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HISTORISCHE FUßBALL-SERIE

1. FC Traunstein war der Beste - aber nicht gut genug

Der TuS Raubling lockte schon früh wieder viele Zuschauer auf den Fußballplatz. 1951 schaffte man den Sprung in die Kreisliga.
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Der TuS Raubling lockte schon früh wieder viele Zuschauer auf den Fußballplatz. 1951 schaffte man den Sprung in die Kreisliga.

Teil vier der Serie „Als der Fußball wieder ins Rollen kam“: Diesmal geht es um die Wachablösung an der Spitze des Kreises Inn/Salzach im Jahr 1950: Der 1. FC Traunstein hat sich vor der bislang dominierenden Mannschaft aus Rosenheim behauptet. Und im Inntal beginnt der Aufstieg des TuS Raubling.

Rosenheim/Mühldorf – Die Wachablösung ist gelungen: 1950 kommt das beste Fußball-Team zwischen Inn und Salzach zum ersten Mal nicht aus Rosenheim. Der 1. FC Traunstein holt sich zum zweiten Mal nach 1948 die Meisterschaft in der Kreisliga Oberbayern. Mit 33:11 Punkten und 62:28 Toren liegt der FC in der Gruppe B zwei Zähler vor dem starken Neuling FC München-Perlach. Die Aufstiegsrunde scheint diesmal eine kleinere Hürde zu sein als zwei Jahre zuvor. Weil zwischen der Oberliga und der Landesliga die II. Liga Süd mit sieben bayerischen Vereinen eingeschoben wird, qualifizieren sich drei der sechs südbayerischen Teilnehmer für die höchste bayerische Spielklasse.

Aus nach den Entscheidungsspielen

Über zwei Monate, von Ende April bis Anfang Juli, zieht sich die Runde, die Traunsteiner Gegner heißen SpVgg Plattling (sie hat in Niederbayern den SSV Eggenfelden distanziert), TSG Augsburg, Regensburger Turnerschaft, BSC Sendling und VfL Günzburg. Nacht acht Spielen hat der 1. FC acht Punkte – noch alles drin. Doch dann setzt es ein bitteres 1:3 im Triftstadion, mit dem Plattling den Aufstieg bejubelt. Mit einem Sieg gegen Augsburg könnten die Traunsteiner zumindest noch ein Entscheidungsspiel gegen den Vierten aus der Nord-Gruppe erzwingen, doch ein 0:3 macht alle Rechenspiele überflüssig.

Immerhin bleiben alle vier Inn-Chiem-Vertreter in der oberbayerischen Kreisliga. Aufsteiger TuS Bad Aibling wird Zehnter, die FA Trostberg landet auf Platz sechs, und der TSV 1860 Rosenheim steht in der Endabrechnung auf Platz drei. Der ASV Rosenheim ist seit März 1950 offiziell Geschichte, er hat den Traditionsnamen TSV 1860 wieder angenommen.

In Rosenheim wird aus dem TuS der ESV

Schon 1947 hatten sich die ersten der ein Jahr zuvor zwangsfusionierten Rosenheimer Sportvereine wieder selbstständig gemacht. Einer der ersten heißt TuS Rosenheim. Er sieht sich in der Tradition der alten Reichsbahn-Sportgemeinschaft (RSG). Doch die Staatsbetriebe Bahn und Post als Träger von Sportvereinen sind für die amerikanischen Besatzer so kurz nach dem Krieg ebenso tabu wie für den Bayerischen Fußball-Verband (BFV). Man behilft sich mit „Tarn-Namen“: So wird der TuS Rosenheim erst 1951 offiziell wieder zum ESV. In Freilassing gründet sich der Reichsbahn-Turn- und Sportverein als TSV neu, ab 1951 steht das E in ESV für „Erster Sportverein“, ehe der BFV Behörden- und Firmen-Sportvereine offiziell wieder zulässt und der ESV endlich das sein darf, was er ist: ein Eisenbahner-Sportverein.

Anderswo bewältigt man noch die Nachwehen der 1920er-Jahre. Damals hatten sich die Turner in der sogenannten „reinlichen Scheidung“ in ganz Deutschland von den Fußballern getrennt, deren Wettkampf-Gedanken sie verachteten. So entstand 1946 aus dem alten FC Wasserburg zunächst der SV 46 als Fußball-Verein, erst 1955 vereinigte er sich mit dem Turnverein zum TSV 1880. In Mühldorf geht man einen anderen Weg: Dort schließen sich die Fußballer des TSV 1860 im Jahr 1949 mit dem Arbeiter-SV zur Spielvereinigung (SpVgg) zusammen.

Zahl der Vereine steigt rasant an

Die Zahl der Fußballvereine in Bayern nahm rasant zu. 1946 waren es 850, vier Jahre später schon 2600. Der Zustrom der Vertriebenen aus den Ostgebieten, die auf dem Land unterkamen, ließ dort oft erst Fußballmannschaften entstehen. Als die Neubürger in den 1950er-Jahren in die größeren Städte abwanderten, sank die Zahl der Vereine auf dem Land zeitweise deutlich. 1949 fallen aber zwei Neugründungen auf: der VfL Kraiburg-Hart und der Arbeiter-Sportverein (ASV) St. Georgen bestreiten ihre ersten Punktspiele in der untersten Spielklasse. Die Gemeinden, für die sie stehen, gibt es erst ein Jahr später. Sie geben auch den Vereinen neue Namen: VfL Waldkraiburg und TuS Traunreut. Sportliche Erfolge lassen aber noch zehn Jahre auf sich warten.

