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Bei der Senioren-Weltmeisterschaft

Erst Europameister, jetzt Weltmeister: Warum dieser Heldensteiner beim Speerwurf kaum zu schlagen ist

Der Waldkraiburger Speerwerfermit dem Vize-Weltmeister Serhii Havras aus der Ukraine (links).
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Der Waldkraiburger Speerwerfer mit Vize-Weltmeister Serhii Havras aus der Ukraine (links).

Gold ist seine Lieblingsfarbe: Ein Waldkraiburger Leichtathlet sorgte bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Tampere/Finnland beim Speerwerfen für eine riesige Überraschung.

Waldkraiburg – Die Saison nach der langen Corona-Pause für Senioren-Leichtathleten fing für den Heldensteiner Reinhold Paul vom VfL Waldkraiburg eigentlich schon sehr gut an, denn im Speerwurf wurde er deutscher Winterwurf-Meister in Erfurt, allerdings bekam er danach Corona und musste lange um eine Fortsetzung seiner Wettkampfchancen im Winter bangen.

Nach einer Freitestung ging es nämlich direkt ins portugiesische Braga: Auch hier kehrte er als Europameister mit einer glänzenden Goldmedaille im Gepäck zurück in den Landkreis.

Sein Traum war eine Medaille

Mit diesen Top-Erfolgen hatte er nun für die Sommer-Saison ein ganz großes Ziel vor Augen: Die Senioren-Weltmeisterschaften im finnischen Tampere und hier war sein Traum, dass er mit einer Medaille nach Hause kommt. „Ich muss sagen, dass ich mich für dieses Ereignis schon sehr gut vorbereitet habe“, bestätigte der 65-jährige Rentner, denn „meine Gegner konnten sich jetzt auch sehr intensiv für diese WM zu Hause fit machen.“

Zwei Tage vor seinem großen, internationalen Auftritt reiste Reinhold Paul schon einmal nach Tampere und damit nach Finnland, dem Land der Speerwurf-Weltmeister, um sich zu akklimatisieren und um damit keine Überraschungen in letzter Sekunde zu erleben. Am Wettkampftag schienen seine Chancen eher gering auf eine Medaille zu sein, denn in der Meldeleistung stand er gerade mal auf dem sechsten Platz aller 24 Teilnehmer.

Dier weltbesten Speerwerfer waren am Start

„Und es waren wirklich alle der weltbesten Werfer da“, weiß Paul, der schon seit knapp zwei Jahrzehnten bei internationalen Meisterschaften startet. Bei optimalen und sonnigen Bedingungen im Bereich der 27-Grad-Marke und leichtem Wind ging dann sein „Wettkampf des Jahres“ im Speerwurf der Senioren M65 los.

„Mir war schon vorab klar, dass ich wenig Siegchancen haben würde und ehrlich gesagt hatte mich das riesige Teilnehmerfeld mit allen Größen nicht nur beunruhigt, sondern mir irgendwie alle meine Medaillenträume geraubt“, beschreibt Paul seine Situation. Beim Einwerfen zeigte sich der erfahrene Athlet dann zumindest zufrieden mit einem lockeren Wurf im Bereich der 45-Meter-Marke und wusste, dass sein hartes Training nicht umsonst war.

„Beim Speerwerfen darf man sich keine großen Fehler erlauben, sonst gehen jede Menge Meter verloren“, beschreibt der Heldensteiner diese Disziplin. Dann startete der Wettkampf – und ein echter Krimi begann. Im ersten Versuch schaffte Reinhold Paul mit etwas Übermut „nur“ 41,26 Meter, aber „ich merkte, dass meine Gegner auch sehr nervös sind und erzielten auch noch keine großen Weiten“, so Paul, der zumindest das Finale der besten acht Athleten erreichen wollte.

Gewaltige Steigerung im dritten Versuch

Sein zweiter Versuch gelang ihm sauber und locker auf 43,36 Meter und „jetzt wusste ich schon, dass ich im Finale dabei bin.“ Und die Konkurrenz: Der Top-Favorit und mehrfache Weltmeister Serhii Havras aus der Ukraine lag bereits mit 47,36 Metern klar vorne und „damit war Gold für mich schon mal weg“, erklärte der erfahrene Sportler. Aber der Routinier kämpfte: Im dritten Versuch steigerte er sich gewaltig auf 46,36 Meter und lag damit schon auf dem momentanen Silber-Platz. „Ich war mir zu diesem Zeitpunkt schon fast sicher, dass ich eine Medaille gewinnen könnte“, kommentiert der VfL-Athlet seine Leistung.

Die Gegner wurden nervös

Seine Gegner wurden tatsächlich nervös, denn mit der Stärke des „Deutschen“ hatten sie nicht gerechnet. In seinen vierten Finalversuch legte er jetzt das volle Risiko: „Ich war so locker wie noch nie, die Zuschauer feuerten mich an und deshalb bin ich auf Risiko gegangen.“ Nach einem schnellen Anlauf traf er den 500-Gramm-Speer mit voller Wucht.

„Als Werfer spürt man das sofort, wenn der Speer die Hand verlässt und ich riss beide Hände nach oben, zumal ich wusste, dass dieser Wurf sehr weit ist“, sagte Paul. Und da hatte er auch recht: Mit klangvollen 47,80 Metern lag er nun nämlich knapp in Führung und „jetzt musste ich nur noch abwarten“, erzählte der Sportler. Im Finale hatte Favorit Serhii Havras als Vorkampf-Führender noch als letzter Athlet einen Wurf, um seine Gold-Chance zu nutzen.

Ukrainer glaubte fest an seinen Sieg

Optisch schien dies auch so zu sein, denn sein Speer flog weit, und bevor gemessen wurde, kniete der Ukrainer nieder und küsste die Bahn vor Freude, denn er glaubte fest an seinen Sieg. „Jetzt war die Spannung um nichts mehr zu übertreffen, denn alle Athleten und Zuschauer schauten gespannt auf die Anzeigetafel“, sagte Paul. Doch als die Weite von 45,42 Meter auf dem Display erschien, jubelte nur noch einer. Reinhold Paul wurde neuer Weltmeister mit ausgezeichneten 47,80 Metern. Dabei verwies er den Ukrainer Serhii Havras auf den Silber-Platz mit 47,36 Meter sowie Josef Schaffarzik vom ESV Nürnberg Rangierbahnhof auf Bronze mit 45,26 Meter.

Weltjahresbestleistung von Paul

Mit seiner Weltjahresbestleistung ist der Landkreis-Athlet nun auch auf dem ersten Platz in der aktuellen Weltrangliste der Senioren M65. „Ich glaube mehr ist gar nicht mehr möglich“, freute sich der Athlet riesig, der nach seinem Triumph die Arme weit nach oben riss und seinen großen Coup nicht fassen konnte. Aber die Statistik spricht auch für sich: Reinhold Paul wurde nun bereits zum sechsten Mal Weltmeister in seiner Karriere.re

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