Hans Kroneck (1860) über die Saisonfortsetzung: „Kein Sinneswandel, sondern nur vernünftig“

In die Planungen vertieft: Hans Kroneck.
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Rosenheim – Der Fußball-Regionalligist 1860 Rosenheim war erst für einen Saisonabbruch, hat aber jetzt für eine Fortsetzung der Saison gestimmt. Warum die Wende kam und welche Spieler zum Kooperationspartner SBR wechseln, erzählt der Sportliche Leiter Hans  Kroneck den OVB-Heimatzeitungen.

 

Die Saison in der Regionalliga Bayern wird jetzt nach BFV-Beschluss in Absprache mit den Vereinen fortgesetzt. 1860 Rosenheim war erst für einen Abbruch, hat jetzt aber für eine Fortsetzung gestimmt. Woher kommt der Sinneswandel?

Hans Kroneck: Es war in diesem Sinn kein Sinneswandel, sondern nur vernünftig. Ja, wir waren vor zwei Monaten für den Abbruch der Saison, aber da war natürlich die Corona-Situation auch anders. Außerdem haben wir zusammen mit den anderen Regionalliga-Vereinen und dem Bayerischen Fußball-Verband sehr konstruktive Lösungen erarbeitet. Bei einem Abbruch wäre es so gewesen, dass man die neue Saison vom 1. September 2020 bis 1. Mai 2021 mit einer 20er-Gruppe und folglich 38 Spieltagen durchziehen hätte müssen. Bei nur 27 zur Verfügung stehenden Wochenende im Rahmenterminkalender hätte es elf englische Wochen gegeben.

Vielleicht sogar mehr, wenn es durch das Virus eine erneute Zwangspause geben würde.

Kroneck: Natürlich wären es noch mehr englische Wochen gewesen und das kann man im semi-professionellen Bereich den Spielern aber auch den Arbeitgebern nicht mehr zumuten. Somit war für uns der Abbruch auch kein Thema mehr.

Wir bereitet sich 1860 Rosenheim auf den Re-Start vor?

Kroneck: Die Mannschaft hat am vergangenen Freitag das letzte Mal trainiert und hat jetzt zwei Wochen komplett frei. Dann gibt es für drei Wochen einen Heim-Trainingsplan den das Trainerteam zusammen mit Hans Friedl erarbeitet hat. Dieser Trainingsplan wird natürlich auch kontrolliert. Danach gibt es drei Vorbereitungsphasen: eine mit zwei Trainingseinheiten auf dem Platz und einem Athletik-Training, dann steigern wir auf drei Einheiten plus eine Athletikeinheit und anschließend folgen drei Trainingseinheiten plus Vorbereitungsspiele, wenn das überhaupt möglich ist.

Mit welcher Mannschaft werden die Sechziger den Kampf um den Klassenerhalt angehen?

Bis letzten Freitag trainierten die Sechziger mit dem nötigen Abstand. Jetzt hat die Mannschaft zwei Wochen frei.

Kroneck:  Da sind wir gerade in den Planungen. Natürlich auch zusammen mit unserem Kooperationspartner Unterhaching – und wir sind auf einem guten Weg. Wir wollen natürlich versuchen, mit allem was uns zur Verfügung, steht die Liga zu halten.

Um auch den Nachwuchsspielern aus dem Jugendbereich eine Perspektive zu bieten, höherklassig zu spielen.

Kroneck: Natürlich. Vor allem, weil jetzt nach dem Abbruch der Jugendsaison feststeht, dass wir mit den U19-Junioren weiter in der Bayernliga spielen werden, dass wir mit der B-Jugend in die Bayernliga aufgestiegen sind und die U13 Meister in der Bezirksoberliga vor Bayern München geworden ist. Wir sind im Jugendbereich toll aufgestellt, sodass wir natürlich auch im Herrenbereich unbedingt die Regionalliga halten wollen.

Einige Spielerverträge enden am 30. Juni und die Wechselfrist beginnt am 1. Juli. Gibt es schon feststehende Abgänge beziehungsweise Neuzugänge?

Kroneck: Tatsache ist, dass mehrere Verträge am 30. Juni auslaufen und wir mit allen Spielern im Kontakt. Bis auf die Unterhachinger Spieler, die zurückkehren werden, haben wir aktuell noch keinen Abgang zu verzeichnen. Wir haben aber auch noch mit keinem Spieler verlängert. Das hat aber nichts mit den Spielern oder dem Verein zu tun, sondern ist allein der Corona-Krise geschuldet weil man ja gar nicht gewusst hat, wie es weitergeht. In den nächsten zwei bis drei Wochen werden wir mehr wissen.

