20 Jahre Starbulls Rosenheim

Eishockey-Ikone Mondi Hilger: Ein Bier für ein Autogramm und ein ganz besonderes Tor

Eins der drei wichtigsten Tore in seiner Karriere: Mondi Hilger flog zum Treffer im Bayernliga-Finale der Starbulls gegen Landsberg.
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Eins der drei wichtigsten Tore in seiner Karriere: Mondi Hilger flog zum Treffer im Bayernliga-Finale gegen Landsberg.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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Mondi Hilger, der Rosenheimer Meisterspieler von 1989 und Gründungsmitglied der Starbulls im Jahr 2000, bestritt insgesamt 823 Spiele für Rosenheim im Seniorenbereich. Dass Hilger, der am 3. Dezember seinen 55. Geburtstag feierte, ein Teil der OVB-Sportserie „20 Jahre Starbulls“ gehört, versteht sich von selbst.

Rosenheim – Im etwas anderen Interview „Hilger von A bis Z“ geht es auch um das erste Spiel der neugenründeten Starbulls in der Bezirksliga. Sein Berchtesgadener Gegenspieler bat Mondi Hilger beim Bully nach einem Autogramm. Die spontane Antwort von Hilger passte zu der Liga. An ein Tor erinnert sich der Stürmer mit der Nummer 25 besonders gerne und verrät mit welchem Spieler man unbedingt einmal zusammengespielt haben muss.

Entspannt im Urlaub: Eishockey-Ikone Mondi Hilger.

A wie Aufstiege

Mondi Hilger: Der Aufstieg von der Bayern- in die Oberliga und das Finale gegen Landsberg bleiben natürlich in besonderer Erinnerung. Das war immer ein harter Kampf gegen Landsberg – auch in den Jahren vorher in denen wir nicht immer das bessere Ende für uns gehabt haben. In diesem Finale wollte ich einfach nicht mehr gegen Landsberg verlieren. In diese Woche mit den drei Finalspielen hatte ich tatsächlich das Gefühl wie zu meiner Profizeit. Ich war total fokussiert, habe an nichts mehr anderes gedacht als an den Aufstieg. Einer unserer Spieler fragte Andi Schneider, ob wir den Aufstieg schaffen. Schneider sagte zu ihm: Wir haben den Mondi, ich kenne ihn und so wie jetzt war er noch nie. Das hat mir Andi Schneider später erzählt. Ich konnte in diesen drei Spielen, auch mit diesem Alter, eine Leistung abrufen, die gepasst hat. An dem Tag musste es sein, und dass es geklappt hat, ist umso schöner.

B wie Berchtesgaden

Hilger: Es war das erste Punktspiel nach unserer Zwangsversetzung in die Bezirksliga. Da waren über 3000 Zuschauer im Stadion und wir haben sehr hoch gewonnen. Während des Spiels hat mich ein Gegenspieler gefragt, ob er von mir ein Autogramm haben könnte. Ich sagte zu ihm: Selbstverständlich, wenn du nach dem Spiel ein Bier für mich hast, bekommst du ein Autogramm.

Nach dem Oberliga-Aufstieg im VIP-Raum: Mondi Hilger mit seiner Frau Conny

C wie Conny

Hilger: Meine Frau Conny spielte natürlich in dieser ganzen Geschichte schon eine besondere Rolle. Wenn sie nicht gesagt hätte „spiel weiter“, dann hätte ich nicht mehr zehn Jahre draufgelegt, sondern hätte nach zwei Jahren aufgehört. Ohne sie und ohne ihre Unterstützung hätte ich sicher nicht so lange gespielt.

Nach Finalsieg in Peiting und dem Meistertitel in der Oberliga: Mondi Hilger mit Richard Diebald.

D wie Diebald

Hilger: Richard Diebald hat Zusammen mit seinen Mitstreitern natürlich eine sehr, sehr große Rolle in den Jahren gespielt. Richard hat natürlich als großer Eishockey-Mäzen, der er auch schon vorher war, Rosenheim zu dem gemacht, was es heute ist. Er hat einen stabilen Verein mit stabilen Zahlen hinterlassen mit einer gesunden Struktur und mit einem tollen Nachwuchs. Und für das, was er zusammen mit seinem Vorstandskollegen in dieser langen Amtszeit für den Verein getan hat, bin ich ihm dankbar und das sollten auch die Starbulls sein.

E wie Enttäuschung

Hilger: Da gibt es sicher einige Sachen, aber ein positiver Mensch wie ich vergisst leicht. Ich bin nicht nachtragend. Das ist eine gute Eigenschaft, weil man keine dreckige Wäsche waschen muss. Aber es gab sicher Situationen sportlicher Natur oder auch mit Personen, die nicht so schön waren.

