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Eiskockey-Crack Lukas Laub und Fußballer Moritz Kappelsberger im Interview

Starbulls trifft US-Fußball: Warum zwei ungleiche Rosenheimer Sportler zusammen trainieren

Gemeinsam trainieren Moritz Kappelsberger (links) und Lukas Laub (hinten) im Premium Fitnessstudio Quest Club.
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Gemeinsam trainieren Moritz Kappelsberger (links) und Lukas Laub (hinten) im Premium Fitnessstudio Quest Club.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    VonHans-Jürgen Ziegler
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Lukas Laub und Moritz Kappelsberger sind ein ungleiches Paar: Der eine 1,93 Meter groß, ein „Schrank“ und Fußballer, der andere 1,80 Meter groß, eher der „Typ drahtig“ und Eishockeyspieler. Was die beiden zusammen machen, erzählen sie im Gespräch mit den OVB-Sportredaktion.

Rosenheim – Der eine 1,93 Meter groß – ein Schrank, der andere 1,80 Meter und vom Typ eher die Kategorie drahtig. Der eine ist Eishockeyspieler bei den Starbulls Rosenheim, der andere ist Fußballer, kommt aus Pang, spielt und studiert seit vier Jahren in den USA. Beide trainieren in den Sommermonaten zusammen, bereiten sich auf die neue Saison vor. Fragt man 100 Personen, wer der Eishockeyspieler und wer Fußballer ist, sagen 90: Der „Schrank“ spielt Eishockey und der andere Fußball. Es ist aber genau anders herum.

Ein ungleiches Paar vereint im sportlichen Ehrgeiz: Fußballer Moritz Kappelsberger und Eishockeyspieler Lukas Laub.

Zurück zu seinem ersten Verein

Lukas Laub, 1,80 Meter groß, in Rosenheim geboren und nach 13 Jahren zu seinem ersten Verein zurückgekehrt, spielt Eishockey und der 1,93 Meter große, 23-jährige Moritz Kappelsberger spielt Fußball. Mittlerweile haben sich die Größenverhältnisse und die körperlichen Staturen in den beiden Sportarten verändert.

Im Eishockey spielt Schnelligkeit eine immer größere Rolle als Körperlichkeit, beim Fußball sind vor allen Dingen in der Innenverteidigung robuste, kopfballstarke Spieler gefragt, die gerade in der Spieleröffnung etwas draufhaben müssen. Die OVB-Sportredaktion hat „Luki“ und „Mo“ beim Training im Premium Fitnessstudio Quest Club beobachtet und anschließend mit beiden Sportlern gesprochen.

Ein Fußballer und ein Eishockeyspieler trainieren zusammen. Wie ist es zu dieser Konstellation gekommen?

Lukas Laub: Wir haben uns über den Bruder von Moritz kennengelernt, der in meinem Freundeskreis ist und so ist das zustande gekommen. Wir sind beide ehrgeizig, haben Ziele und da macht es Sinn, in der Sommervorbereitung etwas zusammen zu machen. Mit Mo zusammen zu trainieren bringt einfach mehr Motivation.

Moritz Kappelsberger: Wenn dein Trainingspartner ebenso ambitioniert und motiviert ist, bringt das einfach mehr als alleine zu trainieren. Wir motivieren uns gegenseitig und deshalb ziehen wir die vier bis fünf Wochen in der Vorbereitung gemeinsam durch

Wann trainiert ihr wieder mit euren Teams?

Laub: Wir starten im August mit den Starbulls und dem gemeinsamen Training.

Kappelsberger: Ich habe in den USA in einer Sommer-Mannschaft in Des Moines (Iowa) gespielt und während des Semester spiele ich für die Universität Mannschaft der Wisconsin Badgers. Da geht bei uns im August mit dem neuen Semester die Saison wieder los.

Lukas Laub beim Training für den Oberkörper. Hinten schiebt sein Trainingspartner an

Gibt es eigentlich Unterschiede im Training, weil ihr aus zwei verschiedenen Sportarten kommt?

Laub: Tendenziell gibt es natürlich schon Unterschiede, wenn man richtig sportartspezifisch trainiert. Aber wir haben relativ ähnliche Ansichten von Fitness und wie man trainiert und deshalb können wir das ganz gut kombinieren.

