Fünf Wechsel pro Spiel? Was für Fußball-Profis gut ist, soll auch bei den Amateuren gelten

Umfrage unter den einheimischen Trainern Thomas Kasparetti, Michael Kokocinski, Mario Reichenberger und Franz Pritzl (von links).

In der Fußball- Bundesliga war es eine Neuerung nach der Corona-Pause, jetzt soll es eventuell auch bei den Amateuren gelten: Fünf Wechsel pro Spiel. Die OVVB-Sportredaktion hat sich bei einigen Trainern umgehört.

Rosenheim/Mühldorf– Nachdem nach der corona-bedingten Pause in den deutschen Fußball-Profiligen fünfmal ausgewechselt werden darf, will der Bayerische-Fußball-Verband (BFV) diese Regel auch in den Amateurligen übernehmen. Die Rede ist von Regional-, Bayern-, Landes- und Bezirksliga. Von der Kreisliga abwärts ist eh das Rückwechseln erlaubt.

Vier Fragen für vier Trainer aus der Region

Die OVB-Sportredaktion hat sich bei einigen Trainern aus der Region und aus den verschiedenen betroffenen Spielklassen über ihre Meinung zu der neuen Wechselregel umgehört und folgende Fragen gestellt: 1. Wie würden sie es finden, wenn diese Regel kommt? Was sehen Sie für Vor- und Nachteile? 2. Sind fünf Wechsel zuviel, immerhin haben die Spieler bis Wiederbeginn eine ähnlich lange Vorbereitungszeit wie sonst? 3. Stört es den Spielfluss, wenn die halbe Mannschaft ausgetauscht werden kann? 4. Sollten es wieder drei Wechselmöglichkeiten werden und, wenn ja, wann?

„Mehr Spielzeit für junge Spieler“

Thomas Kasparetti, TSV 1860 Rosenheim (Regionalliga Bayern):

1. Positiv, nach der langen Zeit sind die Spieler die Belastung nicht mehr gewohnt. Wir haben ja auch viele junge Spieler. Mit fünf Wechselmöglichkeiten kann ich diesen mehr Spielzeit geben.

2. Man muss ja nicht zwingend fünf Mal wechseln. Wenn so etwas nicht jetzt getestet wird, wann dann?

3. Man kann es in der letzten Viertelstunde brutal nutzen. Aber es ist schwierig zu sagen, wann ein Wechsel Zeitspiel ist. Die Schiedsrichter haben das mittlerweile besser in der Hand, daher wird sich das Zeitspiel, so glaube ich, in Grenzen halten.

4. Ich bin eigentlich kein Fan davon, das Spiel künftig zu verändern. Man muss sich das Ganze fair anschauen und offen an die Sache herangehen.

„Der Trainer hat mehr Möglichkeiten“

Michael Kokocinski, TSV 1880 Wasserburg (Bayernliga Süd):

1. Zur Corona-Zeit finde ich es sehr gut, öfter wechseln zu dürfen. Jeder bekommt genug Spielzeit, vor allem die jungen Spieler bekommen ihre Praxis.

2. Das stimmt, ich finde es aber auch – abgesehen von der Zwangspause – nicht verkehrt. Die Spieler müssen nicht mehr nach den Spielen enttäuscht heimfahren, weil sie nicht gespielt haben. Natürlich haben sie keine Einsatzgarantie, aber der Trainer hat mehr Möglichkeiten.

3. Das Spiel stören nicht unbedingt, verändern aber auf jeden Fall. Vor allem für Mannschaften, die Pressing spielen, kann es ein Vorteil sein, zum Ende noch mehr frische Kräfte bringen zu können. Das Spiel kann auch komplett auf den Kopf gestellt werden. Wenn du als Trainer merkst, dass es nicht läuft, kannst du fünf Spieler austauschen.

4. Ich würde es gar nicht mehr ändern, zumindest im Amateurbereich. Ich sehe es als Vorteil für die Spieler und den Trainer.

„Uns würden drei Wechsler reichen“

Mario Reichenberger, FC Töging (Landesliga Südost):

1. Wenn es nach mir gehen würde, wäre es bei drei Wechseln geblieben. Ich bin keiner, der immer alle Wechselmöglichkeiten ausschöpft, daher werde ich auch nicht immer zwingend fünf Mal wechseln. Trotzdem werden wir die Regel nutzen, da der Gegner sonst einen Vorteil hat.

2. Wir haben zuletzt ein Mal in der Woche trainiert und die Spieler schauen gut aus, wir werden bis zum Wiederbeginn gut hinkommen. Uns würden drei Wechsler reichen.

3. Auf jeden Fall, der Spielrhythmus wird sich dadurch sicherlich verändern.

4. Ich glaube schon, es wird aber darauf ankommen, wie es im Profibereich verläuft. Wir im Amateurfußball passen uns oft den Profis an, daher denke ich, dass das so ähnlich verlaufen wird.

„Die Spieler konnten sich erholen

Franz Pritzl, TSV Bad Endorf (Bezirksliga Ost):

1. Wir hatten jetzt eine lange Pause, die Spieler konnten sich erholen und haben sich fit gehalten. Daher ist es meiner Meinung nach nicht zwingend. Andererseits kann ich als Trainer meinen Spielern ausreichend Spielpraxis bieten.

2. Das bevorstehende Programm ist nicht übermäßig, wir haben keine englischen Wochen oder Ähnliches. Wir würden auch mit drei Wechslern wie bisher zurechtkommen.

3. Wenn man hinten ist und fünf Offensive auf der Bank hat, kann das ein Spiel natürlich ändern.

4. Ich finde es in einer normalen Saison nicht schlecht. Nur: Je weiter es in den Ligen nach unten geht, desto mehr haben die Mannschaften mit einem breiten Kader einen klaren Vorteil. In den besseren Ligen sind fast alle Mannschaften gut besetzt.

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