Ex-Starbulls-Keeper ist erfolgreicher Moderator: Patricks kleine und jetzt große Eishockeywelt

Zu Besuchbeim aktuell besten Eishockeyspieler der Welt: Leon Draisaitl mit Patrick Ehelechner.
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Kühlbox live oder Ciao for now – klingelt es da? Das sind Formate beziehungsweise unverwechselbare Merkmale von Patrick Ehelechner (35 Jahre), ehemaliger Eishockeytorhüter. In der DEL und am Karriere-Ende in seiner Heimatstadt bei den Starbulls Rosenheim.

Rosenheim – Vor ein paar Jahren hat Patrick Ehelechner, Ex-Starbulls-Keeper, die Seiten gewechselt. Er moderiert hinter dem Mikrofon Eishockeyspiele live für Magenta Sport. Auch er ist arbeitstechnisch von der Corona-Krise betroffen und hatte deshalb auch Zeit für ein ausführliches Interview mit OVB-Sportredakteur Hans-Jürgen Ziegler.

Ausgerechnet jetzt, kurz bevor die Play-off-Runden im Eishockey starteten, kam das Saisonaus. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Es war schon krass, weil das ganze Jahr bereitest du dich auf diese Zeit, auf die schönste Zeit im Eishockey vor und dann ist von einer Minute auf die andere alles vorbei.

Sie kennen das Eishockey-Geschäft von beiden Seiten. Sie waren früher selbst Spieler und stehen jetzt auf der anderen Seite. Was macht dieses plötzliche Saisonaus mit einem Eishockeyspieler?

Für die Spieler ist es natürlich noch krasser als zum Beispiel für mich. Die Jungs trainieren das ganze Jahr körperlich hart auf diesen Zeitpunkten hin, sind auf den Punkt topfit und dann heißt es plötzlich: Übrigens es gibt heuer keine Meister. Das ist in Worte nicht zu fassen.

Und für Sie selbst? Welche Folgen hat der sudden death um es mit einem speziellen Eishockeyausdruck darzustellen für Sie?

Wir von Magenta Sport hatten so viele Beiträge für die Fans in der Pipeline, aber wir haben natürlich schon gewusst, dass es ernst werden könnte, nachdem in Bayern Großveranstaltungen untersagt worden sind. Ich hätte es eigentlich nicht für möglich gehalten, dass so etwas passieren kann.

Überraschend war, dass keine Pause gemacht wurde, sondern die Saison abrupt beendet war.

Das hat mich nicht überrascht, weil ich wusste, dass einige Clubs schon vorab mitgeteilt haben, dass die Mehrzweckhallen und die Arenen wie Mannheim oder Berlin hinten raus ausgebucht sind. Eine Saisonverlängerung also gar nicht möglich. Das wäre vielleicht in kleineren, nur für das Eishockey bestimmte Stadien gegangen, aber nicht in den großen Arenen. Deshalb wusste ich: Entweder es gibt Geisterspiele, was für Eishockeyvereine keine Option ist, oder die Saison ist zu Ende. So hart wie es ist: Die Entscheidung ist natürlich richtig.

Was bedeutet das für die Eishockeyclubs, die von Zuschauereinnahmen abhängig sind?

Ich hoffe natürlich, dass es wirtschaftlich alle Vereine schaffen und dass die DEL und vielleicht auch die DEL 2 entsprechend gut aufgestellt sind. Aber spätestens ab der Oberliga wird es dann dramatisch, weil diese Vereine noch einmal ganz anders mit Zuschauereinnahmen aus den Play-offs kalkulieren. Bestes Beispiel dafür ist ja Rosenheim. Die Starbulls haben einen Spendenaufruf gemacht, weil sie ein voraussichtliches Minus von 130000 Euro haben. Ich glaube den kompletten wirtschaftlichen Schaden werden wir erst im Sommer beurteilen können und ich hoffe, dass es nicht zu viele Eishockeyvereine zerreißt.

Die Fans sind ganz gierig nach News Sie werden sicher auch mit Verlusten rechnen müssen.

