Ex-Profi-Keeper Peter Martin: „Ich wollte etwas im Fußball erreichen“

Im Torwart-Dress der Sechziger: Peter Martin stand für den TSV 1860 Rosenheim 119 Mal zwischen den Pfosten.
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Im Torwart-Dress der Sechziger: Peter Martin stand für den TSV 1860 Rosenheim 119 Mal zwischen den Pfosten.

Mehr als 1000 Spiele im Tor, davon 121 für den TSV 1860 Rosenheim, mehr als 500 Partien als Trainer, Assistent oder Torwarttrainer und unzählige Trainingseinheiten liegen hinter Peter Martin. Der heute 51 Jahre alte Klasse-Keeper, der zwölf Jahre lang für den TSV 1860 Rosenheim aktiv war, hat eine bewegte Karriere hinter sich.

Rosenheim/Salzburg– Der gebürtige Dortmunder hat noch heute beste Erinnerungen an seine Zeit an der Mangfall, denn sie war der längste Abschnitt in seiner Fußballer-Laufbahn. Seit 2019 ist Martin, der in Frasdorf lebt, als Torwarttrainer bei Austria Salzburg in der Regionalliga in Österreich tätig.

In der Jugend bei Borussia Dortmund

Ein bewegtes Fußballerleben als Aktiver liegt hinter Peter Martin, der am 21. Dezember 1968 in Dortmund das Licht der Welt erblickte. Sein Heimatclub ist der TSC Eintracht Dortmund, ein Traditionsverein. „Mein großes Glück war, dass mich meine Eltern Sonja und Klaus von Anfang an unterstützt haben. Die waren auch bei jedem Spiel dabei.“ Martin war und ist ein Fußballverrückter: „Ich habe unheimlich gerne trainiert“, berichtet er, und erzählt eine kleine Anekdote: „Ich habe auch viel außerhalb der normalen Übungseinheiten trainiert. Oft abends auf einem kleinen Rasenstück neben einem Fußballplatz mit meinem Vater Klaus. Da haben wir auch im Dunkeln trainiert, weil das Licht vom benachbarten Fußballplatz ausgereicht hat.“ Die beiden A-Junioren-Jahre spielte er bei Borussia Dortmund und erhielt dort seinen Feinschliff. Für ihn war schon damals klar: „Ich wollte etwas im Fußball erreichen, am besten Profi werden.“

Fünf Jahre 2. Bundesliga bei Wattenscheid

Sein erster Klub im Herrenbereich war der FV Hombruch 09, ein damals ambitionierter Landesligist, bei dem der 1,93 Meter große Fänger drei Jahre blieb. Von dort es ging es weiter nach oben in die Oberliga Westfalen zum VfR Sölde, einem Dortmunder Stadtteilverein. Im Sommer 1995 wechselte Martin als damals 26-jähriger in den Bochumer Stadtteil zur SG Wattenscheid 09, damals in der 2. Liga. Fünf Jahre Jahre blieb der Keeper dort und brachte es auf 82 Zweitliga-Einsätze. 2000 ging es für ein Jahr zu Fortuna Köln und dann für zwei weitere Jahre zum KFC Uerdingen – beide Klubs spielten in der Regionalliga Nord, der damaligen dritten Spielklasse.

Mit St. Pauli war schon alles klar

Zur Saison 2003/04 folgte für Peter Martin der Wechsel in den Süden, der aber eigentlich nicht geplant war: „Ich hatte gerade ein Probetraining beim FC St. Pauli absolviert und es war eigentlich schon alles klar mit meinem Wechsel.“ Der zerschlug sich aber kurzfristig und so ging Martin zum SSV Jahn Regensburg, der gerade in die 2. Liga aufgestiegen war. Dort hatte als Trainer gerade Ingo Peter angeheuert: „Der war mein Trainer beim VfR Sölde.“ Martin war beim Jahn eigentlich als Nummer zwei geplant, doch weil sich Heinz Müller im vierten Spiel schwer verletzte, stand der Westfale bis zum Saisonende im Tor. Doch der Jahn stieg wieder ab und für Martin war diese Episode damit beendet: „Mir hatte es im Süden aber gut gefallen“, sagt – und nahm das Angebot des 1. SC Feucht an. Auch wenn das Ambiente im Vergleich zu den vielen anderen Stationen eher den Charakter eines Dorfvereins hatte, so fühlte sich Martin dort sehr wohl: „Wir hatten dort so eine Art Wohlfühloase, es fehlte uns an nichts.“ Anfang 2005 beantragte der Verein aber die Insolvenz und musste absteigen, obwohl die Mannschaft trotz aller Turbulenzen sportlich den Klassenerhalt geschafft hätte.

