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„Kirchenbesuche halfen nicht immer“

Ex-Bürgermeister Steindl erinnert sich: Als Burghausen vor 20 Jahren erstmals 2. Liga spielte

Kultfigur: Burghausens Bürgermeister Hans Steindl (rechts) am Millerntor im St.-Pauli-Trikot.
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Kultfigur: Burghausens Bürgermeister Hans Steindl (rechts) am Millerntor im St.-Pauli-Trikot.
  • VonKarlheinz Kas
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20 Jahre ist es her, als der SV Wacker Burghausen erstmals in der 2. Fußball-Bundesliga auflief. Ex-Bürgermeister Hans Steindl erinnert sich an große Spiele, Blamagen und eine wohl einmalige Tradition im deutschen Fußball.

Burghausen – Die Hohe Domkirche St. Peter zu Trier hatte vor 20 Jahren Besuch aus Burghausen: Eine kleine Gruppe um den damaligen Bürgermeister Hans Steindl betrat am frühen Nachmittag die älteste Bischofskirche Deutschlands, hielt inne und bestaunte die abendländische sakrale Baukunst. Ob auch Gebete gesprochen wurden, ist nicht überliefert, wohl aber, dass Steindl und Co. bei fast allen Auswärtsspielen des SV Wacker Burghausen in der 2. Fußball-Bundesliga vor den Spielen die örtlichen Kirchenbauwerke aufsuchten.

„Oft hat es geholfen“

„Oft hat es geholfen, natürlich nicht immer“, erinnert sich Steindl im Gespräch mit der Heimatzeitung. An jenem 10. August ging es aus dem Gotteshaus dann direkt ins Stadion von Eintracht Trier, wo der SV Wacker sein erstes Zweitligaspiel bestritt. Eine 1:2-Niederlage stand am Ende vor 6200 Zuschauern, Steindl weiß aber heute noch, „wir waren ebenbürtig, hätten beim Mitaufsteiger einen Punkt verdient gehabt“.

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Oftmals klappte es mit der göttlichen Eingebung für die Burghauser Delegation, vor allem in Aachen. „Wir waren vier Mal dort, haben drei Mal gewonnen, den Aachener Dom haben wir richtig liebgewonnen“, erzählt Steindl voller Begeisterung, ergänzt aber gleich um die schwärzeste Auswärtsstunde des SV Wacker. „Die habe ich in Köln erlebt, wir haben eine 1:8-Klatsche gekriegt, es war mein einziges Auswärtsspiel, bei dem ich schon bei der Pause heimgefahren bin“, so Steindl. Auch damals sei man im dortigen Dom gewesen, was anschließend im Stadion passierte, darüber wollte er nicht weiter reden.

Höhepunkt war ein Sieg bei 1860 München

Steindl war in Burghausens Zweitliga-Geschichte bei 80 bis 90 Prozent der Auswärtsspiel live im Stadion. Während Mannschaft, Trainer, Manager und Betreuer zumeist schon tags zuvor abfuhren, reiste die Steindl-Mannschaft immer erst privat am Spieltag an.

Steindl berichtet auch, dass Burghausen als Aufsteiger und Nobody in der Liga auswärts oftmals benachteiligt worden sei. „Aber wir haben von Beginn an gemerkt, dass wir mithalten können, dass wir ebenbürtig sind, ja gleichwertig, unsere Mannschaft war gut“, bilanziert der Ex-Bürgermeister, der selbst begeisterter Fußballer war. Absoluter Höhepunkt der fünf Zweitliga-Jahre sei das Spiel bei 1860 München im Grünwalder Stadion gewesen. „10 000 Burghauser waren dabei, wir haben 4:2 gewonnen und haben dann bei der Rückkehr am letzten Tag der Landesgartenschau in Burghausen gefeiert, es war der 4. Oktober 2004“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Regenschlacht als Tiefpunkt

Aber er habe nicht nur Glanzzeiten erlebt, als weiteren Negativpunkt nach dem Kölner 1:8 nannte Steindl das Spiel gegen 1860 München in der Allianz-Arena. Dort habe der Niedergang im Abstiegsjahr nicht gestoppt werden können. „Wir haben 1:5 verloren, hatten mit Fred Arbinger schon einen neuen Trainer, es war eine Regenschlacht, ein Tiefpunkt“, berichtet er.

