Die Fähigkeiten vererbt bekommen

Der sehr gut gefüllte Trophäenschrankim Zimmer der Gymnasiastin ist schon seit längerer Zeit zu klein und hat seine Fortsetzung jetzt im Esszimmer. Erlich

Fast jeden Tag das gleiche Bild in der Kolbermoorer Turnhalle in der Breitensteinstraße: Von Nachmittag bis zum Abend herrscht Hochbetrieb, der Tischtennis-Nachwuchs übt. Im hinteren Teil der Halle trainiert abgegrenzt eines der größten Talente der heimischen Szene: Naomi Pranjkovic.

Kolbermoor– Sie ist Spitzenspielerin in der 3. Bundesliga der Damen beim SV-DJK Kolbermoor 2, der aktuell die Tabelle anführt und sehr gute Titelchancen hat. Zielstrebig und konzentriert drischt sie den Ball entweder mit der Vor- oder der Rückhand über das Netz und bringt ihre Sparringspartner – oftmals ist es ihr Vater Boris – an die Grenzen. Die Vorhandschläge sind eine der Stärken der 14-Jährigen. Viele Punkte macht sie aber auch mit ihrem Aufschlag, für den sie verschiedene Varianten auf Lager hat. Eine ihrer Geheimwaffen besteht darin, dass sie den Ball in die Höhe wirft und die Kugel mit Rotation auf die andere Seite katapultiert.

Mit der Sportart Tischtennis, die schnelle Reaktionen und Konzentration verlangt, kam Naomi Pranjkovic schon früh in Berührung. Vater Boris war Spitzenspieler in der 1. Liga in Kroatien und WM-Teilnehmer in Göteborg, Mutter Silvia war unter anderem mehrfache bayerische Meisterin sowie Europapokalsiegerin und Deutsche Meisterin mit dem TTC Langweid. Da lag es fast auf der Hand, dass es für sie auch in diese Richtung gehen könnte. Bevor sich die heute 14-Jährige für die schnellste Ballsportart der Welt entschied, versuchte sich Pranjkovic aber im Turnen und Ballett, beim Skifahren, Windsurfen und Klavierspielen, das sie heute noch hervorragend beherrscht. Im Verhältnis zu den übrigen Sportmöglichkeiten war sie jedoch im Tischtennis schon früh am erfolgreichsten.

Eines ihrer großen Ziele ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Allerdings ist dies ein harter Weg, der nur über Top-Leistungen erreicht werden kann. Dass sie im Jugendbereich auf nationaler und internationaler Ebene sehr erfolgreich ist, hat sie in den letzten Monaten hinreichend bewiesen. Aber auch im Erwachsenenbereich sorgte sie schon für viel Unruhe unter ihren Konkurrentinnen. Im Januar stehen die bayerischen Meisterschaften der Damen und Herren in Neumarkt auf dem Programm. Da kann sie bereits vorne mitmischen. Als Vorbild nennt Pranjkovic übrigens Vladimir Samsonov, der aktuell mit Deutschlands Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov beim russischen Champions-League-Sieger Fakel Oranienburg unter Vertrag steht. Trotz seiner 41 Jahre zählt er immer noch zu den besten Spielern der Welt. Pranjkovic imponiert dabei dessen leichte Spielweise.

Das Training – auch auf Lehrgängen – nimmt in der Regel viel Zeit in Anspruch. Da kommt es schon mal vor, dass Naomi Pranjkovic hin und wieder über längere Zeit in der Schule fehlt, wenn sie zu Veranstaltungen unterwegs ist. Das Nachwuchstalent des SV-DJK Kolbermoor, das in die zehnte Klasse des Gymnasiums in Bad Aibling geht, hat aber den Vorteil, eine sehr gute Schülerin (Notendurchschnitt 1,1) zu sein. Auch wenn sie das Fach Englisch nicht unbedingt ganz oben in der Beliebtheitsskala ansiedelt, so tut sie sich beim Lernen insgesamt recht leicht. Allerdings muss auch sie den versäumten Unterrichtsstoff nachholen. Dies geschieht unter anderem bei Fahrten zu Lehrgängen oder Turnieren, hauptsächlich im Zug. Und sollte sie einmal längere Zeit nicht im Unterricht sein, dann geben ihr die Mitschülerinnen Tipps, damit sie den versäumten Stoff nachholen kann. Unterstützung erhält sie zudem durch die Schulleitung und ihren sehr nachsichtigen Rektor, der sie – auch aufgrund der sehr guten Noten – immer wieder für Turniere freistellt.

Wenn Pranjkovic doch einmal über einen längeren Zeitraum in Kolbermoor ist und nicht gerade trainiert, dann trifft sie sich gerne mit ihren Freundinnen oder geht dem Klavierspielen nach. Die meiste Zeit verbringt sie dann aber doch wieder in der Turnhalle an der Kolbermoorer Breitensteinstraße – und bringt ihre Sparringspartner gehörig ins Schwitzen.

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