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Vorzeitige Winterpause statt Geisterspiele

Fußball-Regionalliga spielt weiter, aber den Amateurvereinen in der Region reicht es

Muss für das Auswärtsspiel am Samstag in Schweinfurt einen Doppeldecker-Bus mieten: Burghausens Sportlicher Leiter Karl-Heinz Fenk.
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Muss für das Auswärtsspiel am Samstag in Schweinfurt einen Doppeldecker-Bus mieten: Burghausens Sportlicher Leiter Karl-Heinz Fenk.
  • VonMichael Buchholz
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Der regionale Fußball ist fast komplett in der Winterpause - von der Regionalliga Bayern mal abgesehen. Weil man die vierthöchste Spielklasse zum Profibereich angehörig erklärte, müssen die Teams aus Buchbach, Burghausen und Rosenheim auch in der höchsten Pandemielage noch antreten. Etliche Vereine haben sich dazu nun klar positioniert.

Rosenheim/Mühldorf – Winterpause im bayerischen Amateur-Fußball. Nach Inkrafttreten der 15. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung am Mittwoch hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seine Amateurvereine in die Winterpause geschickt. Nur in der Regionalliga Bayern, die im Frühjahr als Profiliga deklariert wurde, rollt der Ball weiter. Das schmeckt den meisten kleineren Vereinen, deren Spieler alles andere als Profis sind, aber angesichts der erschreckenden Corona-Inzidenzen überhaupt nicht.

Vom Passauer Land über Oberbayern bis nach Schwaben und Unterfranken ist der Tenor eindeutig: Spielbetrieb einstellen und die noch angesetzten Paarungen im Frühjahr nachholen. „Das passt von der Verhältnismäßigkeit gar nicht mehr“, sagt Burghausens Sportlicher Leiter Karl-Heinz Fenk und führt aus: „Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, aber eben eine Nebensache. Und wenn die Krankenhäuser überlaufen, sind selbst fünf oder zehn Infektionen im Fußball-Betrieb zu viel. Das ist eine ganz schlechte Außendarstellung.“

„Ein verheerendes Signal der Liga“

Auch Eichstätts Sportdirektor Johann Benz sieht es als ein verheerendes Signal, dass die Regionalliga bis zum 18. Dezember weiterspielen soll: „Gegenüber der Öffentlichkeit ist das nicht mehr darstellbar. Die Regionalliga ist einfach keine Profiliga, auch wenn sie so eingestuft wurde.“ Der Großteil der Spieler bei den 20 Vereinen der Regionalliga sind reine Amateure und meilenweit davon entfernt, mit Fußball ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Wir haben nie für eine Profiliga votiert, Wir wurden weder gefragt, noch stehen wir dahinter. Dass wir jetzt weiterspielen müssen, wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden. Angesichts der Inzidenzen von teilweise weit über 1000 sehen wir das sehr kritisch. Uns fehlt dafür das Verständnis“, sagt Schaldings Sportlicher Leiter Markus Clemens.

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„Im Sommer war alles richtig, was der Verband gemacht hat. Da war Aufbruchstimmung, die Leute waren hungrig nach Fußball, aber jetzt muss der Deckel draufgemacht werden. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der wir unser Gesundheitssystem nicht noch weiter belasten können“, findet Buchbachs Abteilungsleiter Georg Hanslmaier, der wie seine Kollegen der Ansicht ist, dass genug Spiele ausgetragen wurden, um jetzt abzubrechen und die Spieltage im Frühjahr nachholen zu können: „Die Regionalliga Bayern stellt in dieser Saison einen der Direktaufsteiger in die 3. Liga, somit fällt der Zeitdruck der Relegation weg, wir können also bis Ende Mai spielen.“

„Deckel draufmachen und ab in die Winterpause“, fordert Buchbachs Abteilungsleiter Georg Hanslmaier.

Ähnlich sieht es auch Rosenheims Sportlicher Leiter Hansjörg Kroneck: „Zum Schutz von uns allen wäre es vernünftiger, jetzt nicht mehr Fußball zu spielen. Mir wäre am liebsten, wenn sich alle solidarisch erklären würden und wir einfach aufhören könnten.“ Kroneck führt auch die Verantwortung des Fußballs an: „Wir bewegen uns in einem semi-professionellen Bereich, in dem die Spieler arbeiten müssen. Infektionen aus dem Fußball werden in die Arbeitswelt getragen und umgekehrt. Da können wir noch so viel testen.“