Lob für Gaugler

Lob hat Steindl aber für Manager Kurt Gaugler parat. Mit viel Gefühl habe er damals eine zweitliga-taugliche Mannschaft zusammengestellt. Gaugler weiß vom Spiel in Trier noch: „Wir sind ewig lang gefahren, haben in der Nähe von Pirmasens übernachtet und unser Mittelfeld hatte ein Durchschnittsalter von 22, aber wir haben uns gut präsentiert. Leider haben wir einige hochkarätige Chancen vergeben.“ Trainer Rudi Bommer meinte damals: „Ich bin nicht traurig über die 1:2-Niederlage, weil wir nun wissen, woran wir noch arbeiten müssen. Aber solche Torchancen wie hier bekommt man auswärts nicht alle Tage.“

„Riesige Begeisterung in der gesamten Region“

Mutig: Der junge Roland Bonimeier.

Gut in Erinnerung hat Roland Bonimeier noch das Spiel in Trier, dem im übrigen die deutschen Fußballgrößen Jürgen Kohler und Stefan Kuntz auf der Tribüne beiwohnten. „Es war große Euphorie damals, die Aufregung war gerade bei uns jungen Spielern da, aber die Stimmung war bestens, ich stand leider nicht in der Anfangsformation“, erzählt der heute 40-Jährige, der damals Jüngster im Wacker-Aufgebot war. Bonimeier wurde nach der Pause für Manfred Burghartswieser eingewechselt. Später kam auch noch Thomas Broich, heute Fußball-Experte bei der ARD. Bonimeier werde heute immer wieder auf die Zeit in der 2. Liga angesprochen. „Ja, da war eine riesige Begeisterung in der gesamten Region bei den Zuschauern, aber auch bei uns jungen Spielern.“

Thomas Broich als Jungspund im Dress von Wacker Burghausen.

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„Wir waren eine wirklich gute Truppe“

Einer, der heute noch mit Wacker zu tun hat, ist Kay Wehner. Gaugler holte den Torwart im Winter 2000 von Union Berlin. Und er war in der folgenden Saison gleich Aufstiegsheld. „Wir waren eine wirklich gute Truppe, ich wurde bestens aufgenommen, hatte sofort Anschluss, ja die Begeisterung war groß, vor allem aber über den Aufstieg in die 2. Liga“, erzählt der 51-Jährige, dem es in Burghausen so gut gefiel, dass er hier geblieben ist. Er lebt mit seiner Familie in Altötting und arbeitet seit 15 Jahren bei Wacker Chemie als Disponent. Wehner war auch Mit-Initiator, als sich zum Heimspiel des SV Wacker gegen Pipinsried in der letzten Saison die alte Burghauser Meistermannschaft traf. „Ein schöner Tag, immerhin war ein Großteil unserer damaligen Truppe da“, sagt er.

Kay Wehner pariert in dieser Szene.

Eine großartige Saison

Der Spielverlauf von Trier ist schnell erzählt: Braham brachte die Gastgeber in Führung (17.), Konetzke, der später Lützler weichen musste, glich aus (34.), aber Latinovic sorgte für den Trierer Sieg (57.). Die Erfolge stellten sich für Burghausen dann aber schnell ein. Es war eine großartige Saison mit ausgeglichener Bilanz von zehn Siegen und zehn Niederlagen bei 14 Unentschieden. Burghausen hatte nie etwas mit dem Abstieg zu tun, stand auch nie auf einem Abstiegsplatz, am Ende war es Rang zehn, vier Punkte hinter Mitaufsteiger Eintracht Trier, der Siebter wurde. Meister war damals der SC Freiburg. Mit ihm stiegen der 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt wieder auf, Absteiger im 18er-Feld waren Eintracht Braunschweig, SSV Reutlingen, der FC St. Pauli und Waldhof Mannheim.

Wacker-Manager Kurt Gaugler mit Trainer Rudi Bommer und Abteilungsleiter Volker Radius (von links).

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