. Allerdings entlarvte ihn gleich ein Bild im Album neben Oliver Kahn – und kein Hoeneß weit und breit. „Jaaaa“, erinnert sich Gehrlein, „der Kahn ist als Erster aus dem Bus raus und da bin ich gleich mit in Richtung Kabinen. Und als ich den Uli gesucht habe, war der am Grillstand, hat eine Bratwurst gegessen und ein Bier getrunken – in aller Seelenruhe, während ich geschwitzt habe und nervös war.“ Der Wirt legt nach: „Und das waren auch noch seine Würstl!“ Hoeneß hatte vorab rund 20000 Bratwürste nach Höslwang geschickt, die dann gegrillt wurden.

Der spätere WM-Rekordtorschütze Miro Klose lief in Höslwang auf – und erzielte natürlich auch zwei Treffer.

Gehrlein blättert im Bildband weiter: „Mei, der Ribery... Der hod gschaugd.“ Sein Blick geht zu einem Plakat mit der Aufschrift „Danke Uli Hoeneß“, das vor dem Spiel auf dem Platz präsentiert wurde. „Des hod eam daugd“, kommentiert der Fanclub-Vorsitzende – und erinnert sich an die Bayern-Spieler: „De warn olle so guad drauf.“ Einer davon war übrigens der junge Mats Hummels, der nach der Pause für Philipp Lahm eingewechselt wurde und seine ersten Profitore für den FC Bayern machte. „Das hat er erst kürzlich in einem Podcast erzählt“, weiß Gehrlein. Dass Hummels dabei aus den „13 Höslwangern“ die „Höslwanger 13“ machte, sei ihm verziehen, befindet der oberste Höslwanger Bayern-Fan.

13:0-Endstand war nicht abgemacht

Seine Fußballer, bestehend aus dem SV Höslwang und einer Auswahl der „13 Höslwanger“, hielten sich übrigens sehr ordentlich. „Wir waren ja wirklich eine reine Hobbymannschaft“, sagt Gehrlein und betont vehement, dass das Endresultat von 13:0 keinerlei Absprache war. Auch, dass der erste Treffer des Rekordmeisters in der 13. Minute fiel, sei so nicht beabsichtigt gewesen – es passte aber halt irgendwie ins Bild.

Die Bayern-Bosse (von links Physio Fredi Binder, Manager Uli Hoeneß, Co-Trainer Michael Henke und Chefcoach Ottmar Hitzfeld) saßen auf der Bierbank, Hans Gehrlein (rechts) verfolgte das Spiel hingegen im gemütlichen roten Sessel.

„Das fällt auch in die Kategorie, dass es für uns ein reiner Glückstag war“, glaubt der Fanclub-Boss, der an diesen Tag „so viele schöne Erinnerungen hat“ – von Oliver Kahn, der in der ersten Halbzeit so wenig aufs Tor bekommen hat, dass er danach durch die Weiler rund um Höslwang zum Laufen ging; vom eigens angefertigen Wimpel, der den Bayern überreicht wurde, und den man immer gesehen hat, „wenn man von der Säbener Straße rauf durchs Fenster ins Büro vom Uli geschaut hat“; vom Werbebanner einer Münchner Brauerei, das er vergaß, aufzuhängen („Mei, ham mi de am Montag gschimpft“); und von seiner Frau, die in der Früh im Dirndl zum Helfen ums Eck gekommen ist. „Sie hat mich sehr unterstützt“, sagt Gehrlein – und denkt an die vielen Helfer: „Alle haben zu diesem großen Erlebnis gehört und waren ein ganz wichtiger Meilenstein.“

„So viele glückliche Umstände kann man kein zweites Mal herausfordern“

Gehrlein sagt, er habe in dieser Zeit viel gelernt, am meisten, dass, wenn man sich etwas einbilde, das total verfolge und die Leute begeistere, das dann auch funktioniere. „Wenn alle an einem Strang ziehen, dann ist es brutal, was du alles reißen kannst.“

Noch einmal würde er so etwas aber nicht mehr aufziehen können, sagt er. „Das waren so viele glückliche Umstände, das kann man kein zweites Mal herausfordern.“ Das „Traumspiel“ in Höslwang bleibt etwas Einmaliges: „Die Kontakte sind nicht mehr so da, wir sind alle älter geworden – und auch der Fußball ist nicht mehr so.“ Sprach‘s, und klappte den Bildband mit all den schönen Erinnerungen zu.

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