Wir werden alle einen wirtschaftlichen Schaden davontragen. Ich würde zum Beispiel nicht hier sitzen, sondern ich wäre bei einem Play-off-Viertelfinalspiel in Mannheim, Berlin oder München im Einsatz. Positiv ist, dass wir von Magenta Sport unsere Plattformen trotzdem befüllen wollen und werden. Wir haben ja eine gewisse Verantwortung unseren Fans gegenüber – auch auf unseren Social Media-Plattformen wie Instagram oder Facebook. Wir können es uns nicht erlauben von heute auf morgen – so schlimm die Situation ist – nichts mehr auf die Seite zu bringen.

Das heißt es gibt genügend zu arbeiten...

Auf alle Fälle. Wir werden weiterhin Content produzieren, weil wir gemerkt haben, dass die Fans ganz gierig darauf sind, weil es eben momentan nichts gibt. Ich mache zur Zeit viele Insta live-Interviews. Das ist kein großer Aufwand und der Fan kriegt alles mit. Wir wollen unsere Fans und Follower nicht verlieren und deshalb ist es ganz wichtig, dass wir weiterhin präsent sind.

Apropos Follower. Wie viele haben Sie denn davon?

Auf Facebook knapp 19000 und auf Instagram knapp 18000. Komischerweise habe ich seit diesem Stillstand im Sport eine viel höhere Resonanz auf meinen Seiten und das ist, so makaber es klingt, das einzig Positive. Die Nachfrage ist noch höher, weil die Leute Zeit haben und dankbar sind, wenn etwas kommt.

Und Sie wissen als ehemaliger Spieler, was die Leute interessiert. Ihnen ist ja der Sprung vom Profi in das normale Berufsleben perfekt gelungen. War das so geplant?

Als ich in Nürnberg gespielt habe, gab es schon im Privatfernsehen eine Sendung von mir und die hieß: Patricks kleine Eishockey-Welt.

Und diese Eishockey-Welt ist mittlerweile ganz schön groß geworden. Wie ist es denn dazu gekommen?

(lacht) Mein letztes aktives Jahr bei meinem Heimatverein Rosenheim war sportlich gesehen nicht so optimal. Es ist einfach nicht gut gelaufen, wir haben uns alle viel mehr erwartet, aber wir haben als gesamtes Team einfach nicht gut performt. Ich habe mir natürlich auch die Frage gestellt wie es weiter geht. Ich hatte sogar noch Angebote bekommen. Von Heilbronn oder Dresden und sogar aus der DEL von Krefeld.

Und warum haben Sie da nicht zugeschlagen?

Die Frage war für mich: Kriegst du dort eine faire Chance oder bekommst du einfach nur einen Vertrag hingeklatscht, damit sie einen zweiten Torwart haben. Das ist ja der große Unterschied. Ich stand kurz bei meinen 31. Geburtstag und ich war und bin immer noch in Kontakt mit Philipp Wohlfahrt, zur damaligen Zeit Sport-Chef von Servus TV. Und dieser Sender hatte in der Saison 2015/2016 das letzte TV-Vertragsjahr mit der DEL. Der Philipp ist also auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte so eine Art Trainee-Programm im Red Bull Mediahaus durchzuführen. Er hat mir praktisch indirekt nahegelegt meine aktive Karriere zu beenden.

Und bei diesem Angebot haben Sie natürlich sofort zugesagt?

Nicht sofort. Ich bin danach in den Urlaub geflogen und habe mir so Old-school- mäßig eine Pro und Contra-Liste angefertigt. Die Entscheidung war nicht einfach. Ich war total hin- und hergerissen.

Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben?