Kappelsberger: Wenn du richtig in die Sportart reingehst, also wenn Luki aufs Eis geht oder ich auf den Fußballplatz, dann unterscheidet sich das Training natürlich schon. Aber so wie wir trainieren ist es schon sehr ähnlich.

Laub: Mo braucht den Speed auf den ersten Metern genauso wie ich. Und gewisse Komponenten sind eigentlich in jeder Sportart erforderlich, wie zum Beispiel Kraft oder Kraftausdauer.

Die Eishockey-Fans schimpfen oft über die Fußballer, wenn die über hohe Belastungen während der Englischen Wochen jammern. Kann man die beiden Sportarten, was die Belastung betrifft, überhaupt vergleichen?

Kappelsberger: Im amerikanischen System ist es im Fußball so, dass wir auch jeden dritten Tag spielen. Wir haben also ständig Englische Wochen und absolvieren in zweieinhalb Monaten 18 Spiele. Aber die Belastungen in beiden Sportarten sind schon unterschiedlich. Die Eishockeyspieler haben kürzere Zeiten auf dem Eis, geben da aber Vollgas mit sehr hohen Belastungen. Und im Fußball hast du die 90 Minuten, in denen du auch sehr hohe Belastungen hast, aber eben auch wieder Zeit dich zu erholen.

Laub: Eher kann man Eishockey mit Hallenfußball vergleichen, wobei wir im Eishockey natürlich pro Einsatz nur rund 35 oder 40 Sekunden auf dem Eis stehen. Ich kann Eishockey und Fußball ganz gut miteinander vergleichen, weil ich ja mit 16 noch bei Schloßberg Fußball gespielt habe, da aber schon bei den Jungadlern in Mannheim spielte und topfit war. Beim Fußball ist es mir trotzdem schon mal passiert, dass ich in der Schlussphase einen Krampf bekommen habe. Es ist eben eine komplett andere Belastung.

Kappelsberger: Der Körper passt sich relativ schnell auf die 90 Minuten an, aber man sieht dann auch bei Profifußballern, dass wenn es in die Verlängerung geht, die Luft dünn wird.

Laub: Der Profi-Fußball ist, was die Spielsteuerung betrifft, ein bisschen weiter als das Eishockey. Beim Eishockey ist es ab und zu schon zu viel, gerade jetzt in der Corona-Saison war es nicht mehr normal. Da hat man praktisch jeden zweiten Tag gespielt und da kommen dann natürlich die Verletzungen.

Ihr wart/seid beide in den UAS. Wie ist es zu den Auslandsaufenthalten gekommen?

Kappelsberger: Ich habe damals in Unterhaching gespielt und dann ist es darum gegangen - Profivertrag ja oder nein. Ich war zu dieser Zeit noch nicht bereit dafür und es hat ehrlicherweise auch noch nicht gereicht. Dann habe ich mit Bekannten und Freunden über deren Erfahrungen in den USA gesprochen und alle haben mir empfohlen das zu machen. Wir haben ein Video zusammengestellt, das an Agenturen geschickt und dann hast du eben mehrere Optionen von verschiedenen Universitäten. Bei mir war es wichtig, dass ich das Vollstipendium bekomme, weil das Studium in den USA so teuer ist. Das wäre für mich nicht machbar gewesen. Jetzt habe ich die Option, noch ein fünftes Jahr weiter zu machen. Wegen Corona hat es eine neue Regelung für Athleten gegeben, die ein fünftes Jahr mit Vollstipendium dranhängen können.

Moritz Kappelsberger in Aktion: Mit dem Schlitten wird vor allem die Schnelligkeit auf den ersten Metern trainiert.

Und wie geht es danach weiter? Haben Sie schon einen Plan, wollen Sie eventuell in den USA bleiben?

