Etwas attraktiver, aber nicht erfolgreich - Starbulls trotzdem bestes Heimteam der Oberliga

Kapitän Michael Baindl bildete zusammen mit Alexander Höller und Kevin Slezak (beide unten) den Topsturm.Foto Ziegler

Ganz klar, es wäre so abgelaufen: Die Starbulls Rosenheim hätten in der Play-off-Runde ihre gravierende Auswärtsschwäche in der Eishockey-Oberliga spontan abgelegt und mit mindestens einem Sieg am Pferdeturm die Hannover Indians aus dem Rennen geworfen

Rosenheim– . Im weitere Verlauf der Play-off-Runde in der Eishockey-Oberliga Süd - nachdem die Starbulls die Hannover Indians in die Sommerpause geschickt hätten, wären nacheinander die Meister der Süd- und Nordliga, Regensburg und Tilburg, eliminiert worden. In der Finalserie gegen Herne hätten die Rosenheimer dann so richtig losgelegt und dann… Okay, es ist sehr unwahrscheinlich, dass es so gekommen wäre, aber wir werden es wohl nie erfahren, nachdem die Oberliga-Saison 2019/20 wegen Corona die erste seit 1998/99 ohne abschließendes Play-off geworden ist.

Die Oberliga Süd: Spannend wie lange nicht mehr

Wie aber soll man diese unvollendete Saison 2019/20 nun bewerten, was den Süden angeht? Ligaweit war sie zweifellos die spektakulärste und spannendste seit langem. Lediglich die nicht ganz konkurrenzfähigen Höchstadt Alligators verloren frühzeitig den Anschluss, ansonsten war mindestens zwei Drittel der Saison zwischen Platz drei und Platz elf alles möglich, die Tabelle war stets in Bewegung, und sogar am allerletzten Spieltag gelang es Regensburg und Riessersee noch, die zum Schluss hin vor ihnen liegenden Memminger und Deggendorfer zu überholen und im dramatischen Finish noch einen Rang gutzumachen.

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Stetiges Auf und Ab auch bei den Starbulls

Von diesem stetigen Auf und Ab blieben auch die Starbulls nicht ganz verschont. Im Gegensatz zum Jahr davor, wo sie die gesamte Meisterrunde lang stabil und fast ein bisschen langweilig den vierten Platz innegehabt hatten, bewegten sie sich diesmal im gesamten Spektrum zwischen Rang zwei und sieben und nach dem siebten Spieltag sogar Rang neun. Am häufigsten (22-mal) waren sie Dritter, 14-mal Vierter.

Starbulls waren das mit Abstand beste Heimteam

Ein Grund für das stetige Wechselspiel war neben der allgemeinen Ausgeglichenheit der meisten Kontrahenten sicher der gravierende Unterschied zwischen den Rosenheime Leistungen in eigener und fremder Halle. Schon in den 32 Begegnungen der Vorrunde waren sie mit Abstand das beste Heimteam, während sie auswärts nur die viertmeisten Punkte einfuhren. Besonders krass wurde es aber dann in den 18 Meisterrunden-Spielen, von denen sie nur ein einziges von neun Auswärtstreffen gewannen, sich auf eigenem Eis aber mit einer einzigen Ausnahme wieder als unschlagbar erwiesen. Auch auf die gesamte Saison gesehen, holten die Starbulle zuhause mit 59 sieben beziehungsweise sechs Punkte mehr als die Spitzenklubs Memmingen und Regensburg, auswärts dagegen (Rosenheim 27 von 75 möglichen Zählern) waren nur die drei Schlusslichter (Lindau und die vor der Meisterrunde ausgeschiedenen Sonthofener und Höchstädter) erfolgloser.

Absolute Highlights waren natürlich die drei Heimspiele gegen Regensburg (7:3, 4:0 und 4:1), das 7:1 gegen Peiting oder das 8:4 gegen Deggendorf, ja, und sogar das 4:5 gegen des „SC Greilinger“ kurz vor Saisonende kann man dazu zählen!

Am unteren Ende dieser Skala rangieren wohl die beinahe zweistellige Niederlage in Sonthofen (erklärbar allerdings durch den Schock des Trainings-Zusammenbruchs von Josh Mitchell) sowie die Heimniederlagen gegen Selb (5:7) und Peiting (1:5) zu Saisonbeginn, welche durch die beispiellose Erfolgsserie im Rofa-Stadion aber bald kompensiert werden konnten.

Wie angekündigt: Eine Tormaschine

Unabhängig von Erfolg oder Tabellenrang ist wohl unbestritten, dass die Starbulls unter John Sicinski ein für die Zuschauer attraktiveres Eishockey boten. Defensiv waren sie wie im Vorjahr Viertbester, offensiv diesmal sogar Dritter, einen Rang besser als 2018/19. Und auch wenn die Zahlen gar nicht mal so unterschiedlich sind (Torverhältnis pro Spiel im Jahr zuvor 3,94:2,94, diesmal 4,00:3,12), so spektakuläre Aktionen auch gegen die Spitzenteams wie diesmal gab es in den Jahren davor nur wenige. Erinnert sei nur an die absolute Dominanz des Höller-Baindl-Slezak-Sturms zu Saisonbeginn, ehe Slezak für längere Zeit ausfiel, oder auch die spektakulären Tore der Reihe mit Josh Mitchell, Dominik Daxlberger und Enrico Henriquez beziehungsweise Jake Smith in den letzten Wochen. Mit dem nachverpflichteten Tadas Kumeliaukas (ebenfalls viel zu früh auf der Ausfall-Liste gelandet) konnte man eine „Tormaschine“ bewundern, wie man sie seit den Zeiten eines Patrick Asselin oder Dylan Stanley nicht mehr kannte, und Max Vollmayer (15 Scorerpunkte mehr als der zweitbeste Verteidiger) setzte quasi die ganze Saison über die Messlatte für Offensivverteidiger ein schönes Stück nach oben, wobei ihm zu Saisonschluss der revitalisierte Matthias Bergmann fast gleichwertig nacheiferte.

Zuschauerkrösus von Regensburg

Nach einer Saison, die für den Fan durchaus Lust auf mehr machte (mit den Starbulls – 2200 im Schnitt – wieder als Zuschauerkrösus vor Regensburg, Deggendorf und Memmingen), drängen sich diesmal allerdings gravierendere Fragen auf als nach einer normalen Spielzeit.

Wie wirkt sich der finanzielle Verlust durch die Absage der Play-offs (bei den Starbulls spricht man von einem Betrag im unteren sechsstelligen Bereich) auf 2020/21 aus? Wird das Niveau der Liga sinken, weil ja alle Teams mit diesem Problem zu kämpfen haben? Wer von den Kontingentspielern Mitchell, Smith oder Kumeliauskas wird bleiben? Wer hütet in Zukunft das Tor? Kann man die überzeugenden Youngster wie Henriquez oder Slezak halten? Wie sieht es aus mit den „angejahrten“ Leitwölfen wie Bergmann, Bucheli oder Draxinger? Fragen über Fragen!

Eine Frage aber kann man zweifellos schon jetzt beantworten: Die „Off-Season“ zwischen der alten und der neuen Spielzeit wird für die Verantwortlichen, nicht nur bei den Starbulls Rosenheim, sondern auch bei den anderen Klubs und beim Verband, alles andere als einfach werden!

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