U16-Eishockey-Nationaltrainer Thomas Schädler: „Besser aufgestellt als vor ein paar Jahren“

Der Rosenheimer Thomas Schädler ist hauptamtlicher U16-Nationaltrainer beim DEB.
  • Thomas Neumeier
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Im Rosenheimer Eishockey hat Thomas Schädler viel erlebt. Nach seiner aktiven Karriere wurde der 52-jährige Trainer und widmete sich mit viel Erfolg dem Rosenheimer Nachwuchs. Jetzt arbeitet der gebürtige Rosenheimer hauptamtlich beim DEB als U16-Nationalrainer.

Rosenheim – Der mittlerweile 52-jährige Thomas Schädler war als junger Spieler in die Bundesliga gekommen und wurde mit dem Sportbund DJK 1988 deutscher Vizemeister. Nach vier Jahren 2. Bundesliga in Bayreuth kehrte er zurück und schaffte 1993 die als „Wunder von Rosenheim“ bezeichnete Zweitliga-Meisterschaft. Ein weiteres Jahr im Eishockey-Oberhaus folgte, dann zog Schädler wieder aus: Über Schwenningen (DEL), Heilbronn (2. Bundesliga), Bad Aibling und Geretsried (jeweils Oberliga) folgte 2003 die nächste Rückkehr – wieder von Erfolg gekrönt, denn als Kapitän führte er die Starbulls zum Meistertitel in der Bayernliga und damit auch zurück in die Oberliga.

Im Finale der Deutschen Nachwuchs Liga

Danach widmete sich der Stürmer dem Nachwuchs. Nahtlos schlüpfte er ins Trainer-Gewand und übernahm die Rosenheimer Junioren, die er lange erstklassig hielt und mit denen er sogar im Finale der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) stand. Spätere DEL-, National- und NHL-Spieler waren unter Schädlers Fittichen.

Mehrere Jahre Chefcoach im Rosenheimer Nachwuchs

Zuletzt war der Diplomtrainer mehrere Jahre Chefcoach im Rosenheimer Nachwuchs und hatte auf Honorarbasis auch schon dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) bei den Nachwuchs-Nationalteams zur Seite gestanden. 2019 nahm Schädler dann das Angebot an, hauptamtlich beim DEB zu wirken. Im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion bilanziert Schädler nun sein erstes Jahr in Verbandsdiensten, spricht über seine Aufgaben, die Entwicklung im deutschen Eishockey und die aktuellen Schwierigkeiten aufgrund der Corona-Pause.

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Bei ihrem Amtsantritt wurden sie wie folgt zitiert: „Ich sehe die neue Herausforderung als große Chance und wollte diese unbedingt nutzen.“ Ist das nach einem Jahr immer noch so?

Thomas Schädler: Ja, auf alle Fälle. Wir sind mit dem U16-Nationalteam die erste Stufe und müssen dort die besten deutschen Spieler herausfiltern. Weil es jedes Jahr wieder neue Talente sind, ist das auch keine Routine. Und in dieser Zeit ist sowieso alles eine Herausforderung und eine Chance.

Thomas Schädler vor rund zehn Jahren als Trainer der Starbulls-DNL-Mannschaft.

Die U16 ist aber nicht Ihre einzige Aufgabe. Was steht sonst noch an?

Schädler: Ich bin in der Trainerausbildung mit dabei, in der Karl Schwarzbrunner federführend ist, und halte dort Vorträge. Gemeinsam mit Ernst Höfner bin ich für die Sichtung der U15-Spieler zuständig. Ich mache Vereinsbesuche und kümmere mich vor Ort um die Trainer und Nachwuchs-Nationalspieler, dazu kommt das Spielscouting. Und kürzlich hat der DEB online eine Rahmenkonzeption veröffentlicht, daran waren alle Nationaltrainer beteiligt. Da sind altersgerechte Trainings und Tipps für Trainer, Spieler und Eltern enthalten. Der DEB ist nach dem Handball der zweite deutsche Verband, der so etwas herausgebracht hat.

Sie waren so lange Vereinstrainer. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung gefallen? Vermissen Sie nicht das tägliche Training auf dem Eis?

Schädler: Teilweise war das so. Zu Beginn war das eine Riesenumstellung für mich. Mit der U16 hatten wir insgesamt sechs Lehrgänge, wo du die Mannschaft meist nur fünf oder sechs Tage lang hast. Aber ich kannte ja die Arbeit im Nationalteam schon und habe mich gut darauf eingestellt.

Sie hatten sich ja auch etwas vorgenommen im neuen Job. Was konnten Sie schon umsetzen und was muss noch besser werden?

