Georg Lenz ist in 307 Spielen nie vom Platz geflogen: Vom Torjäger zum Top-Innenverteidiger

Eine Höhepunkt in der Karriere: Beim Regionalligaspiel in Fürth stand Lenz im Tor und spielte zu Null.
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Eine Höhepunkt in der Karriere: Beim Regionalligaspiel in Fürth stand Lenz im Tor und spielte zu Null.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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Er war der „Mister Zuverlässig“ beim Fußball-Regionalligisten 1860 Rosenheim für den er 307 Pflichtspiele in der Regionalliga, Bayernliga, Relegation und im DFB-Pokal bestritten hat: Georg Lenz, der als Mittelstürmer zum Innenverteidiger umfunktioniert wurde und sogar einmal im Tor stand.

Auf eine Tasse Kaffee mit Georg Lenz. Ziegler (2)/Weigand

Rosenheim – Obwohl der Griesstätter Georg Lenz vom TSV 1860 Rosenheim auf der Position als Innenverteidiger immer wieder in Zweikämpfen gefordert war, hat er in in 307 Pflichtspielen keine Gelb-Rote oder gar Rote Karte bekommen. Der 28-jährige Lenz bestritt sogar ein komplettes Regionalliga-Spiel im Tor – spannende Themen. Warum er jetzt im besten Fußball-Alter bei den Sechzigern aufhört, verrät Georg Lenz bei einer Tasse Kaffee im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion.

Herr Lenz, Sie sind jetzt mit 28 Jahren im besten Fußball-Alter und hören auf höherklassig Fußball zu spielen. Warum?

Georg Lenz: Hauptgrund ist, dass wir in Griesstätt ein Haus bauen. Regionalliga spielen und Vollzeit arbeiten ist schon relativ grenzwertig, dazu noch ein Haus bauen – das geht nicht. Ich will beim Hausbau viel selbst machen und bei der Entwicklung dabei sein. Und da muss ich mich entscheiden: Beim Hausbau viel an Firmen vergeben oder eben beim Fußball kürzertreten.

So ganz ohne Fußball geht es aber trotzdem nicht.

Lenz: Ich spiele jetzt auf alle Fälle mal für meinen Heimatverein Griesstätt. Das haben wir vor kurzem fix gemacht. Wie es dann in einem Jahr aussieht, werden wir sehen.

Das heißt, eine Rückkehr zu 1860 Rosenheim wäre denkbar?

Lenz: Natürlich ist auch die Rückkehr zur 1860 Rosenheim ein Thema. Ich kann mir auf alle Fälle alles in jede Richtung vorstellen. Man muss erst mal schauen, ob ich in diesem einen Jahr körperlich abbaue und ob ich den Zeitaufwand wieder bewältigen will. Wenn es soweit ist, werde ich mir meine Gedanken machen.

Kennen Sie eigentlich Ihren aktuellen Marktwert?

Lenz: Ja ich hab schon mal gegoogelt. Ich glaube 75000 Euro.

Es sind sogar 100000 Euro. Da muss Griesstätt aber tief in die Tasche greifen.

Lenz: (lacht) Sicher nicht. Ich gehe natürlich ablösefrei zu meinem Heimatverein zurück.

Und spielen dort wieder Mittelstürmer?

Lenz: Mal schauen. Ich bin tatsächlich als reiner Stürmer im Winter 2002 von Griesstätt zu 1860 Rosenheim zu den D-Junioren gewechselt. Ich habe praktisch im gesamten Jugendbereich Stürmer gespielt. Ich war ein reiner Neuner und war jedes Jahr Torschützenkönig.

Und warum dann Innenverteidiger?

Lenz: In der A-Jugend bei 1860 Rosenheim hatten wir fünf Stürmer, aber nur einen Innenverteidiger. In der Testphase wurde immer ein Stürmer als Innenverteidiger ausprobiert und mir ist die Position dann geblieben.

Sie sind ja schon als A-Jugendlicher zur ersten Mannschaft gestoßen und haben praktisch sofort gespielt.

Lenz: Die damaligen Trainer Manfred Burghartswieser und Christoph Schiller haben drei Spieler aus dem A-Juniorenbereich zum Training eingeladen. Ich betrat also zum ersten Mal die Herrenkabine, da stand dann Abteilungsleiter Hans Klinger und stellte den neuen Trainer Wolfgang Schellenberg vor. Die Sechziger hatten sich von Burghartswieser und Schiller getrennt.

Mittrainieren durften Sie aber trotzdem.

So kennt man Sechziger-Innenverteidiger Georg Lenz: Voller Einsatz, dabei aber immer fair.

Lenz: Nicht nur das. Weil Daniel Wimmer eine Rote Karte bekam und ein Innenverteidiger gebraucht wurde, bekam ich meine Chance. Beim Spiel in Hof unter der Woche schlug meine Stunde. Wir gewannen 2:0 und auch in den nächsten beiden Spielen blieben wir ohne Gegentor. Als Daniel Wimmer seine Sperre abgesessen hatte, spielte er auf der Sechs und ich durfte die restlichen Spiele in der Saison alle von Anfang an spielen.

Die neue Saison lief dann aber nicht so optimal.

Lenz: Anfangs schon. Obwohl einige namhafte Spieler gekommen sind, war ich gesetzt, doch dann habe ich mir das Syndesmoseband gerissen. Ich war bis zur Winterpause verletzt.

Ein Knackpunkt in Ihrer Karriere.