Kappelsberger: Schwierig zu beantworten. Also ich bin jetzt dann in einer sehr guten Fußball-Uni. Der Trainer war bei der WM 2002 bei den USA Co-Trainer. Der hat natürlich viele Kontakte. Mein Plan ist es in den Profibereich zu gehen und da ist eben Anfang Januar im kommenden Jahr der Draft zu den Profiteams. Wenn das funktioniert und ich unterkomme, dann nehme ich das natürlich mit. Wenn nicht, gehe ich wahrscheinlich nach Deutschland zurück.

Und wie war es bei Ihnen? Sie sind ja schon mit 15 Jahren aus Rosenheim weg.

Laub: Richtig, Ich bin erst einmal nach Klostersee gewechselt und dann zu den Jungadlern Mannheim. Da haben wir auch schon Turniere in den USA und Kanada gespielt. Da ergab sich die Chance unter der Saison rüber zu gehen. Da war ich 18 Jahre alt. Ich war erst für drei Monate da und es war natürlich eine extreme Umstellung. Ich wurde in ein Team reingeworfen, lebte bei Gast-Eltern – für mich war alles neu. Im Sommer war ich wieder zu Hause und danach bin ich viel ruhiger und entspannter in die USA zurück, weil alles geplant war. Erst war ich in Texas und dann in Minneapolis.

Starbulls-Neuzugang Lukas Laub beim Schnellkraftraining

Und natürlich gab es ein Ziel, aber da ist etwas schief gelaufen.

Laub: Natürlich auch mit einem Ziel zu studieren und Eishockey zu spielen. Bevor es so weit war, musste ich durch ein sogenanntes Clearing House. Da wird festgestellt, ob und in welcher Liga du spielen kannst. Ich habe damals bei den Jungadlern auch noch drei Spiele in der Oberliga mit Förderlizenz für Bad Nauheim absolviert und das war der Haken. Du darfst vorher nicht als Profi gespielt haben beziehungsweise du darfst nicht für Geld spielen. Deshalb hätte ich nur in der Division 3 spielen können und mein Ziel war eben die Division 1. In der Division 3 hätte ich kein 100-prozentiges Stipendium erhalten. Deshalb habe ich für mich entschieden, dass es keinen Sinn macht, weil ich nicht 20000 Euro für das Studium aufbringen konnte. Dann bin ich eben zurück nach Deutschland und in Frankfurt gelandet. Der Plan war ein anderer, aber so wie es letztendlich gelaufen ist, passt es auch. Es war einfach ein anderer Weg.

Ihr habt in eurer Karriere bisher schon viele Trainer gehabt. Hat Euch da einer besonders beeinflusst?

Laub: Ich hatte in Mannheim den Helmut de Raaf - eine absolute Legende und was er eishockeyspezifisch drauf hatte, habe ich noch nicht erlebt. Er hat mich genauso geprägt wie Paul Gardner in Frankfurt, als wir Meister geworden sind. Das war ein Kanadier, der auch in der NHL gespielt hatte und schon viel erlebt hat. So einen Umgang mit einem Trainer, der menschlich auf einer Augenhöhe war und mit seiner Art so viel erreicht hat, das war prägend für mich. Er hat natürlich meine Erwartungen an einen Trainer sehr hoch gesetzt.

Kappelsberger: Mich hat im Nachwuchsbereich vor allem in die Rosenheimer Zeit bei Christian Haas und beim DFI geprägt und in meiner Zeit in Unterhaching Claus Schromm. Der war menschlich top, ich durfte auch schon bei der ersten Mannschaft mit trainieren und mit ihm konnte ich eigentlich über alles reden. Und die Zeit in den USA hat mich natürlich auch geprägt, weil ich dort lernte, dass man auch über seine Grenzen hinaus gehen muss und kann.

Gibt es einen Mitspieler, der euch besonders begeistert hat?

Kappelsberger: Also bei mir war es in meiner Unterhachinger Zeit Karim Adeyemi, der jetzt deutscher Nationalspieler ist und in Dortmund spielt. Der hat damals, obwohl er drei Jahre jünger war als wir, bei uns in der U 19 Bundesliga-Mannschaft mit trainiert und er war vom Kopf schon weiter als wir. Er war vor dem Training eine Stunde früher auf dem Platz und ist nach dem Training länger geblieben. Karim hat damals schon gewusst, was er will.