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Kehren alle vier Unterhachinger zurück?

Kroneck: Niclas Anspach und Christoph Ehlich kehren definitiv nach Haching zurück. Das war so vereinbart. Bei Stephan Mensah muss man schauen. Da steht noch nicht fest, ob er auch zurückkehren will, oder eventuell bei uns bleibt. Da sind wir in Gesprächen. Alex Kaltner hat sich leider schwerer verletzt und kann dadurch bei uns nicht mehr spielen.

Apropos Verletzung. Wie geht es eigentlich Alin Goia und wie sieht es im Torhüter-Bereich aus?

Kroneck: Torhüter Alin Goia hat noch einen Vertrag bei uns und ihm geht es nach seinem schweren Trainingsunfall wieder sehr gut. Er hat keine Spätfolgen. Da hatte er wirklich ein Riesenglück im Unglück. Auch Niklas Pfister ist definitiv nächste Saison bei uns, dazu kommt aus der U19 Lino Volkmer, wobei wir jetzt noch nicht wissen, ob er nicht eventuell beim Kooperationspartner SB Rosenheim Spielpraxis sammelt. Jakob Mayer, der vom FC Bayern München ausgeliehen war, wollte eigentlich bei uns Spielpraxis im Herrenbereich sammeln, was aber durch die Corona-Krise nicht möglich war. Da sind wir in Gesprächen, ob er bei uns ein Jahr weitermacht oder ob er beim FC Bayern bleibt.

Sie haben den SB Rosenheim angesprochen. Was ist in dieser Kooperation geplant?

Kroneck: Wir haben mit dem SBR, das möchte ich ausdrücklich betonen, ein hervorragendes Verhältnis. Es werden unsere vier größten Talente der U19-Junioren zum Sportbund wechseln. Das sind Luca Jesse, Marinus Bachleitner, Georg Hanslmayer und Simon Kolb. Sie werden zweimal in der Woche bei uns und zweimal beim SBR trainieren.

Sie werden also weiter beobachtet und sollen Spielpraxis sammeln?

Kroneck: Genau. Wir haben einen Video-Analysten auf Minijob-Basis angestellt, der die Spieler im Training und bei Spielen beobachtet. Unsere Trainer werden einmal wöchentlich die Daten auswerten und mit den Spielen besprechen. Auf diesem Weg wollen wir versuchen die Jungs an die Regionalliga heranzuführen. In den letzten viereinhalb Jahren ist es uns nicht gelungen, dass wir einen Spieler aus der eigenen Jugend in der Stamm-Mannschaft der Herren platzieren konnten.

Und irgendwann waren die Spieler weg...

Kroneck: Und das wollen wir verhindern. Jetzt haben wir diesen Weg eingeschlagen, haben alle Spieler mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet. Das ist ein sogenannter Fördervertrag. Wir wollen versuchen, dass die Spieler den nächsten Schritt machen und deshalb wird auch hier ein Riesenaufwand betrieben. Natürlich müssen die Spieler beim Sportbund gute Leistungen abliefern. Da ist keiner gesetzt, da herrscht Konkurrenzkampf. Jetzt müssen sie sich erst einmal im Herrenbereich in der Landesliga durchsetzen und dann werden wir hoffentlich den einen oder anderen wieder bei uns sehen.

Thema U19: Trainer Markus Wallner hört auf. Gibt es schon einen Nachfolger?

Kroneck: Nein, gibt es noch nicht. Markus Wallner hat uns Bescheid gegeben, dass er aufgrund seiner familiären Situation mit dem Nachwuchs und der Arbeitssituation dem Aufwand in der U19-Bayernliga zeitlich nicht mehr gerecht werden kann. Wir sind so verblieben, dass ein Anruf genügt – und wir ihn wieder bei uns einbauen werden. Natürlich wollen wir auch den Jugendbereich mehr professionalisieren. Da kommen Videoanalysen und Spielbeobachtungen dazu, und der Zeitaufwand wird noch größer. Vielleicht muss man – was das Trainerteam betrifft – innovativ denken und nicht die klassische Lösung mit einem U19-Trainer und Herren-Trainer favorisieren. Vielleicht muss man ein großes Trainerteam bilden, sodass die Vernetzung zwischen A-Jugend und Herren noch besser ist. Da arbeiten wir gerade an verschiedenen Modellen. Wir haben gesagt, laut denken ist erlaubt – und jetzt schauen wir mal, was wir für eine Lösung finden. INTERVIEW: H.-J. Ziegler

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