Der Zufall oder ein Wink des Himmels. Ich war in München beim Shoppen, ich wollte den Kopf einfach frei kriegen. Ich habe mich in ein Café gesetzt und da sitzt man eng aneinander, Es war ein schöner, sonniger Tag und es waren genau zwei Plätze frei. Für mich und meine Freundin. Ich sitze, schaue nach links, schaue nach rechts und denke mir: Den Typen, der da an meinem Ellbogen sitzt kenne ich. Es war der CEO vom Red Bull Media-Haus. Das Gesicht kannte ich und dann habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen, habe ihn angesprochen und ihm erzählt, wer ich bin und was ich mache. Dann hat er mir gesagt, wenn der Philipp Wohlfahrt dir ein Traineeprogramm bei uns anbietet, dann musst du das machen. Das ist eine einmalige Chance in deinem Leben. Das war dann für mich der ausschlaggebende Punkt, weil ich wusste, das hat so sein müssen. In der Millionenstadt München, genau an den Tag, genau in diesem Café, genau auf diesem Platz treffe ich diesen Mann. Am 1. August 2015 habe ich als Trainee-Praktikant angefangen.

Sie waren sich aber auch nicht zu schade, als Co-Kommentator für Radio Charivari zu arbeiten.

Patrick Ehelechner am Ende seiner Karriere als Torhüter der Starbulls Rosenheim in der DEL 2. Ziegler

Natürlich nicht. Das waren wertvolle Erfahrungen, die mir weitergeholfen haben. Die meisten Moderatoren machen die ersten und auch wichtigsten Schritte im Radio. Da sieht dich keiner, da fühlst du dich noch ein bisschen wie in einer Wohlfühloase, weil du nur zu hören bist, du aber von der Pike auf alles lernst. Um den Zuhörern zu Hause zu erklären, was du siehst und das ihnen in klaren Worten weiter zu geben.

Gab es da ein besonderes Highlight?

Wir haben damals, ich glaube das bis dato längste Play-off Spiel der Starbulls-Geschichte live übertragen. Das Spiel dauerte bis 0:10 Uhr.

Das Highlight: Olympisches Finale Und dann ist die Moderatoren-Karriere durch die Decke gegangen. Mit einigen Highlights in den letzten Monaten und Jahren.

So könnte man es sagen. Das absolute Highlight war natürlich das Olympische Eishockeyfinale 2018. Als Spieler ist es mir ja verwehrt geblieben an Olympischen Spielen teilzunehmen. Und jetzt war ich zusammen mit Gerhard Leinauer als Moderator, Kommentator und Experte dabei. Ich habe ja vorher auch schon moderiert und kommentiert, aber diese Plattform, die uns dank den deutschen Eishockeyspielern gegeben wurde, das war natürlich enorm. Da haben wir eine ganz andere Aufmerksamkeit bekommen. Das hat Dimensionen angenommen, an die vorher nicht zu denken war,

Zum Beispiel?

Auf einmal sitze ich mit dem Peter Forsberg (Anm. d. Red. einer der besten Eishockeyspieler der Welt) zusammen beim Essen und im Studio und mache mitihm eine Sendung. Ich bin mit ihm jetzt noch in Kontakt. Diese Zeit übertrifft auch jedes sportliche Erlebnis, das ich erlebt habe. Das hat sich natürlich auch auf meinen Bekanntheitsgrad ausgewirkt. Ich habe zum Beispiel nach dem Spiel gegen Schweden im Viertelfinale 1800 Follower von heute auf morgen mehr gehabt. Da denkt man sich: Wow, was ist denn hier gerade los. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass das nur, in Anführungszeichen, Eishockey ist. Wir reden hier nicht von Dimensionen des Fußballs.

Das alles muss ja für Sie wie ein Traum sein?

Stimmt. Wenn mir einer vor fünf Jahren gesagt hätte in fünf Jahren komentierst und moderierst du ein DEL-Spiel Nürnberg gegen München, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Und jetzt ist es einfach mein Ding.

Mit den Formaten wie Kühlbox und Kühlbox live

Auf das Format Kühlbox live sind wir in der Redaktion in Holzkirchen bei thinxpool gekommen. Wir waren der Meinung, dass wir in der Liga Typen haben, die aber nicht erkannt werden, weil sie mit Helm spielen. Die Ausrede, dass sich in anderen Sportarten ohne Ausrüstung wie im Fußball die Typen besser vermarkten lassen gilt meiner Meinung nach nicht. Ich habe gesagt, dann müssen wir unseren Typen vom Eishockey eine Plattform geben und und sie so normal wie möglich präsentieren. Der Fan draußen soll wissen, dass der Eishockeyspieler genauso wie er ist. Er liebt Pizza und fliegt auch man nach Malle in den Urlaub.