Laub: Für mich war es natürlich Leon Draisaitl mit seiner Karriere an sich. Aber es war für mich auch krass zu sehen, wie Dominik Kahun seinen Weg gegangen ist. Der war damals bei den Schülern ziemlich klein und viele hatten bezweifelt, dass er sich durchsetzen kann. Aber er hat es immer geschafft – bis in die NHL und in die Nationalmannschaft. Was ich an ihm so schätze ist, dass er ein so ein bodenständiger Typ geblieben ist. Wie er sich entwickelt hat, das finde ich total cool.

Besondere Trainer, besondere Spieler – gab es auch Schlüsselerlebnisse in Eurer Karriere?

Laub: Ein spezielles Schlüsselerlebnis gab es eigentlich nicht. Natürlich will man immer Meister werden und der Titel mit Frankfurt damals war super. Das fühlt sich auch super an und mit Rosenheim ist eben jetzt auch das Ziel Meister zu werden. Es ist völlig egal in welcher Liga, aber als Erster durchs Ziel zu gehen ist schon etwas Besonderes. Ich habe über mich selbst so viel gelernt, hab so viele unterschiedliche Leute kennengelernt und man erlebt einfach so viele verschiedenen Situationen, positiv und negativ, und das macht es aus.

Kappelsberger: Bei mir gibt es schon zwei Schlüsselmomente. Das war eben in Unterhaching, als es für mich nicht mehr weiter gegangen ist und ich auch für mich selbst gemerkt habe, dass das nicht der Weg ist. Das war schon so ein Cut für mich. Da habe ich auch für mich überlegt, ob Profifußball das Richtige ist und wie es jetzt weiter geht. Dann war natürlich der Schritt in die USA, als ich auf mich allein gestellt war. Ab da wusste ich, dass Fußball eigentlich das ist, was ich machen will.

Sie sind jetzt im besten Eishockey-Alter gehen jetzt in die Oberliga zurück. Sie haben sicher auch andere Angebote gehabt zum Beispiel aus der DEL2. Spielte bei Ihrer Entscheidung die Zukunft, was nach dem Eishockey kommt, auch eine Rolle? Haben Sie einen Plan B?

Laub: Natürlich war das auch ein Grund, dass ich nach Rosenheim zurück gekommen bin, weil ich mich dann eben auch für später orientieren möchte. Was ich zum Beispiel nach dem Eishockey mache. Ich gehe jetzt schon ein bisschen in die Fitness-Richtung, arbeite im Quest und kann da Erfahrungen sammeln. Letzte Saison in Kassel war das bei mir schon extrem. Ich bin da gesessen und habe gedacht: Was mache ich mit meiner Zeit. Ich hatte das Verlangen etwas zu tun. Gleichzeitig hat mir auch mein Bauchgefühl gesagt, dass wenn ich nach Rosenheim zurückgehe, mich das mehr erfüllt und mehr motivieren wird - auch wenn es jetzt „nur“ Oberliga ist. Aber es gibt mir definitiv mehr zum Beispiel mit Rosenheim aufzusteigen, mit einem Verein bei dem ich angefangen habe Eishockey zu spielen. Da ist die Family, die Freunde und da kommen Erinnerungen. Zum Beispiel als mein Opa mich immer ins Training gefahren hat und immer auf dem gleichen Platz gesessen ist. Das ist eben emotional viel mehr als bei einem anderen Verein. Und der Gedanke wieder nach Rosenheim zurückzukehren ist ja schon zwei, drei Jahre in meinem Kopf.

Ihr beide habt momentan Urlaub. Was macht ihr außer trainieren?

Laub: Ich gebe im Quest als Personal Trainer Kurse und mache ein paar Lizenzen als Fitnesstrainer. Ansonsten fahre ich mit Freunden Rennrad und gehe in den Simsseer Biergarten Steckerlfisch essen. Und jetzt kommt dann noch eine Rennradtour mit ein paar Kumpels an den Gardasee.

Kappelsberger: Für mich gibt es jetzt eventuell noch die Option nach Marbella zu gehen und dort an einem Trainingscamp teilzunehmen. Da sind auch Bundesliga-Profis und ein Athletik-Trainer dabei.