Erstmals nicht als Trainer vor Ort

Gut drauf:Biathlon-Urgestein Wolfgang Pichler. kk

Ruhpolding – Erstmals in der Ruhpoldinger Weltcup-Geschichte ist Wolfgang Pichler in diesen Tagen nicht als aktiver Sportler oder Trainer, sondern als Funktionär im Einsatz.

Der 64-Jährige, Bruder des amtierenden Bürgermeisters und OK-Chefs Claus Pichler, vertritt das Nationale Olympische Komitee Schwedens als Direktor und kümmert sich um die Sponsorenbetreuung. Pichler hat in seiner Trainerkarriere 48 Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften geholt und war zweimal Welttrainer des Jahres.

Wie wird man Direktor im Schwedischen Olympia-Komitee?

Ich habe jahrelang für den schwedischen Verband als Trainer gearbeitet und neun Olympische Spiele vorbereitet. Wenn man Aufwand und Ertrag vergleicht, dann ist der Biathlonsport in Schweden zum erfolgreichsten Wintersportverband geworden. Ich wurde praktisch nach oben gelobt. Nach dem Finale in Östersund 2019 hatte ich mehrere Angebote. Ich war aber müde und habe drei Monate Pause gemacht. Dann habe ich mich für das schwedische Angebot entschieden. Die Hauptaufgabe besteht darin, Trainer zu beraten, wie man junge Sportler an die Weltspitze bringt.

Was ist jetzt die genaue Aufgabe während des Weltcups?

In Schweden erhält der Sport keine staatliche Förderung. Umso wichtiger ist es, Sponsoren an Land zu ziehen und sich um sie zu kümmern. Das tue ich hier in Ruhpolding. Wir haben einen Wachs-Truck bekommen, der kostet 400 000 Euro mit jährlichen Folgekosten von rund 300 000 Euro. Natürlich bin ich auch für die Trainer und Athleten da. Wenn sie was brauchen, helfe ich gerne. Die schwedischen Sportler sind ja wie meine Kinder.

Wie geht es nach Ruhpolding weiter?

Ich fliege am Sonntag nach Stockholm. Dort halte ich tags darauf eine Rede vor schwedischen Trainern, die für Sommersportarten zuständig sind.

Wie geht es Ihnen persönlich?

Ich fühle mich sehr wohl, bin regelmäßig im Studio beim Rudern, fahre viel Rad und spiele Tennis. Was jetzt auf mich zukommt: Ich brauche eine neue Hüfte.

Im Oktober war Hochzeit, aber alles ist geheim abgelaufen. Warum?

Das ist richtig, ich habe meine Ute geheiratet, aber wir sind schon 22 Jahre beisammen. Nicht mal mein Bruder wusste es, er hat es erst hinterher erfahren. Er hat uns auch nicht getraut, weil er es durch das Verwandtschaftsverhältnis auch gar nicht durfte.

Haben Sie noch Ziele in Ihrem Leben?

Ziele habe ich nicht und setze mir auch keine. Ich will gesund bleiben, das ist das Wichtigste. Ich möchte ein gutes Leben haben. Derzeit habe ich es. interview: kk

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