Ex-Starbulls-Coach Manuel Kofler über die vergangene Eishockey-Saison: „Der Wahnsinn“

Manuel Kofler (rechts) und sein Cheftrainer bei den Nürnberg Icetigers Kurt Kleinendorst. privat
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Manuel Kofler (rechts) und sein Cheftrainer bei den Nürnberg Icetigers Kurt Kleinendorst.
  • Hans-Jürgen Ziegler
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Vor drei Jahren trainierte Manuel Kofler (39) noch in der 5. Liga die Aibdogs aus Bad Aibling. In der jetzt abgebrochenen Saison war der Ex-Starbulls-Coach und -Spieler Co-Trainer bei den Nürnberg Icetigers in der DEL. Dort stand er sogar in vier Spielen als verantwortlicher Trainer hinter der Bande.

Rosenheim/Nürnberg – Eine steile Karriere legte Ex-Starbuls-Coach Manuel Kofler hin. Wie sich seine Trainerkarriere in den letzten Monaten entwickelte, beschreibt Kofler im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen mit einem Wort: „Wahnsinn“.

Herr Kofler, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie gesundheitlich?

Manuel Kofler: Danke, uns geht es gut, bei uns ist alles super und stabil.

Das abrupte Saisonende liegt jetzt drei Wochen zurück. Wie haben Sie das Aus erlebt?

Kofler: Am Anfang überhaupt nicht real und für uns wie natürlich für alle Eishockeyspieler so kurz vor der Play-off-Runde echt schlimm. Wir in Nürnberg hatten in den letzten Wochen einen richtig guten Lauf, waren gut drauf und haben uns riesig auf die Pre-Play-offs gefreut. Wir waren gut vorbereitet, haben aber dann schon gemerkt, dass die Saison eventuell beendet wird.

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Und wie fühlte es sich dann an?

Kofler: Du willst es am Anfang gar nicht wahrhaben, aber wenn du eine Nacht drüber schläfst, dann weißt du endgültig, dass es nicht nur ein schlechter Traum war. Aber es war natürlich genau die richtige Entscheidung wie man jetzt ja weiß.

Definitiv kein Albtraum war für Sie das Jahr als Co-Trainer bei den Nürnberg Icetigers wo Sie erstmals als Verantwortlicher hinter der Bande DEL-Luft geschnuppert haben. Was waren Ihre Aufgaben?

Kofler: Wir waren in Nürnberg ja nur zu Zweit, während andere Vereine auf den Positionen Chefcoach und Co-Trainer viel mehr Personal haben. Ich war während des Spiels für die Verteidiger und deren Wechsel zuständig.

Viel Verantwortung für einen DEL-Novizen...

Kofler: Ich hatte das Glück, dass unser Chefcoach Kurt Kleinendorst eine Art Mentor von mir war. Er hat mich an allem teilhaben lassen und ich durfte auch die kompletten Video-Aufbereitung für Kurt machen. Außerdem war ich für das Samstags- und Dienstagstraining am Nachmittag praktisch alleine verantwortlich und die anderen Trainingseinheiten haben wir unter seiner Federführung gemeinsam gemacht. Für mich war es insgesamt ein Top-Jahr und ich konnte viel Erfahrung sammeln.

Manuel Kofler mit seinen drei Kindern: Gegrillt wird immer, auch als noch einmal kurz der Winter zurückkehrte.

Sie durften ja sogar ein paar Spiele als Cheftrainer ran. Plötzlich an vorderster Front: Wie war es? Die Stunden und Tage vor dem Spiel, während des Spiels und danach?

Kofler: Das war natürlich der Wahnsinn, auch wenn die Umstände natürlich traurig gewesen sind (Anm. d. Red.: Trainer Kleinendorst flog wegen des Todes seines Bruders nach Nordamerika). Für mich war es eine Mega-Erfahrung und Kurt hat gesagt, dass ich es alleine machen und mir keinen zweiten Mann dazu holen soll.

So etwas nennt man Vertrauen und dann ist ja anfangs auch richtig gut gelaufen.

Kofler: Richtig. Wir haben die ersten beiden Spiele gewonnen. Das war unfassbar und dann sind halt Mannheim und München gekommen und die waren eine Nummer zu groß für uns. Trotzdem war es ein Wahnsinnserlebnis, weil mich auch das Team total unterstützt hat.

Stimmt es, dass Kurt Kleinendorst unbedingt Sie als Co-Trainer wollte?

Kofler: Der Verein wollte auf alle Fälle einen deutschen Co-Trainer haben was ja in der DEL auch nicht selbstverständlich ist. Der Coach konnte dann aus ungefähr 15 verschiedene Kandidaten auswählen. Wir haben zweimal miteinander telefoniert, da hat einfach die Chemie gestimmt und er wollte mich haben.

Wenn man einmal erlebt hat als verantwortlicher Coach in der DEL hinter der Bande zu stehen, will man dann nicht mehr?

Kofler: Ich denke da nur von Jahr zu Jahr und ich freue mich auf nächste Saison. Zuerst muss einmal die Cheftrainer-Position in Nürnberg geklärt werden. Außerdem ist in der aktuellen Lage nicht einmal klar wie viele Mannschaften überhaupt nächste Saison noch in der DEL spielen.

Da haben wohl viele Mannschaften in verschiedenen Ligen zu kämpfen. Haben Sie die Starbulls auch verfolgt?

Kofler: Natürlich habe ich die Starbulls verfolgt und ich hätte den Jungs in der Play-off-Runde noch einiges zugetraut.

Wie gehen Sie mit den veränderten Umständen durch das Corona-Virus um?

Kofler: Jetzt ist erst einmal wichtig, dass wir gesund bleiben und das Eishockey ist zumindest für mich momentan ein Stück weit weg. Ich bin natürlich trotzdem in Kontakt mit den Verantwortlichen in Nürnberg und ich habe mir jetzt sogar mal zwei Spiele aus der weißrussischen Liga angeschaut. Das habe ich vorher auch noch nie getan. Ich arbeite natürlich auch von zu Hause, versuche aber trotzdem so gut es geht abzuschalten, denn es war eine aufregende Saison in der viel passiert ist. Was schön ist, dass ich mich vier Monate um meine Familie kümmern kann.

Sie haben drei Kinder zu Hause. Ihnen wird bestimmt nicht langweilig.

Kofler: Mit drei Kindern wird es absolut nicht langweilig. Mit den Kindern ist es überragend. Es macht einfach Spaß. Wir haben auch das Homeschooling und dazu muss ich sagen: Hut ab vor jedem Lehrer. Die machen das echt super.

Das hört sich ganz harmonisch an. Haben Sie einen Tipp für Eltern, die Ihre Kids beschäftigen müssen/dürfen…

Kofler: Das Wichtigste ist: Tiefenentspannt bleiben. Den Kindern fällt immer wieder was ein und da muss man einfach mal jeden Blödsinn mitmachen. Was was auch ganz wichtig ist in dieser Zeit: Nicht alles zu ernst nehmen.

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