Eishockey-Torhüter Norm Maracle: Stanley Cup-Sieger war ein Glücksfall für Rosenheim

Seine Fanghand zückte Norm Maracle oft explosionsartig in Richtung Puck.
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Seine Fanghand zückte Norm Maracle oft explosionsartig in Richtung Puck.

20 Jahre Starbulls heißt die Serie der OVB-Heimatzeitungen. In dieser Folge geht es um Torhüter Norm Maracle. In der Saison 2010/2011 wurde er von der Fachzeitschrift Eishockey News zum Spieler des Jahres in der Zweiten Liga gewählt. Außerdem war Marius Möchel 2010/2011 „Rookie of the year“.

Rosenheim – „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“ - dieser Spruch trifft zwar oft zu, aber eben nicht immer – nicht bei Rosenheims ehemaligem Eishockey-Torhüter Norm Maracle, der zwischen 2010 und 2012 zwei Jahre für die Starbulls Rosenheim spielte und in seiner ersten Saison beim Aufsteiger zum Spieler des Jahres in der 2. Liga gewählt wurde. Der damals 36-jährige Kanadier sah sicher nicht aus wie ein absoluter Vorzeige-Sportler. Wer den Starbulls-Keeper im T-Shirt sah, glaubt nicht, dass dieser untersetzte Typ mit den vielen Tattoos und ein paar Kilo zuviel auf den Rippen schon einmal den Stanley-Cup in der National Hockey League mit den Detroit Red Wings gewonnen hatte. „Ich weiß, dass ich auf den ersten Blick mit meinen Tattoos, mit meiner Glatze und dem Bart fies rüberkomme, aber das bin ich nicht.“ sagt Maracle, der am 2. Oktober 1974 im kanadischen Belleville, Ontario geboren wurde.

Spieler des Jahres: Norm Maracel mit dem Pokal.

Franz Steer: „Norm ist ein Super-Typ“

Nein fies oder furchterregend war der Ausnahmetorhüter definitiv nicht. Ganz im Gegenteil, wie seine Mitspieler und sein Trainer Franz Steer in der ersten Zweitliga-Saison 2009/2010 bestätigten: „Norm ist ein Super-Typ. Ein Glückfall für mich als Trainer und für das Rosenheimer Eishockey.“ Dass der 1,75 Meter große und geschätzte 100 Kilogramm schwere Maracle überhaupt in Rosenheim spielte, haben die Starbulls zum Teil auch Franz Steers Stiefsohn Gerrit Fauser zu verdanken. Der Landshuter hat in Köln mit Maracle zusammengespielt, stellte den ersten Kontakt her und sagte zu Steer: „Den Norm kannst du bedenkenlos nehmen. Der hat einen einwandfreien Charakter und er ist ein Super-Torhüter“. Ab diesem Zeitpunkt war die ursprüngliche Skepsis von Franz Steer wie weggeblasen. „Eigentlich hatte Norm alles was ich an Eishockeyspielern nicht mag: Übergewicht, überall Tattoos, keine Form – das ist nicht gerade das Idealbild eines Eishockeprofis.“ Doch schon nach den ersten Gesprächen war Steer begeistert von Norm Maracle und das beruhte auf Gegenseitigkeit.

Seine Hunde: Norm Maracle mit Joy (links) und Gunner beim Spazierengehen in Kolbermoor.

„Im Team ist es wie in einer großen Familie“

„Ich hatte in Iserlohn keine gute Zeit, mir fehlte der Spaß am Eishockey und als ich das Angebot aus Rosenheim bekam, sagte ich sofort zu. Ich wollte beweisen, dass ich nach wie vor ein guter Torhüter bin“, erklärte Maracle. Und das tat er so gut, dass er von einer Fachjury zum Eishockeyspieler des Jahres in der Zweiten Liga gewählt wurde. „Rosenheim ist eine großartige Stadt mit den Bergen in der Nähe – einfach toll. In unserem Team ist es wie in einer großen Familie. Das Verhältnis zum Trainer, zu den Spielern und zur Vorstandschaft ist großartig – es passt hier einfach alles“, sagte Maracle vor zehn Jahren. Vor allem die Leistung von Maracle passte vom ersten Spiel an. Einen Torhüter wie ihn hatte man in Rosenheim seit den Zeiten den großen Karl Friesen nicht mehr gesehen: Ruhig, mit fantastischen Reflexen ausgestattet und einer ganz eigenen Art das Torhüterspiel zu interpretieren. Er pflückt selbst die härtesten Schüsse mit einer Leichtigkeit aus der Luft, dass die gegnerischen Stürmer kopfschüttelnd vom Eis fuhren. Manchmal schien es so, als warte er absichtlich lange, um dann seine Fanghand explosionsartig auszufahren.

Maracles Spitznamen: „Eisbombe“ und „Tanzbär“

„Er hielt uns mit seinen überragenden Fähigkeiten in vielen Begegnungen, die wir dann knapp gewonnen haben, im Spiel“, lobte der damaliga Starbulls-Kapitän Stephan Gottwald den Kanadier mit den markanten Spitznamen wie „Eisbombe“, „Tattoo-Mirakel“ und „Tanzbär“. Gut passen würde zu Maracle auch „The Power“, doch der gehörte Phil Taylor, dem zu dieser Zeit weltbesten Dartspieler, den Maracle gerne einmal kennengelernt und gegen ihn gespielt hätte.

Das Spiel mit den drei Pfeilen und der runden Scheibe zählt zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen zu denen auch seine zwei Hunde Joy und Gunner, mit denen er täglich spazieren ging. Das entspannte ihn, hier fand er seine Ruhe, die er für das Torhüterspiel brauchte. Der Erfolg der Starbulls Rosenheim, die als Aufsteiger den DEB-Pokal gewannen und im Jahr darauf Vizemeister wurden, ist eng mit seinem Namen verbunden.

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