Mit 1860 Rosenheim in die Bayernliga aufgestiegen

Für ein Jahr zog es Peter Martin dann noch einmal zurück in den Westen zum KFC Uerdingen in die Oberliga Nordrhein. 2006 machte er sich aber wieder auf nach Bayern, wo er seine neue Heimat gefunden hat. „Ich habe noch einige Jahren beim TSV 1860 Rosenheim gespielt, erst in der Landesliga und 2009 nach dem Aufstieg auch noch in der Bayernliga.“ Insgesamt war Martin zwölf Jahre in Rosenheim als Spieler, Torwarttrainer, aber auch als Coach im Nachwuchs tätig. „Ich hatte auch dort eine wirklich sehr schöne Zeit.“ 2012 und 2013 half der fußballverrückte Keeper sogar noch einmal aktiv in der Bezirksliga beim SV Nußdorf/Inn aus – mit damals schon 43 Jahren: „Die hatten gerade keinen Torwart, da bin ich halt eingesprungen – neben meinem Job in Rosenheim, versteht sich.“ Seinen letzten offiziellen Einsatz hatte Martin am 6. September 2013 in der zweiten Rosenheimer Mannschaft, damals auch in der Bezirksliga. Mit fast 45 Jahren ging der Westfale dann in „Fußball-Rente“ und ist nun „nur noch“ als Trainer tätig. Dem TSV 1860 Rosenheim ist er auch heute noch stark verbunden. „Es haben sich viele Freundschaften aus der Zeit ergeben.“ Für Nachwuchstorhüter hält er sogar manchmal noch private Übungsstunden ab, natürlich kostenlos. Da kommen sogar Talente aus München dazu, die von der Erfahrung von Martin profitieren wollen und können. Beruflich ist er beim Malteser Hilfsdienst tätig: „Ich wollte etwas zurückgeben und habe mich daher sozial engagiert.“

Aktuell Torwarttrainer bei Austria Salzburg

2018 war in Rosenheim Schluss und Martin ging für ein Jahr zum Landesligisten SB Chiemgau Traunstein. Von dort wechselte er zum Traditionsklub Austria Salzburg. Beim österreichischen Drittligisten trainiert er die Torhüter der ersten Mannschaft und hilft auch im Nachwuchsbereich mit. „Der Job in Österreich macht viel Spaß. Zu den Heimspielen kommen dort normalerweise zwischen 1000 und 1500 Zuschauern, da ist richtig Stimmung.“ Bis 2021 läuft sein Vertrag in Salzburg, aber an ein Ende seiner Trainer-Laufbahn denkt er noch lange nicht: „Ich musste mich im November 2019 einer Operation unterziehen und habe links eine neue Hüfte bekommen. Nun bin ich wieder fit und möchte meine Erfahrung gerne weitergeben.“ Somit wird sich – zumindest, was die Zahl der Einsätze als Trainer angeht – beim ehemaligen Klasse-Torwart in den nächsten Jahren noch einiges tun. Die Zahl 1000 nimmt er dabei erneut ins Visier.

Als Spieler, Torwart- und Nachwuchstrainer: Martin war zwölf Jahre lang beim TSV 1860 Rosenheim tätig.
Im Gewand des SB Chiemgau Traunstein: 2018 ging Martin für ein Jahr zum SB Chiemgau Traunstein.

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