„Spieler riskieren ihren Arbeitsplatz“

Drastischer formuliert es Rains Abteilungsleiter Alexander Schroder: „Für uns steht die Gesundheit der Spieler im Vordergrund. Wer ist denn verantwortlich, wenn die Leute trotz Testungen auf die Intensivstation müssen?“ Schroder sieht eine allgemeine Verunsicherung und warnt: „Wenn wir weiterspielen, nehmen wir fahrlässig in Kauf, dass Spieler ihren Arbeitsplatz riskieren.“

Den Arbeitsplatz der Spieler hat auch Benz im Hinterkopf: „Audi ist bei uns in der Region natürlich einer der größten Arbeitgeber, bei dem auch ein Teil unserer Spieler beschäftigt sind. Bei Audi müssen die Ungeimpften mittlerweile einen eigenen Eingang benützen, aber bei uns im Fußball dürfen auch Ungeimpfte mitspielen.“ Das ist freilich nur aufgrund der Einstufung als Profiliga möglich. „Somit können gemäß §3 Abs. 2 der 15. BayIfSMV auch Ungeimpfte und Nichtgenesene am Trainings- und Spielbetrieb der Regionalligamannschaften teilnehmen, da es sich dabei um „berufliche […] Tätigkeiten [handelt], […] bei denen ein Zusammenwirken mehrerer Personen zwingend erforderlich ist“, heißt es von Verbandsseite her.

Ungeimpfte dürfen nicht mehr ins Stadion

Ungeimpfte Zuschauer haben allerdings keinen Zutritt mehr ins Stadion, da seit Mittwoch die 2G-plus-Regelung gilt, in Landkreisen und kreisfreien Städten mit Inzidenzen über 1000 dürfen nur noch Geisterspiele ausgetragen werden. „Keine 50 Mann“, schätzt Schroder die Zahl der Zuschauer, wenn Rain am Samstag den FV Illertissen empfängt. „Bei 2G-plus kommt doch keiner mehr“, ist sich auch Benz sicher, dessen Team am Samstag in Pipinsried zu Gast ist. Und selbst Schweinfurts Clubchef Markus Wolf sagt: „Am Dienstag hatten wir in unserem Nachholspiel gegen Greuther Fürth II 300 Zuschauer, so wenig hatten wir in einem Punktspiel seit 1990 nicht mehr.

Hans Kroneck: „Infektionen aus dem Fußball werden in die Arbeitswelt getragen“.

Unter den aktuellen Auflagen werden auch am Samstag gegen Wacker Burghausen nicht recht viel mehr Fans ins Stadion kommen. Mit so wenigen Zuschauern zahlen wir praktisch drauf, weil wir auch eine Reihe von fixen Kosten haben.“ Die Schweinfurter zählen zu den wenigen Profivereinen der Liga, aber selbst für die Proficlubs rechnet sich die Weiterführung der Liga unter den aktuellen Bedingungen laut Wolf nicht: „Für uns bringt das keine Vorteile, im Gegenteil. Wirtschaftlich gesehen wäre es für uns die beste Lösung, wenn wir unsere Spieler in die Kurzarbeit schicken könnten.“

Welche Blüten das Zusammenspiel zwischen Spielbetrieb und gesetzlichen Vorgaben treibt, weiß Fenk von Schweinfurt-Gegner Burghausen: „Ich habe bei unserem Busunternehmer für Samstag einen Bus bestellt. Dort wollte man das gar nicht glauben, weil alle Fernreisen und Tagesausflüge abgesagt wurden. Um die Abstände im Bus wahren zu können, müssen wir jetzt einen Doppeldeckerbus mieten. Spieler, Trainer und Betreuer müssen während der gesamten Fahrt eine FFP2-Maske tragen, ansonsten drohen dem Busunternehmen gesetzliche Strafen. Für mich ist das Wahnsinn, vier Stunden mit Maske im Bus zu und dann soll man Fußball spielen.“

Weder Zuschüsse noch Fernsehgeld

Dass die Vereine unter den aktuellen Bedingungen aufgrund der fehlenden Zuschauereinnahmen finanziellen Schaden nehmen, liegt auf der Hand, dass die vielen Tests auch viel Geld kosten, ist die andere Sache. Profiliga-Status hin oder her, wenn es um die Fleischtöpfe der DFL geht, bleibt die Regionalliga Bayern ohnehin außen vor. „Es kann nicht sein, dass wir weder Corona-Zuschüsse noch Fernsehgeld bekommen. Unter diesen Voraussetzungen können wir über Dauer nicht überleben“, kritisiert Schweinfurts-Boss Wolf.

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