„Das ist der Gipfel der Frechheit“

Flick-Abgang und Super League: Das sagen die Bayern-Fanclubs aus der Region

Will nach der Saison den Rekordmeister verlassen: FC Bayern Cheftrainer Hansi Flick.
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Will nach der Saison den Rekordmeister verlassen: FC Bayern Cheftrainer Hansi Flick.
  • Markus Altmann
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Hansi Flick will den FC Bayern München im Sommer verlassen und hat deshalb um eine Auflösung seines Vertrags gebeten. beinschuss.de hat sich bei einigen Fanclubs aus der Region umgehört und sie zur Causa Flick befragt. Zudem ging es auch um eine mögliche Teilnahme des Rekordmeisters an der am Montag von zwölf europäischen Top-Clubs gegründeten „Super League“.

München - Nach dem 3:2-Sieg am vergangenen Samstag gegen den VfL Wolfsburg baute der FC Bayern München den Vorsprung an der Tabellenspitze auf sieben Punkte gegenüber RB Leipzig aus. Doch große Freude herrschte nach dem Erfolg nicht, denn Cheftrainer Hansi Flick verkündete direkt nach dem Spiel gegenüber Sky, dass er den Rekordmeister am Ender der Saison verlassen will.

„Ich möchte gerne am Ende der Saison aus meinem Vertrag raus. Das ist Fakt“, so der 56-Jährige. „Mir war es einfach wichtig, dass die Mannschaft das von mir erfährt, weil es das eine oder andere an Flurfunk schon gibt.“ Der Trainer übernahm den FC Bayern im November 2019 in einer schwierigen Phase und schaffte mit den Münchner sensationell das Triple. Ingesamt holte Flick sechs Titel.

Die Gründe für seine Bitte um Vertragsauflösung, das Arbeitspapier würde eigentlich noch bis 2023 gelten, nannte Flick öffentlich nicht. Doch das Verhältnis zwischen ihm und Hasan Salihamidžić war zerüttet, zuletzt würdigten sich beiden Seiten keines Blickes mehr. Offen ist zudem, ob der FC Bayern dem Wunsch seines Trainer nachkommt und den Vertrag im Sommer auflösen wird.

beinschuss.de hat sich bei einigen Fanclubs aus der Region umgehört und sie zur Causa Flick befragt:

Johann Gehrlein, Präsident „Die 13 Höslwanger“

“Natürlich ist man enttäuscht über die Entscheidung und ich finde es sehr schade. Hansi Flick war ein toller Trainer und ein sympathischer Mensch. Und vor allem war der Verein mit ihm sehr erfolgreich. Er hatte die ganze Mannschaft hinter sich und man hatte das Gefühl, dass die Spieler alles für ihn tun würden. Leider herrschte schlechte Stimmung im Verein. Das war nicht Bayern-Like und von dem so oft zitierten „Mia san Mia“ war dabei nicht viel zu sehen. Ich finde auch, dass Hasan Salihamidžić nicht mehr tragbar ist und wenn der Trainer gehen muss, sollte er mitgehen. Der öffentliche Druck für ihn wird jetzt groß sein. Ich glaube Nagelsmann wäre der beste Trainer als Nachfolger von Flick, denn er würde gut passen und ich glaube die Leute würden ihn auch mögen.”

Johann Gehrlein, Präsident „Die 13 Höslwanger“ .

Christian Schnebinger, 1. Vorstand „Fanclub Obing 84“

„Schade, dass so ein guter und erfolgreiche Trainer den Verein verlässt. Leider weiß man icht genau, was intern vorgefallen ist. Aber das Verhältnis von Salihamidžić und Flick war nicht das Beste, das hat man deutlich gesehen. Flick hatte nie eine 100 prozentige Rückendeckung im Verein, eigentlich müsste man aber so einen Mann mit aller Macht versuchen zu halten. Ich glaube, dass am Ende mehr dahinter steckt. Ich kann mir Flick jetzt gut als Bundestrainer vorstellen.

Franz Springer, Präsident „De rodn Muidoafa“:

“Ich bin in dieser Sache ganz klar auf der Seite von Flick. Ich glaube die Verantwortlichen haben gewisse Entscheidungen nicht zu Ende gedacht und haben nicht damit gerechnet, dass der Trainer freiwillig gehen wird. Für mich ist Hasan Salihamidžić kein Vorstand, er stellt sich nicht der Öffentlichkeit und hat keine Autorität. Deswegen ist für mich ganz klar: Salihamidžić weg und Bastian Schweinsteiger soll kommen. Für mich wäre auch Julian Nagelsmann der logische Nachfolger von Flick.“

Markus Mayer, Vorstand „De rodn Waginger“:

“Ich war zwar nicht überrascht von der Nachricht, aber doch traurig über den Abgang von Hansi Flick. Ich fand nur die Art und Weise, wie der Trainer die Entscheidung kommunziert hat, nicht die feine Art. Der Verein steht über dem Trainer, aber ich verstehe nicht, wie man Flick nach so eine erfolgreichen Zeit so wegschicken kann und die Sache nicht sauber lösen konnte. Für mich wäre Erik ten Hag von Ajax Amsterdam ein guter Nachfolger. Er trainierte bereits die Bayern-Amateure, kennt damit den Verein und hat ein gutes Verständnis vom Fußball.“