Lenz: Wenn es eine Karriere gegeben hätte, dann war das der negative Knackpunkt.

Als Sie wieder spielen konnten war schon wieder ein neuer Trainer da.

Lenz: Richtig. Für Wolfgang Schellenberg war Matthias Pongratz gekommen. Der stellte auf Dreierkette um. Es gab drei Spieler für eine freie Position. Mein Glück war das Pech von Christoph Herberth und Michael Pointvogel, die sich beide kurz vor dem Start in die Frühjahrsrunde verletzten. Wahrscheinlich wäre ich nur die Nummer drei gewesen, so aber war ich in der Mannschaft drin. Wir haben gleich wieder eine Siegesserie gestartet, was für mich natürlich super war.

Super für 1860 Rosenheim war, dass Sie ein Allrounder gewesen sind. Sie haben sogar ein ganzes Regionalligaspiel als Torhüter bestritten.

Lenz: Die Torwart-Geschichte am 4. September 2013 war natürlich schon das Außergewöhnlichste in meiner Karriere. Mich würde es interessieren, ob es einen Feldspieler gibt, der in einer so hohen Klasse 90 Minuten im Tor gespielt hat. Wir haben eigentlich fünf Torhüter gehabt. Ein Keeper war im Urlaub, zwei waren verletzt, einer hat sich kurzfristig krankgemeldet und dann ist auch noch unsere Nummer eins Robert Mayer ausgefallen. Eine Alternative wäre auch noch unser Torwart-Trainer Peter Martin gewesen, aber der musste an dem Tag arbeiten.

Und warum ist die Wahl auf Sie gefallen?

Lenz: Weil ich schon in der Jugend einige Spiele im Tor für 1860 Rosenheim gemacht habe. Außerdem haben wir früher zwei Tore zu Hause gehabt und da sind wir auch immer im Tor gestanden. Unter anderem haben wir da mit Korbi Linner Torschussübungen gemacht. Im Abschlusstraining war dann schon klar, dass wir keinen Torhüter hatten und dann bin ich zum damaligen Trainer Dirk Teschke gegangen und hab ihm gesagt, dass ich im Tor gar nicht so schlecht bin. Dann war die Entscheidung eigentlich klar. Wir haben 2:0 gewonnen und ich hatte ordentlich was zu tun, obwohl Fürth früh eine Rote Karte bekommen hatte.

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Apropos Rote Karte. Sie haben nie eine bekommen? Als Verteidiger. Wie ist das möglich?

Lenz: In der ersten Mannschaft nie. Einmal eine Gelb-Rote in der Reserve. Aber in der Regional- und Bayernliga hab ich eine reine Weste. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich gefühlt ein schlechtes Timing bei der Grätsche habe und so versuche die Bälle abzulaufen. So komme ich auch seltener in Situationen, die eine Gelbe oder Rote Karte nach sich ziehen.

Sie haben mit 1860 Rosenheim viele Höhen und Tiefen erlebt. Aufstiege, Abstiege. Was fällt Ihnen zu dem Namen Lukas Raeder ein?

Lenz: (der Gesichtsausdruck ändert sich schlagartig) Mein mit Sicherheit bitterster Fußballmoment. Obwohl ich nicht auf dem Platz stand, aber wir waren mit der kompletten Mannschaft im Grünwalder Stadion. Der Torhüter des FC Bayern München II hatte in der Nachspielzeit des Relegationsspiels um den Aufstieg in die 3. Liga gegen Köln einen unglaublichen Fehler gemacht.

Und was hat das mit 1860 Rosenheim zu tun?

Lenz: Bayern führte mit 2:0, hatte das Hinspiel mit 0:1 verloren und wäre somit aufgestiegen. Dann machte Raeder diesen Fehler, unterlief einen vor ihm aufspringenden Ball, Köln schoss das 2:1 und stieg auf. Wäre Bayern aufgestiegen, wären Schweinfurt und wir in der Regionalliga geblieben. So mussten wir in die Relegation. Wir sind nicht in den anschließenden Relegationsspielen gegen Schweinfurt abgestiegen, sondern in diesem Spiel. Es war im Nachhinein auch nicht richtig, dass wir uns das Spiel live angeschaut haben.

Warum?

Lenz: Das war für uns ein so emotionaler Tiefschlag, von dem wir uns nicht mehr erholt haben.

Gibt es noch weitere Spiele an die Sie sich nicht gerne erinnern?

Lenz: An die Auswärtsspiele in Buchbach. Das waren zwar immer heiße Begegnungen, aber diese Derbys sind auch eine dunkle Seite meiner Karriere. Ich habe in in Buchbach noch nicht einen Punkt geholt.

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Dann zum Schluss zu etwas Erfreulichem. An was denken Sie, wenn sie das Lied „Die immer lacht“ hören?

Lenz: An Aschaffenburg, an den Aufstieg in Regionalliga im Juni 2016. Und das ist heute noch so, wenn ich das Lied höre. Dieser Song lief in der Kabine und im Bus rauf und runter. Es sind einfach tolle Erinnerungen. Wir sind da irgendwie noch auf dem Relegationsplatz gerutscht, weil Pullach nicht in die Regionalliga aufsteigen durfte und wir deshalb als Tabellendritter die Relegation bestreiten durften.

Zurück zu aktuellen Saison. Schaffen die Sechziger den Klassenerhalt auch ohne Sie?

Lenz: Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher.

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