Beim Abschied: Mondi Hilger grüßt die Rosenheimer Fans.

F wie Fans

Hilger: Die Rosenheimer Fans sind zurecht oft sehr hoch gelobt worden, aber es gab auch Situationen, die nicht so toll waren. Wie zum Beispiel eine Sitzblockade vor dem Mannschaftsbus. Die Starbulls-Fans sind natürlich unglaublich treue und ziemlich sachkundige Zuschauer. Der harte Stamm geht schon lange ins Eishockey. Die kennen sich aus, die wissen schon, ob sich einer reinhaut. Ich hätte nie gedacht, dass unsere Fans so eisern sind und solange dem Verein in der Anzahl die Treue halten. Das ist schon sehr bemerkenswert.

Rechtsschütze Mondi Hilger hat in seiner Karriere viele Tore für Rosenheim erzielt.

G wie Geisterspiele

Hilger: Spiele ohne Zuschauer kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich kann mich nur erinnern, als wir mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft gegen die russische A-Nationalmannschaft gespielt haben. Das war praktisch ein Geisterspiel, weil es ja ein inoffizielles Testspiel war. Das war ungefähr im Vergleich so, als wenn die Kolbermoorer C-Jugend gegen den FC Bayern München spielt. Wir haben praktisch die Scheibe kaum berührt und da war es ganz gut, dass es praktisch ein Geisterspiel war.

H wie Hanemann

Hilger: Roland Hanemann war natürlich einer der Spieler aus Landsberg, der auch diese Rivalität zwischen Rosenheim und Landsberg ausmachte. Ich habe ihn später kennengelernt und er ist eigentlich ein ganz guter Typ. Ich habe mit ihm auch während der Spiele keine Probleme gehabt, weil er wahrscheinlich mit mir kein Problem haben wollte. Er hat seine Show abgezogen, aber genau das fehlt in der heutigen Zeit. Es fehlen Typen, die etwas Besonderes machen beziehungsweise über die man sich aufregen kann. Es ist einfach alles ein bisschen ein Einheits-Eishockey geworden.

Eine Collage für Mondi Hilger, der in Rosenheim Kultstaus genießt.

I wie Ikone

Hilger: Grundsätzlich hat Rosenheim mir meine Karriere so ermöglicht, wie sie dann gelaufen ist. Erst im Nachwuchs und dann mit der Unterstützung der Familie März, die das Rosenheimer Eishockey auf ein ganz ein anderes Niveau gebracht hat. Der Neustart 2000 war für mich dann eine gute Gelegenheit etwas zurückzugeben. Und das habe ich auch zehn Jahre lang getan - ohne Geld und neben meiner Arbeit. Natürlich ist Ikone ein großer Begriff und es ehrt mich sehr und ich bin natürlich auch sehr stolz darauf. Aber man darf es auch nicht überbewerten.

Vor dem Duell der Starbulls gegen München in der Saison 2004/2005: Metzgerei-Chef Mondi Hilger von den Starbulls und der Angestellte Mario Jann, der für München spielte.

J wie jähzornig

Hilger: Ich kann definitiv sehr jähzornig werden – vor allen Dingen dann, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich erinnere mich da an eine Szene bei einem Landesligaspiel gegen München. Ich hatte gerade meine Zwei-Minuten-Strafe abgesessen, gehe wieder aufs Eis, als ein Münchner Außenstürmer kerzengerade auf mich zuläuft. Ich bin nur dagestanden und er ist dann wie gegen einen Pfosten gelaufen. Und ich hatte schon wieder zwei Minuten bekommen. Unberechtigt. Da war es bei mir aus. Gott sei Dank für den Schiedsrichter oder für mich ist das Plexiglas auf der Strafbank ziemlich hoch gewesen, sodass ich nicht drüber steigen konnte. Und dann ist noch der Thomas Mühlbauer, der damals in München gespielt hatte, zu mir gekommen und sagte: Mondi, Mondi, hör auf die sperren dich dein ganzes Leben.“ Und ich habe ihm nur gesagt: Ich hör ja sowieso auf. Seine Antwort: „Dann passt es ja“.

K wie Kampfgewicht

Hilger: Ich hab natürlich weniger Gewicht als zu meiner aktiven Zeit, weil ja die Muskelmasse nicht mehr so vorhanden ist, aber natürlich tue ich was dafür, dass ich mein Gewicht halte. Ich spiele gerne Tennis, nimm an Skirennen teil, fahr im Sommer Rad, gehe Joggen und mache Krafttraining. Ich bin froh, dass ich mich immer noch so bewegen kann und die Knochen so herhalten.

