Sepp Folger: Mit 2,10-Slalom-Latten schrieb der Bruckmühler in Kitzbühel Geschichte 

Sepp Folger war ein Meister zwischen den Slalomstangen.

Wenn sich am Sonntag die besten Slalomfahrer in Kitzbühel bei den Hahnenkamm-Rennen messen, erinnert man sich in heimischen Gefilden unweigerlich an Sepp Folger.

Bruckmühl – Das Skisport-Ass aus Bruckmühl fuhr vor genau 70 Jahren beim Slalom in beiden Durchgängen Bestzeit und gewann als erster Deutscher in Kitzbühel. Sepp Folger ist vor knapp sieben Jahren im Alter von 91 Jahren gestorben, aber wer einmal in Kitzbühel am Hahnenkamm gewinnt, den vergisst man nicht.

Die Slalomski waren 2,10 Meter lang

Folger hat das geschafft, was insgesamt erst fünf deutschen Skirennläufern gelungen ist: Er gewann den Slalom der Hahnenkamm Rennen – mit Startnummer 30. Das war 1950, als 27-Jähriger. „Der Hang ist immer noch derselbe wie damals“, erzählte Sepp Folger bei seinem 90. Geburtstag 2012. Allerdings werde heute viel besser präpariert. „Bei uns waren noch Buckel und Schläge drin“, erinnerte sich Folger. „Jetzt fahren sie auf Autobahnen.“

Auch die Ausrüstung ist wesentlich besser geworden. Folger trat noch in Keilhose und Anorak auf 2,10 Meter langen Skiern an. Jetzt sind sie viel kürzer und wesentlich taillierter. „Da schlurft man natürlich leichter durch die Stangen als wir damals mit unseren langen Hunden. Aber auch bei 100 km/h auf zwei Latten pfiff der Wind damals ganz schön“, erinnerte sich Folger.

„Der sagenhafte Slalom-Sepp“ lautete die Schlagzeile über Sepp Folger aus Bruckmühl, der vor 70 Jahren in Kitzbühel gewann. Das Bild entstand bei seinem 90. Geburtstag.

Statt Helm eine Haube, statt Skistiefel Lederschuhe – klar, dass da die Knie bei der Fahrt noch mehr gezittert haben. „Um da mitzufahren, musste man verrückt sein“, so Folger. Und die heute nachgebenden Kippstangen seien damals noch richtige „Prügel“ gewesen. Die Ideallinie – damals eine schmerzhafte Angelegenheit.

Mit Rad und Skiernzum Wendelstein

Zum Training fuhr Folger so oft wie möglich mit dem Fahrrad nach Brannenburg zum Wendelstein. „Die Skier hatten wir seitlich ans Rad gebunden, die Schuhe hingen am Lenker“, erinnerte sich Folger vor sieben Jahren. Für 75 Pfennig ging es dann mit der Bahn hinauf ins Skigebiet. Die Bahnfahrt allein war für die damalige Zeit ein Luxus für den Skirennläufer. Das war finanziell nicht allzu oft drinnen.

Deshalb gehörte auch eine kleine Anhöhe nahe Bruckmühl zu Folgers Trainingsplätzen. „Der Hügel hatte nur zwölf bis 15 Höhenmeter. Dort habe ich mir Stangen in den Hang gesteckt und dann stundenlang trainiert“, erinnert er sich.

Der Weg vom Buben am Bruckmühler Hügel bis zum Gewinner in Kitzbühel war ein sehr weiter. An seinen Erfolg in „Kitz“ erinnern die Gondeln der Hahnenkamm-Bergbahn. Auf der Gondel 52 prangt in goldenen Lettern sein Name.

Nach der Karriere widmete sich Sepp Folger dem Training von Talenten

Nur ein Ziel blieb für den Ski-Rennfahrer unerreichbar: Olympia. „1940 und 1944 sind die Spiele wegen des Zweiten Weltkriegs ausgefallen und 1948 durften wir Deutsche als Kriegsverbrecher nicht teilnehmen.“

Nach seiner aktiven Karriere trainierte Folger hoffnungsvolle Talente. Zudem halfen seine Erfahrungen einigen Skiherstellern bei der Entwicklung neuer Modelle. Bei der Geburtsstunde der Marker-Bindung etwa war Folger hautnah dabei – die erste Bindung, die bei Stürzen aufging, um Verletzungen zu vermeiden.

Seine Leidenschaft am Sport teilte er mit vielen anderen Prominenten. Seinen 90. Geburtstag feierte er unter anderem mit Franz Beckenbauer. Und auch Ex-Fußballbundestrainer Erich Ribbeck gehört zu seinen regelmäßigen Gästen. rf/bz

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