Thomas Maltan, Vorstand Berchtesgadener Alpen-Reds:

“Ich find es sehr schade, dass Hansi Flick den Verein verlässt. Ich kann aber aus der Ferne nicht sagen, wer da im Recht ist und wer nicht. Bei den Bayern war und ist es schon immer so, dass der Verein größer ist, als einzelne Trainer. Nagelsmann als Nachfolger kann ich mir gut vorstellen.“

Sebastian Friesinger, 1. Vorstand der „Bayern Freunde Oibich“: 

„Zu so einer Geschichte gehören immer zwei Parteien. Was da gelaufen ist, ist kein Stil, der dem FC Bayern würdig ist. Wenn man aber jetzt, wie Dieter Hoeneß, dem Hasan Salihamidžic zur Seite springt, dann muss man schon feststellen, dass ein Trainer einen größeren Anteil am Erfolg hat, als Salihamidžic. Für mich war Hansi Flick nach Jupp Heynckes wieder ein Trainer, der den Kontakt zur Mannschaft und zu den Fans gefunden hat und der höchst beliebt war. Bei dieser ganzen Sache hat Salihamidžic nur ein Glück, dass momentan kein Zuschauer im Stadion ist. Ich verstehe auch nicht, was da passiert ist und wir beim FC Bayern haben leider das Problem, dass es beim DFB aktuell eine offene Arbeitstelle gibt. Es ist auf alle Fälle schade für den FC Bayern und ich hoffe, dass wir einen guten deutschsprachigen Nachfolger bekommen.“

Sebastian Friesinger, 1. Vorstand der „Bayern Freunde Oibich“ auf dem Bild mit Philipp Lahm: „Er wäre mein Wunschnachfolger für Hasan Salihamidžic.“

Zwölf Top-Clubs gründen Super League - nimmt der FC Bayern daran teil?

Ein weiteres Thema, welches die Fans in ganz Europa und wohl auch die des FC Bayern München derzeit beschäftigt, ist die Gründung der sogenannten „Super League“. Am Montag, den 19. April, wurde bekannt, dass zwölf Top-Vereine aus England, Italien und Spanien eine solche Liga gegründet haben. Darin sollen die besten und reichsten Teams aus Europa mitspielen. Der Rekordmeister war zwar nicht dabei, aber wie der Spiegel berichtet, gehen die Gründungsclubs davon aus, dass sowohl der FCB als auch Borussia Dortmund an der Super League teilnehmen werden.

beinschuss.de nutzte die Gelegenheit und fragte bei den Vertretern der Fanclubs nach, wie sie zu diesem Vorhaben stehen.

Johann Gehrlein, Präsident „Die 13 Höslwanger“:

“Das wäre eine Katastrophe. Es geht leider nur noch um das große Geld. Die Bundesliga ist ein gutes Produkt und ich will mir gar nicht vorstellen, dass der FC Bayern diese Liga verlassen will.“

Christian Schnebinger, 1. Vorstand „Fanclub Obing 84“

„Ich finde den neuen Modus der Champions League gut und dort verdienen die Vereine schon genug Geld. Deshalb finde ich die Super League vollkommen unnötig. Man muss das Rad nicht neu erfinden.”

Franz Springer, Präsident „De rodn Muidoafa“:

„Das ist der Gipfel der Frechheit. Ich war entsetzt über die Nachricht! Es geht nur noch ums Geld und nicht mehr um den sportlichen Gedanken. Du wirst als Fan immer unwichtiger und die Identifikation mit dem Verein geht immer mehr verloren. Sollte der FC Bayern dort mitmachen, dann kann es gut sein, dass ich dem Verein und dem Fußball im Allgemeinen den Rücken zuwende”

Markus Mayer, Vorstand „De rodn Waginger“:

“Das ist eine Katastrophe. Es geht nicht mehr um den Fußball, sondern nur noch um die Millionen an Einnahmen. Das nimmt den sportlichen Reiz am Wettkampf!

Thomas Maltan, Berchtesgadener Alpen-Reds:

“Das ist der Super-Gau an sich und als Fan wäre ein Mitmachen des FC Bayern ein Fehler. Es geht nur ums Geld und bei dieser ganze Sache ist der Einfluss von Investoren klar zu sehen. Auf die Fans wird keine Rücksicht mehr genommen. Ich würde mir dieses Format nicht anschauen!”

Sebastian Friesinger, 1. Vorstand der „Bayern Freunde Oibich“:

„Diese Superliga ist für mich gar nichts. Wir werden schon nach der Corona-Krise merken, dass die Stadien nicht mehr ausverkauft sind. Der Zuschauer ist übersättigt und wer soll denn das alles bezahlen? Hier geht es nicht mehr um die sportliche Auseinandersetzung, sondern nur noch ums Geld und diese Entwicklung ist sehr gefährlich. Ich hoffe nur, dass der FC Bayern München standhaft bleibt.“

ma

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