L wie Lechl

Hilger: Als wir unsere Mannschaft im Jahr 2000 zusammengestellten, habe ich den Jürgen „Bogo“ Lechl angerufen und ihm gesagt, das er wieder spielen muss. Er hat mich nur gefragt, ob ich einen Vogel habe. Einen Tag später hat mich Bogo zurückgerufen und hat mich gefragt, wann das erste Training ist. Der Bogo brauchte allerdings spezielle Schläger. Er könne mit den aktuellen Schlägern nicht spielen, sagte er, der Umfang sei zu groß. Ich bin dann mit 30 Schlägern zum Schreiner gefahren und der hat mir dann auf jeder Seite 0,5 Millimeter abgefräst. Der Schläger hatte im Umfang einen Millimeter weniger. Der Bogo war glücklich und wir hatten einen weiteren Topspieler in unserem Team. Aber er war nicht der einzige Sonderfall. Da gäbe es einige Geschichten zu erzählen.

M wie München

Hilger: Ich bin Ende 2000 noch einmal für 20 Spiele nach München gewechselt. Das war kurz vor Weihnachten. Wir haben am Freitag noch mit den Starbulls im offenen Eisstadion bei Regen in Trostberg gespielt und am Samstag bin ich mit München nach Köln gefahren. Spitzenspiel Erster gegen Zweiter in der Köln-Arena vor 17000 Zuschauern. Das war sogar für mich beeindruckend.

Zwei, die zusammen 1989 Deutscher Meister mit dem Sportbund Rosenheim wurden und im Jahr 2000 beim Neuanfang mithalfen: Mondi Hilger und Heini Schiffl.

N wie Neuanfang

Hilger: Da kann ich mich noch sehr gut an die außerordentliche Mitgliederversammlung des Bayerischen Eissport-Verbandes erinnern. Wir haben uns da wochenlang vorbereitet, aber das Ergebnis stand eigentlich schon vorher fest. Wir sind da vorgeführt worden und deshalb habe ich auch den Ausspruch der Proletenversammlung getätigt. Die Sitzung ist gelaufen, wie es der Vorsitzende und nicht wie es die Mitglieder haben wollten. Und das hat mich gestört.

O wie Oldie

Hilger: Gegen Ende meiner aktiven Zeit bei den Starbulls bin ich mir dann schon vorgekommen wie ein Oldie. Wenn du mit deinem eigenen Sohn auf dem Eis stehst oder Spielern wie Meirandres, Daxlberger oder Steinhauer Die haben 2000 noch im Knabenbereich gespielt und sind dann plötzlich in der Kabine neben dir gestanden. Dann weißt du, dass es Zeit wird aufzuhören.

P wie Peiting

Hilger: Beim Finalsieg in Peiting war ich natürlich mit dabei, habe aber selbst nicht gespielt. Grundsätzlich war Peiting immer ein schwerer Gegner, weil sie es immer verstanden haben eine Top Mannschaft aufzustellen. Das muss man auch bewundern. Die Eishockeylandschaft in Deutschland würde es in der Form nicht geben, wenn Vereine wie zum Beispiel Peiting oder Füssen nicht so eine gute Nachwuchsarbeit an der Basis machen würden.

Q wie Quarantäne

Hilger: Ich könnte mir das für mich gar nicht vorstellen, wenn ich als Eishockeyspieler 14 Tage nichts tun dürfte. Ich stelle mir das auch für den Kopf sehr schwer vor, dass man da nicht matt wird und nicht die Lust verliert.

R wie Rosenheim

Hilger: In meiner Kindheit, als mich mein Vater immer wieder mal ins Eishockey mitgenommen hatte, war es mein Traum irgendwann mal vor so Menschenmassen zu spielen. Das war für mich etwas ganz Besonderes und auch die Sportart an sich hat mich immer mehr begeistert. Dass ich im Sport etwas gefunden habe, das eine Leidenschaft von mir geworden ist und mein Leben auch zu großen Teilen bestimmt hat, das hat die Stadt Rosenheim damit ermöglicht, dass wir ein vernünftiges und großes Stadion gehabt haben. Ich bin einfach stolz darauf, dass wir den Namen Rosenheim über die Grenzen hinaus bekannt gemacht haben.