Das Format ist sehr erfolgreich. Das haben auch schon andere entdeckt.

Das freut mich sehr und wir sind mit Kühlbox live sogar schon für den Quotenmeter Fernsehpreis nominiert worden. Allein die Nominierung ist schon eine tolle Wertschätzung unserer Arbeit.

Um überhaupt an diese Spieler ran zu kommen hilft natürlich ihre Eishockey-Karriere ungemein.

Auf alle Fälle, aber der Eishockeyspieler ist in Norm ganz unkompliziert und normal. Die Spieler sind dankbar, dass man etwas über sie und mit ihnen macht. Ich kenne das auch von anderen Sportarten. Da stellt man eine Interview-Anfrage und blitzt sofort ab. Ein Geheimnis von Kühlbox live ist auch die Tatsache, dass wir das auf Facebook live streamen. Da ist noch besser zu sehen wie die Typen sind, weil da nichts geschnitten wird. Wenn da einer oder auch ich einen Schmarrn erzählt oder es passiert uns irgendetwas, dann ist das draußen in der Welt und das finden die Zuschauer interessant und spannend.

Und dann gibt es ja auch noch Ciao for now. Wie sind Sie auf diesen Englisch/Italo-Mix gekommen?

Torhüter unter sich:Der Rosenheimer Philipp Grubauer und der Rosenheimer Patrick Ehelechner. privat

Ich google und recherchiere viel und wusste schon immer, dass man sich von anderen abheben muss. Du musst ein Typ sein und musst einen Wiedererkennungswert haben. Mein Schwager hat in Italien ein Haus in Brindisi und er hatte nur italienische TV Sender unter anderem Sky Italia. Bei einem Champions League Spiel analysierte ein alter Experte und als die Sendung vorbei war, verabschiedete er sich mit Ciao for now. Ich dachte mir nur, wie geil ist das denn, hab gegoogelt, niemand gefunden, der diesen Spruch verwendet. Außer der italienische Experte und jetzt ich.

Und mittlerweile laufen sogar Fans mit einem Hoodie (Anmerk. d. Red. Kapuzenpullover) mit dem Spruch vorne drauf in den Stadion rum?

Ja das stimmt, das ist echt crazy. Das mit den Hoodies war auch nur Zufall. Ich habe mir den Spruch auf einen Hoodie drucken lassen, den immer getragen. Auf einmal war mein Postfach mit 80 Nachrichten voll, die alle diesen Hoodie haben wollten. Ich lebe jetzt nicht davon, aber es ist einfach ein Spaß und freut mich, wenn Fans das tragen.

Diese Hoodies haben Sie auch auf ihrer letzten Reise nach Nordamerika dabei gehabt. Für die deutsche Superstars in der NHL.

Diese 14 Tage waren einmalig. Wir hatten die Idee, den aktuell besten Eishockeyspieler der Welt, der auch noch Deutscher ist, zu besuchen. Magenta hat das relativ schnell genehmigt. Auch dass wir neben Leon Draisaitl noch Philipp Grubauer, Dennis Seidenberg und Dominik Kahun besuchen.

Und wie sind die Jungs so drauf?

Durch die Bank sympathisch, cool und nett. Ich bin mit allen jetzt noch in Kontakt, wir schreiben uns und da sind einfach Freundschaften entstanden.

Sie haben praktisch das zweite Mal ihr Hobby zum Beruf gemacht. Das kann nicht jeder von sich behaupten.

Eigentlich unglaublich und dafür bin ich auch jeden Tag dankbar. Und wir haben in den nächsten Wochen und Monaten noch sehr viel zusammen vor.

Können Sie uns da schon ein Geheimnis verraten?

Natürlich und exklusiv für die OVB-Heimatzeitungen. Am Samstag, 28. März moderiere ich bei Magenta Sport auf Instagram live die Gala der Deutschen Eishockey Liga. Da werden die besten Spieler der Saison geehrt und live zugeschaltet. Ein Muss für jeden Eishockey-Fan. Bis dann und Ciao for now...

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