Schädler: Mir war die Vereinsbetreuung ganz wichtig. Wir konnten fast alle Vereine auch mal im Trainingsbetrieb besuchen und haben einen guten Kontakt zu den Trainern vor Ort aufgebaut. Das ist uns ganz gut gelungen. Das wollten wir auch im U15-Bereich schaffen, dafür war aber die Zeit zu knapp oder wir hätten mehr Leute sein müssen.

Wie zufrieden sind Sie mit der sportlichen Bilanz der U16?

Von den Ergebnissen her hätte es besser sein können. Wir haben nur drei von zwölf Spielen gewonnen. Die Entwicklung war aber auf alle Fälle da. Insgesamt hätte ich es mir manchmal leichter vorgestellt. Wir haben über 50 Spieler ausprobiert und muss oft mit den Basissachen anfangen. Da wir die erste Stufe im DEB-Bereich sind, müssen wir die Spieler in unser Spielsystem einführen. Wir müssen viel erklären, machen das aber gerne. Und wenn man dann eine Entwicklung sieht, dann macht das auch wirklich Spaß.

Zum Aufgebot der U16 gehörte mit Matthias Bittner auch ein Starbulls-Torhüter – wieder einer aus der gewohnt guten Rosenheimer Torwartschule?

Schädler: Sigi Harrer schafft es als Torwarttrainer immer wieder, dass da permanent welche rauskommen. Matthias hat alle Grundvoraussetzungen für einen guten Torhüter, aber von der U16 nach oben ist es noch ein ganz weiter Weg. Er muss hart arbeiten, ist da aber durch Sigi sehr gut betreut.

Der deutsche Nachwuchs ist ja in den letzten Jahren weltweit in den Fokus geraten. Sind nach Tim Stützle, Lukas Reichel und JJ Peterka, die beim NHL-Draft weit vorne zu finden sind, weitere Talente im Anmarsch?

Schädler:Wir sind auf alle Fälle viel besser aufgestellt als noch vor ein paar Jahren. Wir haben mittlerweile wesentlich mehr junge Eishockeyspieler und damit eine gute Basis – das ist dem Programm „Powerplay 2026“ von Franz Reindl und dem Fünf-Sterne-Programm des DEB zu verdanken. In den Jahrgängen 2004 und 2005 haben wir schon ein paar gute Spieler, in den Jahrgängen 2006 und 2007 sind wir noch breiter aufgestellt.

Tragen dazu auch Internate wie in Mannheim oder Salzburg bei?

Schädler: Ganz klar. Die Voraussetzungen in Salzburg, wo ja viele deutsche Spieler im Einsatz sind, sind internationaler Standard. Das gibt es überall in Schweden oder Finnland, die kennen dort gar nichts anderes. Wenn du Hochleistungssport betreiben willst, dann brauchst du diese Bedingungen. Und wir brauchen mehr von diesen Standorten wie in Mannheim, Berlin, Köln oder auch Dresden. In Bayern ist es da leider oft problematisch mit den Schulen.

Wie sehr tragen die jüngsten Erfolge im deutschen Eishockey wie Olympia-Silber, der Stanley-Cup-Sieg von Philipp Grubauer oder die Leistungen von Leon Draisaitl zur Nachwuchs-Entwicklung bei?

Schädler: Vorbilder hat es ja schon immer gegeben. Aber solche Erfolge in der NHL bekommt man durch die Medien heutzutage auch besser mit. Bei Olympia sind so viele vorm Fernseher gesessen und haben Eishockey verfolgt. So etwas hilft uns auf alle Fälle. Ich hoffe nur, dass der Boom weiter anhält.

Nach Grubauer könnte mit Lukas Reichel ein zweiter Ihrer ehemaligen Rosenheimer Nachwuchsspieler für ein NHL-Team gedraftet werden. Was trauen Sie ihm zu?

Schädler: Ich würde mich freuen, wenn er schon in der ersten Runde gedraftet wird. Er hat alle Fähigkeiten und es liegt an ihm, dass er sich drüben durchsetzt.

Die Eisstadien sind zu, Lehrgänge sind ausgefallen. Wie können Sie in dieser Phase Ihr Programm erledigen?

Schädler: Wir sind dabei, unseren neuen U16-Kader zusammenzustellen. Wir hatten im Dezember und Februar unsere U15-Sichtungen und können damit arbeiten. Wir haben über 40 Spieler im Kader, mit denen und deren Trainern wir immer wieder Videokonferenzen wegen des Sommertrainings durchführen. Eigentlich wollten wir ab Juli Einheiten auf dem Eis absolvieren – ob das klappt, steht noch in den Sternen.

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