S wie Starting Six

Hilger: Wir reden jetzt von einer Mannschaft ab dem Jahr 2000. Da muss ich nicht lange überlegen. Im Tor Oliver Häusler, in der Abwehr Micky Rohner und Wacki Kretschmer und im Sturm Mondi Hilger, Jürgen Lechl und Vitus Mitterfellner.

T wie Trainer

Hilger: Unabhängig von den Leistungen und Erfolgen anderer Trainer hat uns gerade in der Anfangszeit Gerhard Graf sehr geholfen. Er ist Rosenheimer und er hat sofort zugesagt. Das zeigt auch seine Affinität zum Rosenheimer Eishockey. Es war teilweise auch schwierig mit dem Gustl (Gerhard Graf Anm. d. Red. ), weil er aus dem Nachwuchsbereich gekommen ist und er meinte, wir müssten genauso viel laufen wie seine 17- und 18-jährigen Spieler aus der DNL. Da gab es manchmal Probleme, aber Graf war da gnadenlos.

U wie unbequem

Hilger: Ich bin eigentlich schon leicht zu Handeln, aber wenn mir irgendetwas nicht passt, kann ich schon sehr unbequem werden. Was ich überhaupt nicht haben kann ist, wenn sich Spieler nicht an Regeln halten, die in einer Mannschaft einfach Gesetz sind. Da hat zum Beispiel ein Verteidiger von uns einen jungen Spieler auf der Bank vor den Zuschauern so zusammengeschissen, dass ich aufgestanden bin und fast handgreiflich geworden wäre. Auch, dass Dinge aus der Kabine in die Öffentlichkeit getragen wurden, kam vor, aber diese zwei Spieler haben nicht mehr lange in Rosenheim gespielt.

Zwei Eishockeyverrückte im positiven Sinn: Mondi Hilger (vorne) und Vitus Mitterfellner.

V wie Vitus

Hilger: Wenn man Eishockey gespielt hat, sollte man zumindest eine Saison einmal mit Vitus Mitterfellner zusammen gespielt haben. Er ist einfach ein Unikum, das du zumindest in Deutschland nicht mehr so schnell findest. Er liebt das Eishockey und ich glaube, er hat noch länger aktiv Eishockey gespielt als ich. Vielleicht spielt er sogar immer noch.

Tor durch Mondi Hilger

W wie wichtigstes Tor

Hilger: Wenn ich mich an drei Tore erinnern müsste, war sicher auch der Treffer im Finale gegen Landsberg dabei, als ich von links Richtung Tor zog, mich gegen zwei Landsberger durchsetzte und im Flug die Scheibe über die Linie schob. Dann gab es da noch das Tor zur deutschen Meisterschaft 1989 beim 4:2-Sieg in Düsseldorf als ich die Scheibe aus der Luft nahm und das 3:2 erzielte. Wichtig war auch noch der Treffer bei meiner ersten Weltmeisterschaft gegen die Schweiz, als wir den Klassenerhalt schafften.

Von den Starbulls-Fans verehrt: Die Nummer 25 Mondi Hilger

XXV wie 25 in römischen Ziffern

Hilger: Ein großer Prozentsatz der Spieler in Deutschland hat seine Nummer, weil eben keine andere frei war. Und so war es bei mir auch, denn damals hat es nur Nummern bis 30 gegeben und der Kader von Rosenheim war relativ groß. Frei war die Nummer drei, die ich sogar mal kurz gehabt habe. Und die 25 war mir einfach sympathisch. Dann hat man natürlich versucht, immer die gleiche Zahl zu bekommen. Bei der Nationalmannschaft habe ich die 15 gehabt, weil die 25 Uli Hiemer gehörte.

Y wie Youngster

Hilger: Mir hat es mit den jungen Spielern sehr viel Spaß gemacht und ich bin auch sehr gut mit ihnen klargekommen und ich glaube sie auch mit mir. Ich habe immer noch Kontakt zu diesen Spielern, die auch teilweise heute noch aktiv sind.

Z wie Zwangsabstieg

Hilger: Der Zwangsabstieg ist eigentlich mit dem Lizenz-Verkauf losgegangen. Ich habe das erfahren, bevor es an die Öffentlichkeit ging. Ich wollte eigentlich mit dem Eishockey aufhören, nachdem mein Vater ein Jahr vorher gestorben ist und ich noch ein volles Jahr in der DEL gespielt habe. Training, Arbeit, Spiele – ich war einfach fertig und reif für die Insel. Aber nach 14 Tagen und nachdem mir Andreas Peters vor Augen geführt hatte, wie wichtig es sei, dass in Rosenheim das Eishockey weitergeht, war ich dabei. Und das war letztendlich auch gut so.

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