In fast allen Blitz-Kategorien neue Saison-Bestmarken aufgestellt

Tadas Kumeliauskaserzielte in seinem ersten Spiel sein erstes Tor für die Starbulls. Ziegler

Rosenheim – Die Woche in der Eishockey-Oberliga Süd war eine unkonventionelle.

Nur ein Spieltag, und die Starbulls noch dazu mit zwei Tagen „Vorsprung“. Geschadet hat es ihnen allerdings nicht, wie ein Fast-Rekordsieg, der Sprung von Platz sieben auf vier und momentan die wenigsten Gegentore der Liga beweisen.

Es wäre ein bisschen zu effektheischend, von einem „Kumeliauskas-Faktor“ zu sprechen, auch wenn die Ankunft des neuen zweiten Kontingentstürmers (des ersten Litauers im Rosenheimer Eishockey übrigens) nicht nur für seinen Nebenmann Josh Mitchell frischen Wind aufs Eis brachte, auch wenn im Gegensatz zu seinem Vorgänger Viteszlav Bilek, der sich vor zwei Jahren gleich mit einem Sechs-Punkte-Spiel einführte, dem Neuen „nur“ ein Tor gelang. Aber mit dem neuen Schwung landeten eben viele Schüsse, die in den letzten Spielen ans Gestänge oder daneben gingen, endlich im Tor. Dies nur dem Füssener Ersatztorhüter zuzuschreiben, der nach Andreas Jordes Verletzung in 27 Minuten sieben Treffer kassierte, trifft nicht den Kern der Sache. Immerhin hielt dieser Benedikt Hötzinger beim Starbulls-Gastspiel in Füssen famos, unter anderem neun von zwölf Penaltys.

Einmal unterboten

Für die Allgäuer war dieser 6. November ganz einfach ein typischer Fall von „falsche Zeit, falscher Ort“. Fünf von sechs ihrer Auswärtsspiele zuvor hatten sie zwar verloren, alle aber hauchdünn. Drei Punkte blieben ihnen aus Niederlagen in Overtime oder Penalty-Schießen, weitere zwei endeten mit 1:2 denkbar knapp. Und auch am Mittwoch sah es lange Zeit nach einer engen Angelegenheit aus, ehe im letzten Drittel dann alle Dämme brachen.

In praktisch allen „Blitz“-Kategorien stellten Mitchell & Co. neue Saison-Bestmarken auf, und die Werte für die schnellsten fünf, sechs, sieben und acht Tore schafften es sogar in die Top Ten aus achteinhalb Jahren Oberliga. Extremwert waren die sieben Treffer binnen 18:40 Minuten, die die Rosenheimer zuvor nur einmal unterboten hatten. Dies geschah am 3. Dezember 2017, als Fabian Zick, Yannick Wenzel & Co. gegen Miesbach ein 1:1 aus den ersten 20 Minuten im Mittelabschnitt innerhalb von 15:09 Minuten auf 8:2 hochschraubten (und letztlich 11:3 gewannen), das einzige Mal übrigens bis vergangenen Mittwoch, dass in einem Spieldrittel sechs oder mehr Rosenheimer Tore fielen.

Und diesmal war keine Paradereihe für das Torefestival verantwortlich (im Gegenteil, Alexander Höller und Kevin Slezak waren zwei von nur fünf Spielern ohne Scorerpunkt), sondern vom einzigen Doppeltorschützen Mitchell bis zum couragiert und klug spielenden Youngster Sebastian Stanik (zwei Vorlagen) hielten John Sicinskis Jungs in der zweiten Spielhälfte den Druck permanent aufrecht, was sich auch in den nüchternen Zahlen ausdrückt. 25 Scorerpunkte verteilten sich auf 13 verschiedene Spieler (übertroffen nur von den 16 Spielern, die letzte Saison beim 8:4 gegen Sonthofen scorten bzw. von 31 Punkten beim erwähnten 11:3 gegen Miesbach). Und acht verschiedene Torschützen in einem Match konnte man seit dem Abstieg vor zwei Jahren noch nie bejubeln. Dazu müsste man bis zum 8:1-Erfolg in Kaufbeuren am 22. November 2013 zurückblättern!

Wenig Mühe hatten Vollmayer, Bergmann & Co diesmal im Penalty-Killing, das derzeit hervorragend praktiziert wird. In den letzten drei Begegnungen fiel während sage und schreibe 20 Strafzeiten von fast 40 Minuten Dauer kein einziges Gegentor! Wenn man die Powerplay-Bemühungen der Gäste am Mittwoch so sah, wunderte man sich allerdings schon ein wenig, dass diese in den ersten beiden Wochen führend waren und immer noch in beiden „Special-Team“-Rubriken auf einem soliden sechsten Rang liegen (die Starbulls sind in beiden Kategorien Dritter).

Hilger bei seinem letzten Tor jünger

Am „powerless play“ konnte auch der interessanteste Akteur beim EVF nichts ändern, den etwas näher zu betrachten sich aber lohnt: Eric Nadeau, den man durchaus mit Rosenheims Eishockey-Ikone Mondi Hilger vergleichen kann. Der längst eingebürgerte Kanadier wurde im Juli 1974 geboren, zu einer Zeit, als das Rosenheimer Eishockey noch vom EVR vertreten wurde, welcher sich gerade anschickte, mit den Kießlings (Vater Gerhard als Trainer, Sohn Udo „das Tier“ als Verteidiger, Topscorer und Strafbankkönig in Personalunion) für die Dauer eines Vierteljahrhunderts in die höchste Spielklasse aufzusteigen. Nadeau erzielte vor ein paar Wochen gegen die Starbulls auf eigenem Eis den wichtigen Ausgleich (im Powerplay!) und dürfte damit mit 45 Jahren und drei Monaten der älteste Torschütze im höherklassigen Eishockey sein. Zum Vergleich: Mondi Hilger war bei seinem letzten Oberliga-Treffer gegen Rostock am 20. Februar 2009 fast genau zwei Jahre jünger.

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