Fußball-Testspiele erlaubt: Es darf wieder gekickt werden

Dr. Rainer Koch war richtig sauer. „In Württemberg, Baden, Hessen, Thüringen, Sachsen, Tschechien und Österreich, nicht aber in Bayern“ dürfe an diesem Wochenende wieder Fußball gespielt werden. „Ich verstehe es im Moment nicht“, schrieb der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) am Dienstagabend auf Facebook. Aus der Traum für den TSV Bad Endorf, der am Samstag gegen den TuS Traunreut spielen wollte, und für den TSV Teisendorf, der für August schon fünf Testspiele geplant hatte?

Rosenheim– Keine 24 Stunden später kam die Kehrtwende. „Vorbereitungsspiele im Amateurfußball sind in Bayern ab sofort erlaubt!“ jubelte Koch gestern Abend.

Fußball-Trainingsspiele gehörten „ab sofort grundsätzlich zu den erlaubten Lockerungsmaßnahmen bei Mannschaftssportarten mit Kontakt“, ließ der zuständige Innen- und Sportminister Joachim Herrmann (CSU) den Präsidenten wissen. Die Mannschaften hätten schließlich in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie mit den neuen Freiheiten im Training verantwortungsbewusst umgingen. Corona-Infektionen waren dabei nicht bekannt geworden. Die einzigen Einschränkungen: „Alle am Spielbetrieb Beteiligten“ müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen, und gespielt werden darf nur gegen andere Vereine aus dem BFV. Zuschauer bleiben zunächst tabu, wie der BFV klarstellte – so wie beim Testspiel in Grassau zwischen dem SV Heimstetten und Olympique Marseille (1:6) letzte Woche, dessen Genehmigung durch die Regierung den Verband so hoffnungsfroh gestimmt hatte.

Vier Wochen Vorlaufzeit für die Vereine

Was das Umdenken bei Herrmann ausgelöst hatte, ließ Koch offen. Für den Präsidenten stand nichts weniger auf dem Spiel als Glaubwürdigkeit bei den gut 4500 Mitgliedsvereinen. Er selbst hatte die Erwartung geweckt, dass Ende Juli endlich wieder Freundschaftsspiele möglich seien – rechtzeitig vor dem geplanten Wiederbeginn der Pokal- und Punktspiele. Positive Signale waren auch aus der Politik gekommen – bevor die Staatsregierung angesichts steigender Corona-Infektionszahlen und lokaler Ausbrüche wie im niederbayerischen Mamming Muffensausen bekam und die Entscheidung auf Mitte August vertagte. „Probleme bereiten bei der Bekämpfung des Virus im Moment am allerwenigsten die Menschen, die nicht ins Ausland in Urlaub fahren, sondern zu Hause bleiben“ und Fußball spielen wollten, schimpfte Koch. Vier Wochen vorher, so hatte er es versprochen, sollten alle Bescheid wissen, wann es wieder losgeht. Für 1. September sind Pokalspiele angesetzt, da geht es unter anderem um den letzten Platz im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt.

Ab September wieder mit Zuschauern?

Nun bleibt die Hoffnung, dass es im Amateurfußball im September tatsächlich weitergehen kann – dann auch mit Zuschauern, wie der BFV versprochen hat. Bei Vorbereitungsspielen sind sie ohnehin zweitrangig – doch wie sich die Vorschriften in der Praxis umsetzen lassen, ist fraglich. Nicht jeder Dorf-Sportplatz lässt sich absperren, und Zuschauer stehen vor dem Zaun im Zweifel enger als rund um den grünen Rasen, wo 180 Fans leicht zwei Meter Abstand voneinander halten könnten.

Herausforderungen für die kleineren Vereine

Normalität wird auch im September nicht einkehren: Hygienekonzepte für Umkleiden und Duschen, Listen mit den Namen aller Fans, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können, könnten manchen kleinen Verein vor Herausforderungen stellen. BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher verspricht „in den kommenden Tagen ein handhabbares Hygienekonzept, mit dem wir und unsere Vereine unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden“. ah

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