Die A-Klasse spielte in der Saison 1949/50 zum letzten Mal in drei Gruppen. Aus 35 Vereinen sollten zur folgenden Saison zwölf A-Klassisten werden, je vier aus Chiem, Inn und Ruperti. Zwei, der TV Kraiburg und der TuS Endorf, gaben während der Saison wegen Spielermangels auf. Ein Klub trat die Flucht nach vorne an: der TuS Prien, der souverän den Kreisliga-Aufstieg schaffte. Vier Punkte lag die Elf vom Chiemsee in der Gruppe Chiem vor dem TuS Raubling. Und auch den Dreikampf um den A-Klassen-Titel gegen Vilsbiburg (Inn) und Berchtesgaden (Ruperti) absolvierte der TuS erfolgreich. In der Aufstiegsrunde reichte Platz vier von fünf Teilnehmern. Ein 3:3 gegen den SV Erding brachte am 11. Juni 1950 in Bad Aibling die Entscheidung.

Elf der zwölf A-Klassisten standen damit fest: Der TSV Vilsbiburg, der SV Wasserburg, der SV Wacker Burghausen und der ASC Simbach (Gruppe Inn), der TSV Berchtesgaden, der TSV Bad Reichenhall, der TuS Alztal Garching und der TSV Übersee (Gruppe Ruperti), der TuS Raubling, der TSV Grafing und der SV Kolbermoor (Gruppe Chiem).

Kiefersfeldener Passvergehen

Den zwölften freien Platz mussten die drei Tabellenfünften ausspielen. Neben dem TSV (der spätere ESV) Freilassing und der SpVgg Mühldorf hatte sich der ASV Kiefersfelden für die Ausscheidungsrunde qualifiziert. Doch dann flogen Unregelmäßigkeiten um die Kieferer Spielerpässe auf – „Passvergehen“ waren nicht selten in diesen Jahren. Nutznießer war der SV Bruckmühl, der das erste der neu angesetzten Punktspiele gegen den ASV mit 2:0 gewann – worauf dieser zum Rückspiel nicht mehr antrat. In der Dreier-Runde waren Bruckmühl und die „Spiele“ am Ende mit je 6:2 Zählern punktgleich – das hieß: Entscheidungsspiel. Man schrieb bereits den 30. Juli, als die Mangfalltaler sich vor 1000 Zuschauern in Rosenheim mit 2:0 durchsetzten.

1950/51: Raubling steigt auf

Entscheidungsspiele waren immer schon ein Zuschauermagnet: 2500 wollten in Rosenheim am 6. Mai 1951 erleben, ob die FA Trostberg oder der TuS Prien in der oberbayerischen Kreisliga blieben. Beide hatten die Saison 1950/51 mit je 17:27 Punkten abgeschlossen und damit nur den TuS Bad Aibling hinter sich gelassen, der mit 11:33 Zählern abstieg. 3:1 gewannen die Trostberger, die Prien damit zurück in die A-Klasse schickten.

Den Saison-Höhepunkt erlebten die Trostberger zwei Wochen später. Ein 7:3 im oberbayerischen Pokal-Halbfinale gegen den TSV Wolfratshausen bescherte der FA in der ersten Hauptrunde des BFV-Pokals den TSV 1860 München, der in der Oberliga Süd gerade Sechster geworden war. 1200 wollten sich das nicht entgehen lassen, auch wenn am Ende eine 1:3-Niederlage stand. Immerhin reichte es mit einem 3:1 im Finale gegen den VfL Ingolstadt-Ringsee zum oberbayerischen Pokalsieg.

Am oberen Ende der Kreisliga fehlte dem TSV 1860 Rosenheim (30:14) ein Punkt auf Meister FC Perlach, obwohl er im eigenen Stadion ungeschlagen blieb und in 22 Spielen nur 24 Gegentore kassierte. Vorjahresmeister 1. FC Traunstein (28:16) blieb Platz drei.

Immerhin kam aus der A-Klasse Ersatz für Prien und Bad Aibling. Der TuS Raubling holte sich mit 36:8 Punkten und 91 Toren in 22 Spielen die Inn-Chiem-Meisterschaft vor dem SV Wacker Burghausen. Die Aufstiegsrunde war nur am Anfang spannend. Denn noch vor dem letzten Spieltag war klar, dass alle fünf Teilnehmer den Sprung in die Kreisliga geschafft hatten, weil der SV Aubing in die Landesliga aufrückte. Dadurch durfte auch der SV Chieming über den A-Klassen-Aufstieg jubeln, obwohl er in der Qualifikationsrunde der B-Klassen-Meister gegen ESV Rosenheim (Chiem) und TSV Neuötting (Inn) abgeschlagen war. Sie ersetzten die Absteiger Simbach und Grafing.

„Fußball in Bayern“, Band 1: 1945-55 aus der Reihe „Bayern-Chronik“ ist für 39,80 Euro erhältlich beim Deutschen Sportclub für Fußball-Statistiken e.V., Produktvertrieb, Bocksgründen 67, 27232 Sulingen, oder online über dsfs.de. Band 2 (1955-63) erscheint im November.

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